"Unser eigenes Theater sollte immer ausverkauft sein und kein Zuschauer sollte vor Langeweile auf die Uhr schauen müssen", wünschte sich die spanische Schauspieltruppe Ymedioteatro. Und tatsächlich konnte sie mit ihrem sieben Quadratmeter großen, 15 Zuschauer fassenden Theater auf einem Anhänger diese Vorsätze umsetzen. Ihr Programm "SIE7E" besteht aus Minidramen mit Alltagsgegenständen. In ihrer Heimat ist das Publikum begeistert und jetzt können sie auch die Herzen der Nürnberger gewinnen, wenn sie in Nürnberg beim Kindertheaterfestival "panoptikum" vom 7. bis 17. Februar auftreten.

In den Theatern "Mummpitz", "Pfütze", "Salz & Pfeffer", in der "Tafelhalle", dem Theater "Rootslöffel" und in der "Villa Leon" versammelt sich allerlei Buntes und Ungewöhnliches aus Theatern in ganz Europa. Die künstlerische Leiterin des Festivals, Andrea Erl, ist stolz, dass man in diesem Jahr elf internationale Theatergruppen und elf aus dem bayerischen Raum verpflichtet hat. Aus Pullach kommt beispielsweise "Die kleinste Bühne der Welt", auf der die Figurenspieler mit einem roten Faden, einen Zollstock und einem Stück Papier "Im Handumdrehen um die Erde" reisen.

Das "panoptikum"- Festival fand erstmals im Jahr 2000 statt, anlässlich der 950-Jahr-Feierlichkeiten der Stadt Nürnberg. Das Theater "Mummpitz" schenkte es damals der Stadt. Dies kam so gut an, dass das Festival fortan aus Mitteln der Stadt gefördert wird und alle zwei Jahre stattfindet - mittlerweile zum siebten Mal.

"Wir haben besonderen Wert darauf gelegt, etwas Besonderes präsentieren zu können, was man auf anderen Theaterfestivals so nicht zu sehen bekommt," kündigt Erl an. Ebenso wollten die Veranstalter für eine weite Bandbreite an unterschiedlichen Spielarten und Innovationen sorgen. Die Palette reicht vom klassischen, konventionellen Theater über Tanz bis hin zu Figuren- und Objekttheaterstücken.

So haben die Zuschauer zum Beispiel die Möglichkeit die Geschichte von "Hänsel und Gretel" selbst mitzuerleben. Jeder einzelne Zuschauer wird mit Kopfhörern durch die Räume der Theaterinstallation "H.G." gelotst. Man taucht in die Märchenwelt ein, hört die Geräusche des Waldes und es dringt sogar der Duft des Pfefferkuchenhäuschens in die Nase. Diese Theaterinstallation kommt ganz ohne Schauspieler aus.

Eine weitere originelle Interpretation eines Märchens bietet Anne Klinges Gräfenberger "Theater mit Hand und Fuß": Im "Tapferen Schneiderlein" übernehmen Klinges Füße mit angeklebten Nasen, Perücken und Gewändern die Rollen von Schneiderlein, den Riesen und anderen Märchenfiguren.

"Ich bin mir sicher, dass sich Erwachsene ebenso an den Stücken erfreuen können," sagt Festivalleiterin Erl. Allerdings ist die Nachfrage nach den Karten groß. 3.500 Tickets seien schon verkauft, heißt es aus dem Organisationsbüro, einige Vorstellungen bereits ausgebucht.

Das Festival ist aber nicht nur für Familien und Freunde ausgefallener Bühnenkunst interessant. Für Theaterfachleute und -interessierte ist ein Rahmenprogramm aus Vorträgen, Workshops, Diskussionen geboten. Ein besonderer Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf dem Tanztheater. Während des Festivals soll eine Arbeitsgemeinschaft Tanzproduktionen für junges Publikum gegründet werden. epd