Haben Sie sich für das fränkische Publikum etwas Besonderes ausgedacht?
Annett Louisan: Ich spiele zum ersten Mal in Franken und bin deshalb sehr gespannt, wie der Abend läuft. Bei mir zählt jede Zeile, da soll so etwas wie ein kleines Kino im Saal entstehen. Normalerweise wird der Erfolg eines Konzerts eher am hohen Geräuschpegel festgemacht. Bei mir ist das etwas anders. Wenn die Leute am Ende eher ruhig sind, dann habe ich sie mitgenommen.
Die Bamberger können sich auf eine gemischte Liedauswahl aus Ihren beiden Alben freuen, oder?
Genau, es wird ein gemischtes Repertoire geben. Die Umsetzung live ist aber natürlich etwas ganz anderes als auf Platte. Ein Song ist nach der Studio-Aufnahme ein kleines Baby und entwickelt sich auf der Bühne dann immer weiter. Ich und meine tollen Musiker, die mich unheimlich gut unterstützen, geben den Stücken dann eine ganz neue Seele, die Songs werden live teilweise ganz anders.

Ja. Aber als wir das erste Lied „Das Spiel“ damals fertig hatten, wurde es uns förmlich aus der Hand gerissen. Das war schon unverhofft, denn wir hätten auch durch die Zielgruppen fallen können, wie das im Fachjargon heißt. Das ist nicht passiert, im Gegenteil. Ich habe Fans sozusagen zwischen sechs und 60 Jahren.
Ihren Musikstil gab es vorher auf dem deutschen Markt noch nicht. Waren Sie auch vom kommerziellen Erfolg überrascht?

Da spielt alles mit rein, die Optik, der Gesang, die Musik. Kleine Mädchen, bei denen die Texte noch nicht so viel zählen, sehen in mir vielleicht ihre Prinzessin, die sie auch mal sein wollen. Bei den meisten Älteren kommt es eher auf die Texte an. Bei uns wird übrigens immer zuerst der Text geschrieben, dem die Musik dann angepasst wird. Das ist bei anderen oft nicht so. Text und Musik müssen ein Gesamtkunstwerk ergeben. Ein Beispiel ist der Song „Wo ist das Problem?“. Da haben wir uns für einen Tango entschieden, weil der Text von Erotik, der leidenschaftlichen Liebe einer Frau und ihrer Eifersucht handelt.
Woher kommt das große Altersspektrum der Fans?

Es ist immer merkwürdig, wenn man verglichen wird. Außerdem lasten diese Namen natürlich schwer und ich würde sie mir nicht anmaßen. Ich denke auch und freue mich darüber, dass meine Eigenständigkeit honoriert wird. Das heißt, dass man mit der Zeit eine gewisse eigene Stimme findet, etwas Eigenständiges macht. Das haben Hildegard Knef oder Marlene Dietrich ja auch getan. Deshalb sind Vergleiche nicht immer sinnvoll.
Sie werden von manchen Kritikern schon als musikalische Enkelin von Zarah Leander, Hildegard Knef oder Marlene Dietrich gesehen. Wie stolz ist man da?