„Am Anfang war Ich+Ich nur so ne Idee“, sagt Adel Tawil (30), Sänger der Gruppe Ich+Ich. Zusammen mit der erfolgreichsten Produzentin Deutschlands, Annette Humpe (58), eroberten sie im vergangen Jahr die Charts. Von ihrem zweiten und bisher erfolgreichsten Album „Vom selben Stern“ verkauften sie 700 000 Exemplare. Die gleichnamige Single ging rund 300 000 Mal über den Ladentisch. Anfang Oktober geht es auf Tournee, wo sie am 14. Oktober in Fürth sind. Unsere Zeitung sprach mit Adel Tawil.
Wie bereitest du dich auf die bevorstehende Tour vor?
Adel Tawil: Wir haben jetzt erst mal Ruhepause. Ich werde eine Woche zu meinen Verwandten nach Ägypten reisen und ausspannen, so dass ich pünktlich zur Herbsttournee wieder da bin.
Was gibt es Neues auf der Tour zu sehen?
Im Hinblick auf die erste Tour werden wir ein paar Sachen verändern. Wir spielen das komplette erste und zweite Album, natürlich alles live. Wir werden in vielen kleinen Städten zu sehen sein, wo wir zuvor noch nicht gespielt haben. Das ist immer ganz interessant, weil man viele neue Gesichter auf den Konzerten sieht. Da gilt es dann Überzeugungsarbeit zu leisten.
Apropos Überzeugungsarbeit: Annette Humpe geht ja schon seit längerem nicht mehr auf die Bühne. Akzeptieren das die Ich+Ich-Fans?
Für die Fans ist es in Ordnung. Ab und zu gibt es noch einen Ideal-Fan, der vorne in der ersten Reihe steht und die Bühne nach Annette absucht. Sie hat einfach heftiges Lampenfieber und ihr macht es eben mehr Spaß im Studio zu sein als auf der Bühne. Seit vergangenem Jahr mache ich die Show alleine.
Jetzt ist es für mich okay, aber am Anfang war es schwierig. Mit Annette war ich vor zwei Jahren auf Tour. Da war sie für mich wie ein Fels in der Brandung gewesen. Sie stand auf der Bühne immer links neben mir. Wenn ich sie ansah, wusste ich sofort, ob alles o.k. ist oder nicht. Sie ist sehr erfahren und kennt jede Situation.
Wie darf man sich bei euch beiden das Arbeiten im Studio vorstellen? Sind die Rollen klar aufgeteilt?
Erstmal produzieren wir zusammen. Wir sind gleichwertige Partner. Natürlich ist Annette für den Inhalt verantwortlich und wenn mir irgendwas nicht an den Texten passt, sag ich ihr das auch. Aber größtenteils trifft sie bei mir mit ihrem Geschmack genau ins Schwarze.
Du produzierst auch selbst andere Künstler. Was war der wertvollste Tipp, den dir Annette Humpe gab?
Bei Musik zählt nur das Gefühl. Annette ist in ihrer Arbeit sehr konsequent und achtet darauf, dass das Gefühl bei jedem Song bestehen bleibt. Das ist das A und O bei jeder Produktion und diesen Aspekt habe ich mir definitiv abgeschaut.
Arbeitet ihr schon an einem neuen Album?
Ja, wir sind gerade wieder fleißig am Schreiben. Ich kann aber noch nicht sagen, wann das Album erscheinen wird. Man muss ja auch immer aufpassen, dass sich die Leute von uns nicht satt hören. Wir müssen den richtigen Zeitpunkt abwarten.
Wie kam es eigentlich zum Projekt „Rhythms del Mundo - Cubano Alemán“? Auf dem Album spielen die Mitglieder des Buena Vista Social Clubs erfolgreiche Songs von deutschen Gruppen in kubanische Versionen ein, darunter auch „Von selben Stern“.
Der Kontakt entstand durch deutsche Produzenten, die in New York leben. Solch ein Album in diesem Stil wurde bereits mit Bands wie Coldplay aufgenommen. Die Plattenfirma kam auf die Idee das Ganze auch auf Deutsch zu machen. Wir sind nach Kuba geflogen und haben den Song noch mal aufgenommen. Die Musiker dort sind wirklich hochtalentiert und beherrschen perfekt ihre Instrumente.
Es muss doch sicherlich für jeden Künstler eine Ehre sein, mit solchen Künstlern zusammenzuarbeiten?
Ist es auch. Einige kubanische Künstler sind ja ziemlich alt. Da war ich schon etwas aufgeregt und fühlte so was wie Ehrfurcht. Im Studio war es superwitzig gewesen. Es gab eine Bar mit einem Barkeeper und bevor man überhaupt mit der Arbeit anfing, wurde mit den Musikern erst mal eine Runde Rum getrunken. Die Kubaner sind da wirklich viel relaxter. Irgendwann nach einer Stunde fingen wir mit der eigentlichen Arbeit an und dann ging alles recht fix.