Der „Tatort“ feiert Jubiläum, und pünktlich zum Geburtstag geht ein neues Ermittlergespann auf Gaunerjagd: Wenn an diesem Sonntag, 25. Mai die 700. Folge der ARD-Krimireihe über den Bildschirm flimmert, geben Simone Thomalla (43) und Martin Wuttke (46) ihr Debüt als Leipziger Ermittlerduo – die beiden lösen Peter Sodann und Bernd Michael Lade ab, die lange Jahre als Kommissare Ehrlicher und Kain im Einsatz waren.
Thomalla spielt die schlagfertige Eva Saalfeld, Wuttke ihren verschrobenen Ex-Mann Andreas Keppler – beide sind Kommissare, beide werden zur Leipziger Kripo versetzt und müssen wohl oder übel zusammenarbeiten. Für Simone Thomalla ist das Ganze ein Heimspiel: Die Schauspielerin, die mit dem Ex-Fußballmanager Rudi Assauer zusammenlebt, stammt aus Leipzig.
Wie fühlt man sich denn als frisch gebackene „Tatort “-Kommissarin?
Simone Thomalla: Ich empfinde das als Ritterschlag. Wenn man sich anschaut, welche großartigen Kollegen mit und vor einem in dieser Reihe stehen, von Götz George oder Manfred Krug bis zu Ulrike Folkerts, Andrea Sawatzki und Sabine Postel – ich bin sehr glücklich und stolz.
Wie kamen Sie denn zu der Ehre, als Leipziger Ermittlerin in die Fußstapfen von Urgestein Peter Sodann zu treten?
Ein bisschen wie die Jungfrau zum Kinde. Als die Verantwortliche vom Mitteldeutschen Rundfunk vor etwa zwei Jahren mit mir über den „Tatort“ reden wollte, dachte ich, dass es um eine Gastrolle geht.
Die Figur der Eva Saalfeld ist Ihre erste Rolle als Kommissarin.Haben Sie sich darauf besonders vorbereitet, etwa mit Schießtraining oder einem Besuch in der Pathologie?
Das war nicht nötig, da ich schon mal eine Ärztin gespielt habe und deswegen in der Pathologie war, und einen Schießkurs hatte ich auch schon mal absolviert. Die Vorbereitung war aber insofern anders, als Martin Wuttke und ich die Bücher ein bisschen mitentwickeln konnten.
Martin Wuttke spielt Evas Kollegen und Ex-Ehemann, den kauzigen Andreas Keppler. Was genau haben Sie beide zu den Figuren beigesteuert?
Wir haben uns überlegt, wie man die beiden so unterschiedlich gestalten kann, dass man zwei starke Gegenpole hat. Im ersten Film können wir natürlich noch nicht so viel über Eva und Andreas erzählen. Aber irgendwann wird es richtig zur Sache gehen, und wir haben über einen längeren Zeitraum viele Möglichkeiten, weil die beiden eben mal verheiratet waren.
Im ersten Fall kabbeln sich die beiden aber noch nicht so richtig und pointierte Wortwechsel fehlen – eigentlich schade...
Das kommt schon noch. Im ersten Fall haben sich Eva und Andreas ja auch ein paar Jahre nicht gesehen, da wäre es ein bisschen viel verlangt, dass die sich gleich locker-flockig kabbeln sollen. Aber im zweiten Fall, der ja auch schon gedreht ist, kommt das viel, viel stärker raus.
Sie sind in der DDR groß geworden. Kannten Sie den „Tatort“ damals?
Ich war zwar nie diejenige, die sonntags um 20.15 Uhr auf Teufel komm raus vorm Fernseher saß, um „Tatort“ zu schauen, aber die Reihe hat mich trotzdem von Kindheit an begleitet. In unserer Familie gab es kein Westfernsehverbot. Ich kannte vor allem die „Tatorte“ mit Götz George, und auch als Manfred Krug aus der DDR in den Westen ging und „Tatort“-Kommissar wurde, haben wir immer geguckt.
Vor allem Peter Sodann hat etwas angefressen darauf reagiert, dass er als Kommissar gehen musste...
Die beiden waren 17 Jahre lang „Tatort“-Kommissare, sie hatten eine großartige Zeit und werden sicherlich noch viele Rollen spielen. Martin Wuttke und ich treten ihr großes Erbe mit einer besonderen Fürsorge an und müssen in diese Fußstapfen erst einmal hineinwachsen. Wir haben ihnen nicht die Arbeit weggenommen.
In Ihrem ersten „Tatort“ gibt es weniger Lokalkolorit als bei Ihren Vorgängern. Ist das eine bewusste Abgrenzuung ? Sollen die Leipzig-Krimis auf diese Art moderner und urbaner wirken?
Nein, das glaube ich nicht, der MDR ist der Stadt Leipzig ganz treu und wird ihre Besonderheiten auch weiterhin mit in den Mittelpunkt stellen. Aber jetzt war es eben wichtig, diese beiden Figuren einzuführen und zu etablieren. Ich kann den Dialekt zwar sprechen, aber das Ganze würde doch einen arg humoristischen Touch kriegen, wenn Frau Thomalla plötzlich anfangen würde zu sächseln.