Dass Heinz Badewitz heute Abend in der Bamberger Konzerthalle den Kulturpreis Bayern entgegennehmen kann, ist letztlich einem Zufall zu verdanken. Denn die Jungfilmer, die 1967 das Festival gründeten, gingen nur deshalb nach Hof, weil außer Badewitz niemand sonst einen Kinobesitzer kannte, der bereit war, diese Filme abzuspielen.

Am Dienstag war die Eröffnung der 44. Hofer Filmtage, allein heute stehen dort fast 40 Termine auf dem Programm. Wie schaffen Sie es da, noch den Kulturpreis Bayern entgegenzunehmen?
Heinz Badewitz: Wenn die Preisverleihung in München gewesen wäre, hätte ich Probleme gehabt. Aber zwischen Hof und Bamberg sind das ja keine Welten, sondern nur 70 oder 80 Kilometer Luftlinie. Übrigens stammt auch ein Teil meiner Familie - Onkel und Tanten - aus Bamberger Großgärtnereien.

Sie sind inzwischen der dienstälteste Festivalleiter in Europa. Wollen Sie etwa Wolfgang Wagners Rekordmarke schlagen?
Heinz Badewitz: Nein, keine Sorge. Bevor ich senil werde, höre ich auf. Spaß beiseite: Das ist überhaupt nicht mein Ziel. Man macht so etwas so lange, wie man eben Lust hat. Und wenn man keine Lust verspürt, dann muss jemand anderer ran. Jeder ist ersetzbar, natürlich auch in Bayreuth.

Wie wichtig ist so ein Preis für Sie?
Heinz Badewitz: Wichtig ist das schon, weil es in meinem Fall eine Anerkennung für das Unternehmen ist, das dahinter steht. Da der Preis personenbezogen ist, muss ich ihn halt für das Festival entgegennehmen. Aber das Preisgeld gebe ich natürlich an die Hofer Filmtage weiter.
Egal wer so einen Preis bekommt und für was, wichtig ist das schon, weil es eine

Kennen Sie die anderen Preisträger?
Heinz Badewitz: Herbert Knaup kenne ich schon seit ewigen Zeiten. Er war auch öfter in Hof, und seine Schwester auch, die die Sängerin von Amon Düül war. Die hatten 1968 bei den 2. Hofer Filmtagen ihren ersten großen Auftritt.

Und Cornelia Froboess?
Heinz Badewitz: Ich habe zwar bisher nur ein paar Worte mit ihr gewechselt, aber ich kenne sie natürlich von den Münchner Kammerspielen als grandiose Schauspielerin. Ich bewundere sie sehr, wobei die Badehose, die sie mal eingepackt hat, weniger interessiert.

In einem Porträt über Sie stand zu lesen: Drei Dinge werden sich bei Heinz Badewitz nie ändern: seine zeitlose Frisur, seine markante Brille und sein tadelloser Filmgeschmack. Wie haben Sie das geschafft?
Heinz Badewitz: Weiß ich nicht. In erster Linie muss man immer in Bewegung bleiben. Man darf nicht nur rumsitzen und auf etwas warten, man muss immer sich selbst fordern, mental vor allem: Immer neugierig bleiben für alles, was auf der Welt passiert, damit man nicht einseitig wird.

Spielen Sie noch Fußball?
Heinz Badewitz: Nein. Aber ich bin jetzt Präsident meiner Mannschaft, vom 1. FC Hofer Filmtage, wo die Regisseure, Schauspieler und Produzenten gegen eine Auswahl von Einheimischen spielen. Natürlich habe ich früher selber mitgespielt. Aber jetzt, mit 68, bin ich doch nicht mehr der Schnellste...

Zurück zur markanten Brille: Sind Sie kurzsichtig?
Heinz Badewitz: Ja, und zwar deshalb, weil ich als Kind unter der Bettdecke mit einer ziemlich schwachen Taschenlampe Billy Jenkins- und Tom Mix-Hefte gelesen habe. Weil meine Eltern das nicht erlaubt hätten. Dabei habe ich mir die Augen kaputt gemacht.

Das hat aber Ihre Filmleidenschaft nicht getrübt?
Heinz Badewitz: Nein, um Gottes willen. Allein in diesem Jahr habe ich seit März im Vorfeld der Filmtage
2500 bis 2700 Filme gesehen. Die ganze Welt schickt Filme ein.

Gibt es einen Lieblingsfilm für Sie?
Heinz Badewitz: Nein, denn alles was wir einladen, ist ja schon eine Auswahl. Man will ja keinen Film zeigen, von dem man annimmt, dass er wegen schlechter Qualität ausgepfiffen wird.
In den Anfängen des Festivals war das noch etwas anders. Da sind die Zuschauer auch mal kopfschüttelnd aus der Vorstellung gerannt, bei Filmen von Werner Nekes und Hellmut Costard, die begnadete und stilbildende Experimentalfilmer, aber ihrer Zeit voraus waren.

