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Serien-Tipp

Die neue "Sherlock"-Staffel ist der Wendepunkt in der Serie

Dass der wohl berühmteste Ermittler der Literaturgeschichte seinen eigenen Tod nur vorgetäuscht hat, ist seit zwei Jahren bekannt (zumindest wenn man die Zeit seit der bisher letzten Folge der Serie meint). Wie allerdings Sherlock Holmes den Sturz vom Dach des St-Bartholomew-Krankenhaus überstanden hat, ist seither Anlass für endlose Diskussionen unter Fans.
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John Watson (Martin Freeman) und Sherlock (Benedict Cumberbatch, von links) Foto: Hartswood Films/BBC
John Watson (Martin Freeman) und Sherlock (Benedict Cumberbatch, von links) Foto: Hartswood Films/BBC
Und um es gleich zu schreiben, das Geheimnis wird in der ersten Folge der dritten Staffel, die am 29. Mai um 21.45 Uhr in der ARD laufen wird, nicht so richtig gelüftet.


"Der leere Sarg"

Die neue Folge "Der leere Sarg", in der die aus den ersten beiden Staffeln bekannten Darsteller, allen voran Benedict Cumberbatch als Sherlock Holmes und Martin Freeman als John Watson erneut von der berühmten Adresse 221B Baker Street in London aus gegen Kriminelle zu Felde ziehen (und die nachfolgenden anderen beiden Folgen) markiert aber einen Wendepunkt.

Einen Wendepunkt deshalb, weil jede Fernsehserie nach einigen Folgen und Staffeln Gefahr läuft, sich im ewig Gleichen zu verheddern. Im Falle von "Sherlock", dessen ersten Folge 2010 für die britische BBC zu einem Überraschungserfolg wurde und die im weiteren Verlauf Kultstatus erlangte, hieße dies, die immer gleichen Klischees um einen leicht autistischen, eigenwilligen und exzentrischen Detektiv zu pflegen, der sich mit einem anderen Mann eine Wohnung teilt, der vielleicht dessen Launen nur erträgt, weil die beiden eine Beziehung führen. Vor allem Letzteres wurde zu einem Running Gag der ersten beiden Staffeln. Er findet sein vielleicht endgültiges Ende mit der Heirat zwischen John und Mary Morstan (ein Spoiler, der schon seit Sir Arthur Conan Doyles Zeiten keiner mehr ist. Schließlich heiratet auch sein John Watson).

Natürlich wissen die Macher und Drehbuchschreiber der Serie, Steven Moffat und Mark Gatiss (der auch Sherlocks Bruder Mycroft spielt), um diese Gefahr und führen Sherlock in eine neue Richtung. Denn der kommt nach zwei Jahren zurück und muss feststellen, dass sich zu seiner völligen Überraschung einiges geändert hat und er nicht einfach so weitermachen kann wie vorher. Der Zuschauer lernt, dass John eine ganze Weile gebraucht hat, um mit dem scheinbaren Tod seines besten Freundes fertig zu werden und dass Sherlock viel mehr an John liegt, als er jemals zugeben würde.

Die neuen Folgen sind anders als die bisherigen und sie zeigen, dass die meist verfilmte literarische Figur der Welt immer noch für Überraschungen gut ist. "Sherlock zu aktualisieren, bedeutet, ihn in unsere Zeit zu versetzen und zu sehen, wie er sich dort verhält", sind sich Moffat und Gatiss einig. "Er nimmt an Dingen in der realen Welt teil, er geht beispielsweise auf eine Hochzeit”, lacht Mark Gatiss in einem Interview, das als Extra auf den Original DVDs zu finden ist, "Wir beide spielen ein persönliches Spiel ,Wie verhält sich Sherlock in...'", ergänzt Steven Moffat - und dieses Spiel kann man endlos ausdehnen.


Wie gutes Fernsehen sein soll

Die dritte Staffel, die Anfang des Jahres in der BBC ausgestrahlt und von gut zehn Millionen Zuschauern verfolgt wurde, hat alles, was gutes Fernsehen ausmacht: gute Drehbücher, perfekte Kulissen und mit Benedict Cumberbatch und Martin Freeman herausragende Schauspieler, deren Mimik alle Gefühle von Wut bis Freude auf die Leinwand bringt. Der neue "Sherlock" ist zwar anders, aber immer noch für spannende Unterhaltung gut.
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