Die Geschichte ist Älteren gut bekannt. Heinz Rühmann als Kommissär Matthäi, Gerd Fröbe als riesenhafter Mädchenmörder, ein spannender Krimi aus den fünfziger Jahren ("Es geschah am helllichten Tag"), der so endet, wie Krimis enden müssen: Der Böse, der Mörder der kleinen Gritli Moser, wird gefasst.
Das war dem Drehbuchautor Friedrich Dürrenmatt zu simpel, und der Schweizer Großautor schob einen Kriminalroman ("Das Versprechen", 1958) nach. Einen untypischen, hielt der Schriftsteller doch selbst Krimis für Zeitverschwendung. Was das Programmheft einer Erlanger Dramatisierung am Markgrafentheater zitiert. Von Regisseur Robin Telfer ist der Text bearbeitet worden, was nicht unproblematisch ist.
Doch zunächst seien die Pluspunkte dieser Bühnenfassung eines seinerzeit recht viel gelesenen Buchs genannt. Putzig sind die Kostüme (Monika Frenz) und Frisuren der ganz auf 50er Jahre getrimmten Statisterie, Unterstufen-Schülerinnen eines Erlanger Gymnasiums, auch die Hauptdarsteller sind streng historisch gekleidet. Das Bühnenbild von Siegfried E. Mayer kommt mit etwas Geäst und viel Laub als Wald aus, in dem die Mädchen ihrem Mörder begegnen, ansonsten evozieren einige wenige klug eingesetzte Requisiten trefflich den jeweiligen Schauplatz vom Flughafen über die Tankstelle bis zum Totenbett. Die Zeitebenen der Handlung sind klug ineinander geschoben und verwoben und nachvollziehbar erzählt. In Rückblenden wird der Mörder gefunden und doch nicht gefasst, ein Zufall, der im klassischen Krimi keine Rolle spielen darf.
Ein kleines Ensemble schlüpft in zahlreiche Rollen und spielt souverän. Die Idee, einen Mädchenchor zu engagieren, ist originell und fügt sich schlüssig ins Regiekonzept. Die Szenen folgen rasch und plausibel aufeinander. Und dennoch ging man nach knapp zwei Stunden nicht vollends überzeugt aus dem Theater. Telfer begeht den Fehler vieler Regisseure, indem er einfach zuviel will. Eine Slapstick-Szene, als die Kollegen des Kommissärs ihn nach Jordanien verabschieden, passt einfach nicht ins bedrückende Geschehen. Dass die küchenpsychologische Erklärung der Tätermotivation dem Stand der 50er Jahre entspricht - soll uns nicht weiter scheren. Dass der Autor Dürrenmatt selbst auftritt: ein überflüssiges episches Element. Die Parallelisierung des Schneewittchen-Märchens mit der Mordgeschichte: ein Gedankenspiel, mehr nicht.
Schon einleuchtend, dass das quälende Warten auf den Täter auch den Zuschauer quälen soll, wenn der Lockvogel Annegret schier unendlich ein Kinderlied trällert. Freudiger Beifall schwoll dann auf, als die Qual endlich vorbei war - die Grenze zwischen Ergriffenheit und unfreiwilliger Komik ist mitunter schmal. Straffung, Geschwindigkeit hätte dem Stück gut getan. Freilich, es geht ja ums vergebliche Warten, das den Kommissär Matthäi ruiniert. Aber die Handlung zieht sich und zieht sich - übers gebotene Maß hinaus.
Es entschädigt dann wieder Thomas Marx, der seinen Kommissär auf den verschiedenen Stationen des Gangs vor die Hunde inklusive Suff und derangierter Frisur überzeugend spielt. Auch Hermann Große-Berg glänzt in diversen Rollen. Vielleicht hätte die Inszenierung eher überzeugt, wenn man die Geschichte nicht schon gekannt hätte?

Termine 21., 28., 29. März, 19., 23. April, 19., 23. Mai, 12. Juni 19.30 Uhr, 8., 22. April, 18 Uhr. Karten unter www.theater-erlangen.de, an diversen Vorverkaufsstellen und an der Abendkasse