Wer die eben erschienene Autobiografie Eckhard Henscheids gelesen und bei dessen Schimpftiraden übers Regietheater zustimmend genickt hat: Der wird den Bamberger "Ivanov" goutieren.

Regisseurin Heidemarie Gohde ("Mirandolina") propft dem Text Tschechows von 1887/88 (hier wird der besseren Lesbarkeit halber die traditionelle Eindeutschung der Eigennamen verwendet) nicht zwangsneurotisch irgendwelche Modernisierungen auf, keine Burn-out-Manager, keine Business-Kostümchen, kein Geschrei und Getümmel. Stattdessen ist die Geschichte in Bühnenbild und - prachtvollen - Kostümen (Ausstattung: Uwe Oelkers) klar in der russischen Provinz des ausgehenden 19. Jahrhunderts verortet. So trägt der Held Ivanov eine Bauernbluse wie seinerzeit Leo Tolstoi, ein ideologisches Bekenntnis?

Mag sein. Wir erfahren es nicht. Was wir von diesem mit 35 bereits körperlich und seelisch Erschöpften erfahren, ist deprimierend genug.