Am Büchertisch draußen liegt des konservativen Revolutionärs Oswald Spengler "Untergang des Abendlandes", drinnen wird die Rückkehr zum Obskurantismus zumindest als Denkmodell durchgespielt: Das konnte ja heiter werden.

Nun, heiter wurde es mitnichten. Aber auch nicht empörend, aufwühlend, abstoßend, skandalös, wie auch immer. Etwas mehr Aufregung hätte man der Dramatisierung eines Romans von Michel Houellebecq schon zugetraut. "Unterwerfung", am Tag des Anschlags auf die Redakteure von "Charlie Hebdo" erschienen, spielt eine simple Geschichte durch: Im Frankreich des Jahrs 2022 verbünden sich die bürgerlichen Parteien mit einer "Bruderschaft der Muslime", um eine Präsidentschaft der Front-National-Chefin Marine Le Pen zu verhindern und bürgerkriegsähnliche Kämpfe zwischen rechten "Identitären" und radikalen Muslimen zu beenden. Das gelingt; der Preis dafür ist die moderate Islamisierung zunächst Frankreichs und dann Europas.

Mittendrin steht eine typische Houellebecq-Figur. François ist etwa 45 Jahre alt, Hochschullehrer ohne Familie und Frau, angeekelt von seinem Dasein und der Welt an sich. Einzig Person und Werk des Schriftstellers der Décadence, Joris-Karl Huysmans, faszinieren ihn - und dessen Suche nach Erlösung mittels Hinwendung zur Religion. Was François nicht gelingt. Schließlich konvertiert er aus purem Opportunismus zum Islam, der Arbeitslosigkeit und Kriminalität eliminiert.

Remsi Al Khalisi hat aus dem Roman ein Drama geformt, Sibylle Broll-Pape es inszeniert. Der Bamberger François (Stephan Ulrich) ist keine existenziell verzweifelte Figur, die das Leben eines Selbstmörders führt, sondern ein Macho von der traurigen Gestalt. Frisur und Jacke weisen ihn als Doppelgänger Houellebecqs aus. Der prangt ja auch auf der Bühne (Trixi Royeck), konfrontiert mit seinem Idol Huysmans, das auch leibhaftig (Daniel Seniuk) auftritt. Weiter sehen wir eine stilisierte katholische Kathedrale samt schwarzer Madonna und im Hintergrund Video-Bilder von Paris und französischen Landschaften. Bertram Maxim Gärtner spielt einige Figuren des Romans: den Hochschullehrer Rediger, den Geheimdienstler Tanneur, den Kollegen Steve, den Rechtsintellektuellen Lempereur. Dazu gibt's mal stilisierte Musette, mal Chansons.


Gut gemeint, aber träge

Das ist alles gut gemeint und oft gut gemacht, allein, diese Inszenierung gewinnt keine Fahrt, es ist ein Spiel wie mit angezogener Handbremse. Die Handlung wird vorangetrieben durch einen monologisierenden François und plätschert undramatisch und unaufgeregt und ohne Höhepunkte dahin. Woran auch eingespielte Explosionen nichts ändern und Le Pen und der neue muslimische Präsident Ben Abbes auf der Großleinwand. Die frauenfeindlichen Sprüche des Helden empfindet man nicht als Skandalon, sondern als Skurrilität. Überhaupt die Frauen. Pina Kühr spielt die (Ex-)Geliebte François', Myriam, seltsam lustlos und unbeteiligt, nicht einmal Obszönitäten schrecken auf; als Kollegin Marie-Françoise hat sie kaum Gelegenheit zur Profilierung. Als die Scharia zur Verfassung wird, steht Myriam am Bügelbrett und verhüllt sich zusehends. Schlechte Karten für Frauen im neuen Frankreich. Aber, sagt François einmal, das Patriarchat hat wenigstens lange funktioniert, "im warmherzigen Rahmen der Familie". Solche Houellebecq-Sätze sorgten immer mal wieder für Empörung, Ulrichs eher putzigen François nimmt man nicht ernst. Nicht so recht offenbar wird auch, warum die Erlösung durch den Katholizismus scheitert. Der Gottesbeweis wird plaudernd bei einem guten Tropfen geführt, die Polygamie funktioniert, alles ist gut, das Publikum applaudiert artig. Keine Aufregung, nirgendwo. Schade.

Weitere Vorstellungen 3./4. 2., 9./10./11. 2., weitere Termine in Planung
Dauer
ca. 1 Std., 45 Minuten, keine Pause
Karten
unter Tel. 0951/873030, E-Mail kasse@theater.bamberg.de