Es tun sich merkwürdige Dinge in und um Bamberg. Die tiefgläubigen Menschen werden von Krankheiten heimgesucht, gegen die es offenbar keine Mittel gibt. Protestantische Ketzer vertreten neue, unerhörte Ansichten über Gott und die Welt. Es schneit im Juni und am Himmel treten seltsame, furchteinflößende Lichter auf. In ihrer Verzweiflung suchen die Menschen nach Erklärungen und finden wie selbstverständlich, dass all dies ein Werk des Teufels sei, der das freilich mit Hilfe von Frauen zustande bringt. Denn in ihrer Schwachheit sind sie ein leichtes Ziel für diese Versuchung, vor allem wenn sie als Heilerinnen gelten.

Rückständiges Klima der Angst

Der Arzt Cornelius Weinmann (Mark Waschke), der wegen seines im Sterben liegenden Vaters von Wien in seine Heimatstadt Bamberg zurückkommt, sieht sich nicht nur mit der vergleichsweise großen Rückständigkeit konfrontiert. Er trifft auch auf seine Jugendliebe Johanna (Silke Bodenbender), die eine Apotheke betreibt - obwohl das Frauen verboten ist - und ist fasziniert von ihrem selbstbewussten Auftreten und ihrem fortschrittlichen Denken
.
Doch Cornelius sieht sich sehr schnell mit einem Klima der Angst konfrontiert, das immer schlimmer wird. Vor allem der Bamberger Weihbischof Friedrich Förner (Alexander Held) heizt mit seinen Hetzpredigten die Stimmung an. Immer mehr fangen an, den Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung zu misstrauen und sie als Hexer oder Hexen zu denunzieren.

Es kann jeden treffen

Auch Johanna, die ein Kind mit einer Salbe vom Juckreiz befreit und zu einer Geburt gerufen wird, weil alle Hebammen der Stadt bereits als Hexen verhaftet sind und gefoltert werden, wird durch eine unbedachte Äußerung eben dieses Kindes ebenfalls ins berüchtigte Malefiz-Haus gebracht. Als Erzbischof Johann Georg Fuchs von Dornheim (Paulus Manker) sich mit Hilfe der Hexenverfolgung der selbstbewussten und liberalen Bamberger Stadträte entledigt, scheint es keinerlei moralischen und rechtlichen Bedenken mehr zu geben. Schlichtweg jeder muss damit rechnen, gefoltert und schließlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt zu werden.

Fakt und Fiktion gemischt

"Seelen im Feuer" ist natürlich ein Spielfilm. Als solcher darf er auch mit historischen Fakten, an denen er sich orientiert, frei umgehen. So sind die beiden Hauptfiguren Johanna und Cornelius zwar erfunden, aber sie stehen beispielhaft für aufgeklärte, gebildete Menschen, die im Fall von Cornelius weitgereist sind, während Johanna zwar nie Bambergs Stadtmauern verlassen hat, aber sich selbstständig Wissen aneignet.

Andere Figuren sind dagegen historisch verbürgt wie etwa Erzbischof, Weihbischof oder Hansi Moorhaupt, dessen Fantasien tatsächlich die letzte große Hexenverfolgung ausgelöst haben.

Die Drehbuchautoren Annette Hess und Stefan Kolditz, die den Roman der Historikerin Sabine Weigand als Grundlage nahmen, mischen Fiktion und Fakten. Sie schaffen aber ein in sich stimmiges Bild, das ihnen der Zuschauer durchaus abnimmt. Die Kulissen - aus denen hin und wieder die Türme des Bamberger Doms herausragen - wirken echt, vor allem die Folterszenen, das Leiden der Opfer und die Verbrennungen auf den Scheiterhaufen, bei denen die Bamberger zuschauen, sind erschüttern und dank der guten schauspielerischen Leistungen keinesfalls kitschig.

Spannend und kurzweilig

"Seelen im Feuer" ist ein spannender und nie langweiliger 110-Minuten-Film, der ein mit allerhand Legenden und Halbwahrheiten befrachtetes Kapitel der Geschichte einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht. Die Dokumentation, die das ZDF anschließend zeigen wird, ordnet die Ereignisse angenehm unaufgeregt in die historischen Zusammenhänge ein.



Zum Film


Preview "Seelen im Feuer" wird am Sonntag, 1. März, ab 20 Uhr im Bamberger Lichtspiel-Kino gezeigt. Autorin Sabine Weigand wird da sein.

TV Am Montag, 2. März, läuft der Film ab 20.15 Uhr im ZDF, gefolgt von der Dokumentation