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Bamberg
Ausstellung

Bernd Wagenhäuser lässt das Eisen rosten

In seinem Bamberger Atelier zeigt Bernd Wagenhäuser neue Arbeiten unter dem Titel "Eisen und Erdpech". Die filigranen Stücke sind eher untypisch für den Künstler, der für Plastiken aus Schwermetall bekannt ist.
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Bernd Wagenhäuser vor seiner Serie "Eisen und Erdpech"  Foto: R. Rinklef
Bernd Wagenhäuser vor seiner Serie "Eisen und Erdpech" Foto: R. Rinklef
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Nein, ein Leichtgewicht ist Bernd Wagenhäuser bestimmt nicht. Das heißt - vom Phänotyp ist der 61-Jährige eher hager und zäh. Die schwere Arbeit hat sich in der Konstitution niedergeschlagen. Schwere Arbeit? Der Mann ist doch Künstler! Kunst ist immer auch Handwerk, und Bernd Wagenhäuser ist Künstler, Handwerker und Schwerarbeiter in einer Person.

Wobei in seiner aktuellen Ausstellung die filigrane Seite des gebürtigen Hessen dominiert. Jawohl, auch die ist eine Facette im Schaffen des Bernd Wagenhäuser. Auch wenn der Betrachter seiner mächtigen Plastiken, von denen eine etwa am Bamberger Markusplatz steht oder ein paar Schritte weiter etliche im Skulpturenpark neben der Konzerthalle ausgestellt sind, das dem Mann nicht zutraut, der in der Bamberger Kunstszene steht wie eine seiner mächtigen Säulen.

"Eisen und Erdpech" ist die Serie benamst.
Lapidar, was schon auf das künstlerische Credo des langjährigen BBK-Vorsitzenden weist. Er möchte das Material für sich sprechen lassen, nennt das den "Umgriff des Machens". Also verwendet er für seine kleineren Objekte eben Eisen und Bitumen (moderner Name für Pech), die er auf schweres Büttenpapier aufbringt. Das Papier wird eingeweicht, das Metallpulver gepresst, der Prozess mehrmals wiederholt. Nach dem Trocknen oxidiert das Metall und differenziert sich zu reliefartigen Formen aus. Von der Zwei- in die Dreidimensionalität. Häufig bildet sich eine Art Kometenschweif an den - mit Ausfaserungen - runden Objekten. Man denkt an archaische kleine Planeten, die durchs All rasen.

Das Archaische ist überhaupt das Anliegen des Künstlers, der vier Jahre lang plastische Formgebung studiert hat, aber auch mal kurz in ein Maschinenbau-Studium hineinschnupperte. In seinen Metallarbeiten benutzt er gerne Formen wie Kreis, Ellipse, ineinander verwundene Dreiecke, Säulen, wie eine in seiner Kombination aus Ausstellungsraum und Atelier steht. Das ist überhaupt ein Kunstwerk für sich, eine jener typischen Bamberger Hinterhof-Welten, die dem Flaneur, der nur die Fassaden sieht, für gewöhnlich verborgen bleiben.

Wagenhäuser hat die Räume einer früheren Großschreinerei gemietet und eine Halle für seine Objekte reserviert. Daneben und darunter liegen seine Werkstätten. Und die haben es in sich, sind mit Schweißbrennern, Laufkatzen und Biegerollen ausgestattet. Denn die Bearbeitung der oft tonnenschweren Rohlinge, häufig aus Cor-Ten-Stahl, der außen korrodiert, aber nicht durchrostet, fordert Muskel- und Maschinenkraft.

Im Gegensatz dazu steht dann wieder das Leichte, Ätherische, wenn etwa Künstlerhaus-Stipendiatin Brigitta Muntendorf eine audiovisuelle Performance zu den Objekten Wagenhäusers kreiert. Das sind die zwei Seiten eines durchaus geerdeten Mannes, der von vagem Künstler-blabla wenig hält. Form, Material, Arbeit. Das ist die Welt des Bernd Wagenhäuser.
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