"Einen schöneren, erfüllteren Mozart gibt es derzeit in München nicht zu hören", stellte Markus Thiel vom Münchner Merkur fest, als er im November 2011 über Mozarts "La finta giardiniera" ("Die Gärtnerin aus Liebe") berichtete. Die Bayerische Theaterakademie brachte den frühen Geniestreich des noch nicht einmal 19-jährigen Komponisten im Prinzregententheater heraus, am Freitag und am Samstag jeweils um 19 Uhr sind in der Konzerthalle die ebenfalls noch sehr jungen Solisten dieser Produktion bei der Biennale Bamberg zu erleben, zusammen mit den Symphonikern unter Ainars Rubikis.

Letzterer ist unter den Haupt-Mitwirkenden des zweiteiligen Biennale-Auftakts mit seinen bald 34 Jahren schon der Älteste. Das hiesige Publikum kennt und schätzt den lettischen Dirigenten nicht nur als Sieger des 3. Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerbs 2010, sondern auch als Dirigenten bei der ersten Biennale, die die Symphoniker vor zwei Jahren mit einem Mahler-Schwerpunkt veranstalteten.

Innerlichkeit mit Mozart


Im vergangenen Jahr kam er zu einem ersten Abonnementkonzert zurück nach Bamberg und gewann glanzvoll bei den Salzburger Festspielen den Nestlé Young Conductors Award, seit Januar 2012 ist er Musikdirektor des Opernhauses von Nowosibirsk. Dass er, wie Ehrendirigent Herbert Blomstedt feststellte, ein "Poet ist, der sehr innerlich empfindet und sich selbst nicht ins Zentrum stellt", wird man sicher auch bei der zweigeteilten "Finta"-Aufführung erleben.

Diese Innerlichkeit passt natürlich hervorragend zum Mozart-Schwerpunkt des Symphoniker-Festivals unter dem Motto "Die Seele ist ein weites Land". Dass die 1775 in München uraufgeführte "Finta giardiniera" am Beginn der Biennale steht, ist kein Zufall. Die wie immer exquisite Programmplanung von Intendant Wolfgang Fink zielt unter anderem darauf ab, dass das Publikum erleben kann, wie sich Mozart - bei einem ähnlichen Opernsujet und ähnlichen Figurenkonstellationen - innerhalb von 15 Jahren bis hin zu "Così fan tutte" weiterentwickelt hat.

Jede(r) liebt den/die Falsche(n)


Im Unterschied zur "Così", die am 15., 18. und 21. Juli im Biennale-Programm folgt, gibt es in der "Finta" eine Figur mehr: Es sind also hier drei Frauen und vier Männer, die auf der Suche nach Liebe, ihrem Wunschpartner und der eigenen Identität in allerlei Verwicklungen geraten. Die Menschen, die bei viel Vogelgezwitscher und ansehnlichen Gartenprojektionen aufeinandertreffen, sehen sich alle mit ähnlichen Problemen konfrontiert.
Ramiro liebt Arminda, Arminda den Grafen Belfiore, der Podèsta wirbt um Sandrina, Nardo um Serpetta, und Serpetta möchte ihren Dienstherrn, den Podèsta, für sich gewinnen. Und zu allem Überfluss haben der Graf und Sandrina auch noch eine gemeinsame Vergangenheit. Während in Inszenierungen diese Vorgeschichte gern schon zur Ouvertüre gezeigt wird, erfährt man darüber in der "Bamberger Fassung" des Stücks nur peu à peu.

Wolfgang Schlüter, ehemaliger Stipendiat des Künstlerhauses Villa Concordia, hat die Rezitative durch eigene Zwischentexte ersetzt und das Personal durch eine Sprecherfigur ergänzt, die in die Entstehungszeit der Oper zurückführt. In seine überwiegend deutschsprachigen Dialoge - in Bamberg sind sämtliche 28 Musiknummern ungestrichen in der italienischen Originalsprache zu hören - haben sich die Solisten schon vorab eine Woche lang in München eingearbeitet.

Angeleitet von der Regisseurin Doris Sophia Heinrichsen, die die halbszenische Bamberger Aufführung betreut, proben Magdalena Hinterdobler (Sandrina), Katharina Ruckgaber (Serpetta), Anna Stylianaki (Arminda), Ulrike Malotta (Ramiro), Mauro Peter (Belfiore), Marko Cilic (Podestà), Ludwig Mittelhammer (Nardo) und der Schauspieler Jochen Paletschek seit Montag in der Konzerthalle.

Knickse und Kratzfüße


Anders als in der auch musikalisch gekürzten Münchner Produktion mussten Sandrina, Belfiore und der Podèsta zwar noch ein paar Nummern dazulernen, aber dass die Nachwuchssänger im Alter von 22 bis 31 Jahren nicht nur an Mozarts frühen Seelenbildern in Arien Spaß haben, war auch bei der Probe am Mittwoch nicht zu übersehen. Da wurde mit viel Witz in mehreren Sprachen parliert, da wurden höfisch-barocke Knickse und Kratzfüße so einstudiert, dass das Publikum seine helle Freude daran haben wird.

"Was ich schätze an der Vorlage von Schlüter", sagt Regisseurin Heinrichsen, "sind diese kleinen Brechungen, diese Form des epischen Spiels. Wir haben eine Bühnensituation geschaffen, die ganz gut mit dem Element spielt und zurechtkommt, dass wir uns auf einem Konzertpodium befinden." Man darf gespannt sein, ob die Reaktionen auf den "Finta"-Doppelabend (am Freitag wird der 1. Akt gegeben, am Samstag der 2. und 3. Akt) ähnlich sein werden wie anno 1775. Damals schrieb Christian Friedrich Schubart: "Wenn Mozart nicht eine im Gewächshaus getriebene Pflanze ist, so muss er einer der größten Komponisten werden, die jemals gelebt haben."

Termine und Karten


Die Mozart-Oper "La finta giardiniera" wird mit neuen Zwischentexten in zwei Teilen uraufgeführt am 6. Juli und am 7. Juli jeweils um 19 Uhr in der Bamberger Konzerthalle. Tickets gibt es beim bvd-Kartenservice, Lange Straße 22, Telefon 0951/9808220, und an der Abendkasse.

Hier und hier finden Sie weitere Vorberichte zur Biennale Bamberg.
Mehr Infromationen finden Sie auch auf den Seiten der Biennale, der Bamberger Symphoniker und der Theaterakademie.