Passiert das heute nicht mehr?
Heinz Badewitz: Die ersten Jahre waren schon die verrücktesten! Das war die Apo-Zeit, die Zeit der Studentenrevolte - da waren wir mittendrin! Da konnte es auch passieren, dass KPD/ML-Gruppen aus Kulmbach oder Bamberg mit wehenden roten Fahnen ins Kino eingezogen sind. Da wurden Filme abgebrochen, wenn die Zuschauer sie nicht sehen wollten - wie den ersten Dokumentarfilm von Reinhard Hauff. Es war schon eine wilde Zeit! Das Festival ist gewissermaßen ein Kind der 68er Jahre. Genau gesagt hat es 1967 angefangen, weil wir in München kein Kino hatten, in dem wir "langhaarigen Affen" etwas zeigen durften. Ich sagte, ich kenne einen Kinobesitzer in Hof, bei dem es vielleicht ginge. Es hätte aber jede andere Stadt auch sein können. Wenn einer gesagt hätte, es gibt da ein Kino in Wanne-Eickel, das uns reinlässt, wären wir eben dorthin gefahren. Und erst nach dem 10. Festival habe ich gedacht: Verdammt, das kann man jetzt nicht mehr abbrechen.


Zur Person
Heinz Badewitz ist 1941 in Hof geboren und absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Technischen Zeichner. 1963 zog er nach München. Nach einem Praktikum im Kopierwerk der Bavaria studierte er am Deutschen Institut für Film und Fernsehen, der heutigen Hochschule für Film und Fernsehen. Nach ersten Berufserfahrungen als Kamera-Assistent sowie der Realisierung eigener Kurzfilme gründete er 1967 gemeinsam mit befreundeten Filmemachern die Hofer Filmtage, die zu einem der angesehensten Filmfestivals in Deutschland avancierten. Seit 1977 ist er außerdem für das Programm "Neuer deutscher Film" bei den Filmfestspielen Berlin verantwortlich. Als Leiter der Hofer Filmtage wurde er bereits mehrfach geehrt, u.a. mit dem Spezialpreis des Bayerischen Filmpreises 1992, dem Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises 1998 und dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse.


Kulturpreis Bayern 2010
Der Kulturpreis Bayern geht im Kern zurück auf den Kulturpreis Ostbayern, den eines der E.ON Bayern-Vorgängerunternehmen (OBAG) 1959 ins Leben gerufen hatte. Im Jahr 2005 wurde auf dieser Basis der Kulturpreis Bayern konzipiert und erstmals verliehen. Heuer findet im Bamberg die sechste Kulturpreisverleihung statt. Der Preis umfasst sowohl Kunst und Kultur wie auch die Wissenschaft. Im Bereich der Kunst erhalten jährlich sieben Persönlichkeiten aus allen bayerischen Regierungsbezirken für ihre herausragenden Leistungen den Kulturpreis Bayern. Über die Preisträger entscheidet eine unabhängige Fachjury. Die Preisträger können dabei in allen künstlerischen Bereichen tätig sein, beispielsweise Musik, Literatur, Theater, Schauspiel, Film, Architektur, Malerei oder Bildende Kunst.

Eine Besonderheit des Kulturpreises ist die Wissenschafts- und Nachwuchskomponente. Geehrt werden auch die besten Absolventen der bayerischen Fachhochschulen oder Hochschulen für angewandte Wissenschaft, die besten Doktoranden der bayerischen Universitäten und die besten Absolventen der bayerischen Kunsthochschulen. Die Auswahl über die Hochschulabsolventen trifft die jeweilige Hochschule. Der Kulturpreis Bayern ist somit eine Auszeichnung, Würdigung und Bühne für besondere künstlerische und wissenschaftliche Leistungen. In Summe ist der Preis mit 170 000 Euro dotiert.

Der Kulturpreis Bayern wird in enger Partnerschaft mit dem Bayerischen Staatsminsterium für Wissenschaft, Forschung und Kunst verliehen. Ausdruck dieser Partnerschaft ist der Sonderpreis, den der Bayerische Kunstminister jährlich an einen Künstler seiner Wahl vergibt. Mit der Preisverleihung geht das Unternehmen bewusst "auf eine Reise" durch alle Regionen Bayerns. Nach Regensburg, Nürnberg, Unterschleißheim, Passau und Bad Endorf wird der Kulturpreis heuer in Bamberg verliehen.

Neben Heinz Badewitz werden folgende Künstler ausgezeichnet: Petra Morsbach, Literatur (Oberbayern); Rainer und Thomas Gruber, Musik (Niederbayern); Franz Pröbster-Kunzel, Kunst (Oberpfalz); Michl Müller, Kabarett (Unterfranken; ensembleKONTRASTE, Musik (Mittelfranken); Herbert Knaup, Schauspieler (Schwaben). Der Sonderpreis des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst geht an die Schauspielerin Cornelia Froboess. Details zu den Künstlern finden Sie in den Bildtexten.

Impressionen von der Preisverleihung am Donnerstag im Hegelsaal der Konzerthalle sind in der Bildergalerie zu sehen.