Das Gelände gehört jetzt den Männern mit den Motorrollern. Tätowierte Typen, verspiegelte Sonnenbrillen, schwarze Westen und Hosen mit unglaublich vielen Taschen. Reiner Sülzer wirkt irgendwie fehl am Platz. Mit seinem Poloshirt, den Laufschuhen und dem roten Telefonhörer, den er an sein Handy angeschlossen hat. Sülzer ist der technische Leiter bei Rock im Park und er sagt: "Wir sind gerade am Eintakten. Jeder muss wissen, wann wo welcher Mülleimer geleert wird." Viel hängt daran: Das Festival hat die Dimensionen einer Kleinstadt erreicht.

Am deutlichsten wird das unter der Tribüne des Nürnberger Fußballstadions. Dort liegt das Produktionsbüro des Veranstalters Argo. Mitarbeiter rennen durch die Gänge, lächeln, zum Sprechen bleibt kaum Zeit. Stress. Donnerstag früh 7 Uhr öffnen die Campingplätze, den Berufsverkehr am Mittwochabend haben die Veranstalter noch abgewartet.
Seither ist das Gelände komplett gesperrt. Vor dem Produktionsbüro hängt der Festivalplan an der Wand. Das Papier ist so groß wie ein Spannbetttuch, mit rosa Linien trägt die Zaunmannschaft ein, wo die Bauzäune stehen. 25 Kilometer insgesamt.

Das Festival ist seit Wochen ausverkauft, 70.000 Menschen kommen zu Rock im Park. Wolfgang Thiel, ein Argo-Mitarbeiter, erklärt den Plan, zeigt die Zeltplätze, die Fressmeilen, die beiden Hauptbühnen. Er erzählt von den Headlinern, so nennen sie hier die Top-Gruppen: Metallica, Die Toten Hosen, Linkin Park. "Vom Zuspruch her hätten wir mehr Karten verkaufen können", sagt Thiel. Dann übernimmt Rainer Sülzer.

Sully, mit unterfränkischem U


Hier rufen sie ihn Sully. Nicht amerikanisch mit A. Unterfränkisch mit U. Sülzer ist Würzburger. Und Sülzer macht Rock im Park, seit das Festival 1997 von München Riem nach Nürnberg umzog. Und seitdem wird optimiert. Sülzer sagt, er habe sich in Holland, Schottland und Schweden Festivals angeschaut. "Aber vom technischen Stand waren wir immer besser." Das Ehrenamt hat sich bei Rock im Park nie durchgesetzt. Ein Tag helfen, zwei Tage Festival? Zu gefährlich. "Wir brauchen Leute, die Ahnung haben." An den Konzertbühnen ist noch nie einem Besucher etwas passiert.

Und auch die Beschwerden haben abgenommen, heißt es aus dem Ordnungsamt der Stadt Nürnberg. Der Veranstalter tue viel. Bühnen wurden gedreht, die große Bühne steht jetzt dort, wo vor über 70 Jahren die Nazis aufmarschierten. Die Erdwälle um das Zeppelinfeld wirken wie ein Schallschutz. Ein Sachverständiger ist auf dem Gelände unterwegs, misst den Geräuschpegel. Dazu kontrollieren vier Mann vom Ordnungsamt in den angrenzenden Stadtteilen.

Fische für die Musiker


Rainer Sülzer steht jetzt in der Eishalle. Holztafeln decken den Boden ab, ein paar Kisten stehen herum. An ein Konzert erinnert hier noch nichts. Aber das wird, sagt Sülzer. Hinter der kleinsten Bühne des Festivals liegt der Verpflegungsbereich der Künstler. 450 Musiker aus 83 Bands werden hier essen. Im vergangenen Jahr hatten die Veranstalter hier sogar ein Aquarium aufgestellt. Die Bands sollen entspannen, vor und nach dem Auftritt.
Bereits jetzt bauen fast 500 Menschen das Festival auf. Am Wochenende arbeiten dann etwa 2000 Helfer in der Rock-Stadt. Rainer Sülzer sagt, der Donnerstag wird für ihn und seine Leute der Hauptkampftag.

Bis alle angereist sind, die Zelte stehen, eingerichtet sind. Die Bühnen öffnen am Freitag um elf Uhr, um zwölf spielt die erste Band. Der Umbau danach funktioniere reibungslos. Die Bühnen sind tief, Schlagzeuge auf rollenden Podesten festgemacht. "Wenn die eine Band spielt, bauen wir die andere zusammen", sagt Sülzer. 72 Mann kümmern sich auf der großen Bühne um den Umbau. Vielleicht bleibt für Rainer Sülzer am Freitag Zeit, in Ruhe Metallica anzuhören. "Die mag ich schon ganz gerne", sagt der 57-Jährige. Aber bis dahin sind es noch ein paar Stunden.