Für rund acht Millionen Euro wurde Schliemanns legendäre Suche nach dem antiken Ort verfilmt. Sat.1 zeigt den Zweiteiler heute und morgen jeweils um 20.15 Uhr.
Herr Ferch, der Zweiteiler „Der geheimnisvolle Schatz von Troja“ geht auf eine Filmidee zurück, die Sie schon vor Jahren hatten. Was hat Sie denn an der Thematik so fasziniert?
Heino Ferch: Das Thema Schatzsuche hat etwas Magisches und lässt sich filmisch toll umsetzen. Außerdem ist Schliemann ein Popstar der Archäologie, und aus seinem reichhaltigen, widersprüchlichen, polarisierenden Leben könnte man viele Filme machen. Schliemanns Visionen, seine Besessenheit, seine teilweise chauvinistische Art, mit Frauen umzugehen – für einen Schauspieler ist das ein gefundenes Fressen. Er war ein sehr kantiger Geselle, der auch sehr unsympathisch sein konnte.
Kommt das im Film rüber?
Ja. Vor allem in jener Szene, in der Schliemann die hübsche Sophia ihren Eltern abkauft und seine künftige Ehefrau wie auf einem Viehmarkt begutachtet. Da muss man als moderner Zuschauer gehörig schlucken.
Wie authentisch ist das Ganze?
Der ganze Film ist schon ziemlich authentisch. Über die Beziehung zwischen Schliemann und Sophia gibt es ja ein eigenes Buch, darin wird alles sogar noch extremer beschrieben. Schliemann hat wirklich mit aller Macht und mit viel Geld ganz bewusst sein Leben inszeniert, und vor seiner Expedition hat er sich gesagt: Ich will eine griechische Frau heiraten, eine Helena, die an meiner Seite Troja entdeckt. Irgendwann tasten sich Schliemann und Sophia dann millimeterweise aneinander heran, das ist spannend zu erzählen. Der erste Kuss kommt bei uns ja erst Mitte des zweiten Teils.
Für die Dreharbeiten wurde in Brandenburg die Ausgrabungsstätte nachgebaut, in der Schliemann nach Troja suchte. Es soll das größte Freiluft-Filmset gewesen sein, das Europa je gesehen hat. War das Ihre aufwendigste Produktion bisher?
Ich denke schon. Das Set war riesig, 150 Meter lang, 50 Meter breit und an der tiefsten Stelle über 20 Meter tief, es hatte sogar mehrere Etagen. Die Produktionsfirma hatte in Europa und im Nahen Osten lange nach geeigneten Drehorten gesucht. Die brauchten Tonboden, in den sie das Set hineingraben konnten, damit das Ganze auch mal eine Woche Regen aushält. Fündig wurde man schließlich zehn Minuten vor den Toren von Berlin. Die Ausgrabungsstätten wurden anhand von Fotos nachgebaut, die es aus der Zeit gab, mit riesigen Baggern und unzähligen Setarbeitern. Es war eine logistische Meisterleistung der Bühnenbildner.
Die ein oder andere Panne dürfte es trotz aller Logistik aber wohl doch gegeben haben...
Ja, zum Beispiel hat es in den letzten zehn Tagen der Dreharbeiten wirklich viel geregnet. Wir hatten des öfteren morgens Verzögerungen, weil es nachts geschüttet hatte und erst alles leergepumpt werden musste. Zu diesem Zeitpunkt waren außerdem schon viele Szenen an den anderen Schauplätzen in Kroatien und Rhodos abgedreht, und wir hatten Schwierigkeiten mit den Anschlüssen. Da reitet jemand mit dem Pferd im Sonnenschein weg und soll in der nächsten Szene in der Ausgrabungsstätte ankommen, aber an diesem Tag gab es in Brandenburg nur grauen Himmel und schwarze Wolken. Bei so was kriegen der Regisseur und der Produzent ein Magengeschwür.
Regenmassen hin oder her, es ist ja ein buchstäblich staubiger Stoff. Glauben Sie, dass sich die Zuschauer dafür begeistern lassen?
Ich hoffe es. Natürlich ist es anders als bei Filmen wie „Der Untergang“ oder „Die Luftbrücke“, die in der jüngeren Vergangenheit spielen, und wir müssen die Sinnlichkeit dieser Story stark mit Trailern und Werbung rüberbringen. Vielleicht denken die Leute beim Stichwort Troja ja auch, das ist der Hollywood-Film mit Brad Pitt, und schalten deshalb ein.
Sie haben schon in vielen Historienfilme mitgespielt. Sich zu verkleiden scheint Spaß zu machen...
Das ist doch die Leidenschaft eines jeden Schauspielers. Ich versuche bei meiner Arbeit ja auch, mich nicht zu wiederholen, und mit Rollen wie Schliemann kann man immer wieder in ganz andere Zeiten gehen, einen Zeittunnel besteigen und Urlaub von sich selbst machen. Ich sehe das als Privileg an.
Also haben Sie nach „Der Tunnel“, „Das Wunder von Lengede“ und nun dem „Troja“-Zweiteiler immer noch nicht die Nase voll von Filmen, in denen Sie als historische Figur mit dem Spaten in der Hand im Sand buddeln müssen?
Schauen Sie sich doch nur Johnny Depp an, der spielt jetzt schon zum dritten Mal mit Schwert und Augenklappe den Piraten. So was macht einfach Spaß, das ist wie ein Kinderspiel im Sandkasten. Davon abgesehen mag ich es nicht, wenn es in den Medien immer heißt, alle Historienfilme seien mit Heino Ferch. Es war nur eine Handvoll, und zwischendrin habe ich viele andere Sachen gemacht. Aber ich werde halt über diese Filme definiert, weil die sehr erfolgreich waren und viel Aufmerksamkeit erregt haben.