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Bayreuth
Theater

Humorvoll - noch in der tödlichen Bedrohung

"Romulus der Große" in Bayreuth: ein amüsanter und unterhaltender Abend.
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"Romulus der Große" in Bayreuth  Foto: Thomas Eberlein
"Romulus der Große" in Bayreuth Foto: Thomas Eberlein

Dürrenmatts "Romulus der Große" begegnet dem Publikum nur noch selten auf den Bühnen.Umso schöner, dass sich die Studiobühne Bayreuth dieses Stücks über den letzten Tag des einstmals gewaltigen Römischen Reichs und seines Vollstreckers angenommen hat.

Regisseurin Birgit Franz und ihr Ausstattungsteam, allen voran der in Bamberg lebende Bühnenbildner Karlheinz Beer, müssen gar nicht durch Aktualisierungen die Relevanz des Stücks beweisen, in dem es, nicht nur nebenbei, um die Frage geht, wohin der Nationalismus und die Angst vor dem Fremden zu führen vermochten.

Im Gegenteil: Frank Ambrosius spielt, ganz im Sinn des Autors, einen entspannten Kaiser, der lieber Hühner züchtet als irgendeinen Feind besiegen zu wollen. Er bleibt selbst dort ein Mann von Humor, wo er tödlich bedroht wird.

Man setzt in Bayreuth auf die Komödie - ohne die ernsteren Aspekte unter den Tisch zu kehren; die Szenen zwischen der Kaisertochter (Barbara Lattas) und ihrem ehemaligen Verlobten (Patrick Kobler), der um der Staatsraison willen seine Geliebte an den kapitalistischen Reichsretter und Hosenfabrikanten Cäsar Rupf (im Kostüm Goethes in der Campagna) abgibt, sind deutlich genug - bevor sich schlussendlich ein sehr eleganter Germanenfürst (brillant in seiner Nonchalance: Nader Rezazadeh) im Dandyanzug von 1900 dem Herrscher über einen Hühnerhof unterwirft.

Stilistische Vielfalt

Beer, der nicht nur den fast ab-strakten und mit seinen verschiebbaren Stellwänden wandelbaren, so einfachen wie sinnfälligen Spiel-Raum entworfen hat, setzt als Kostümgestalter bewusst auf ironisierende stilistische Vielfalt: Toga und Täschchen, Germanenfell und Galaanzug widersprechen sich nicht.

Es hat auch ein wenig von Kabarett, wenn ein Kunsthändler die letzten Skulpturen des kaiserlichen Landhauses zu einem Lumpenpreis erwirbt und sich der byzantinische Kaiser (köstlich: Oliver Hepp) kaum den Anweisungen seiner Hofschranzen zu erwehren weiß. Langer Beifall für einen amüsanten und unterhaltenden Abend.