Bamberg
Bamberger Symphoniker

Bamberger Symphoniker touren durch Japan

Lediglich das Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft verhagelte den Musikern kurzzeitig die Stimmung.
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Mit Konzertplakaten wie diesem    wurde    für    die Bamberger Symphoniker in Japan geworben. privat
Mit Konzertplakaten wie diesem wurde für die Bamberger Symphoniker in Japan geworben. privat
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Japan ist ein Heimspiel für die Bamberger Symphoniker. Schon kurz nach der Ankunft im Grand Nikko Tokyo Daiba, einem 30-stöckigen Hotel auf der künstlich geschaffenen Insel Odaiba in der Bucht von Tokio, zogen die ersten Musiker los, um einen Ausflug zum Mount Fuji, dem höchsten Berg Japans, zu unternehmen.

Auch am Tag darauf, den die Bamberger frei zur Verfügung hatten, peilte kaum einer die typischen Touristenziele, wie den Tokyo-Tower oder den Senso-ji-Tempel, an. Lieber ließen sich die Musiker in den kunstvoll gestalteten Parks treiben, besuchten Museen, suchten gezielt Geschäfte wie den mehrstöckigen Spielzeugladen "Toypark" auf der schicken Ginza-Einkaufsmeile auf, oder trafen sich an so skurrilen Orten wie dem Tokioer Eulencafé.

Acht Tage lang bereisten 124 Musiker, Chefdirigent Jakub Hru  Grad ša, Solistin Yulianna Avdeeva, drei Orchesterwarte, die Intendanz sowie ein Arzt Japan. Es war schnell zu merken, dass die Bamberger Symphoniker nicht zum ersten Mal in der 37-Millionen-Stadt unterwegs waren.
Sie wussten, wie die nur auf Japanisch beschrifteten Suppenautomaten funktionieren und fanden sich in dem für Außenstehende kaum zu durchdringenden U-Bahn-System mit seinen sechs Linien und den unzähligen Ausgängen zurecht.


Wie am Schnürchen

Während die Musiker ihren freien Tag im über 30 Grad heißen Tokio genossen, hieß es für die Organisatoren, den Tourplan mit dem Team der japanischen Konzertagentur Kajimoto durchzugehen, Details zu besprechen und Pressetermine zu koordinieren.

Seit vielen Jahren arbeitet das Orchester bei seinen Japan-Tourneen mit Kajimoto zusammen. Dort kennt man die Bedürfnisse der Musiker, und so lief auch dieses Mal nach bester japanischer Organisationsmanier alles wie am Schnürchen: Im Handumdrehen waren die rund 100 Musiker nach der Ankunft auf dem Tokioer Haneda-Flughafen in drei Bussen verstaut und binnen weniger Minuten nach Ankunft im Hotel hatten alle ihre Keycard für die für japanische Verhältnisse großzügigen Zimmer in der Hand.

Dass die Bamberger Symphoniker mit Japan so vertraut sind, geht auf eine lange Tradition zurück. Bereits 1968, fast auf den Tag genau vor 50 Jahren, reiste das Orchester mit seinem damaligen Chefdirigenten Joseph Keilberth zum ersten Mal ins "Land der aufgehenden Sonne".


Alte Schallplatten der Bamberger

Seitdem gehören die Bamberger im klassikbegeisterten Japan zu den beliebtesten Orchestern und jede der folgenden 14 Tourneen war sowohl für die Musiker als auch für das japanische Publikum, ein kleines Highlight.
Davon zeugen bis heute die langen Schlangen, die sich nach jedem Konzert vor den Künstlergarderoben bilden, in der Hoffnung, ein Autogramm oder ein gemeinsames Foto mit dem Chefdirigenten zu bekommen. Viele japanische Fans hielten auch dieses Mal stolz alte Schallplattenaufnahmen der Bamberger Symphoniker in den Händen. Die Begeisterung für das Orchester geht dabei quer durch alle Generationen.

Anders als bei den früheren Japan-Tourneen waren ausschließlich Konzerte in Tokio und Umgebung geplant. Ein Umstand, der den Aufenthalt für die Musiker um einiges erleichterte, schließlich blieb ihnen so das mitunter stressige Umherreisen im Land erspart.
Trotzdem war der Tourplan eng gestrickt: vier Konzerte an drei verschiedenen Orten hatte das Orchester zu spielen. Zunächst im Tokyo Bunka Kaigan, einer altehrwürdigen Konzerthalle mit rund 2300 Plätzen.


Jetlag und Erkältungen

Hier standen das erste Klavierkonzert von Johannes Brahms mit der russischen Pianistin Yulianna Avdeeva und die 8. Sinfonie von Dvorák auf dem Programm.
Dass viele Musiker noch mit dem Jetlag oder Erkältungen zu kämpfen hatten, war ihnen im Konzert nicht anzumerken. Während der Großteil des Orchesters den Mittwoch frei hatte, waren die Streicher bei einer besonderen Veranstaltung gefragt: einem Konzert, das sich an behinderte und nichtbehinderte Kinder sowie ältere Menschen richtete. Und so saßen in der Minato Mirai Hall in Yokohama, rund 40 Kilometer südlich von Tokio, vor allem Kinder und Mütter im Publikum.

Der Donnerstag war für einige Orchestermitglieder ein harter Tag. Zum einen sorgte das WM-Aus für Deutschland am Morgen nicht gerade für gute Stimmung. Zum anderen stand im Anschluss an ein Nachmittagskonzert in Yokohama eine mehrstündige Probe für das bevorstehende Abschlusskonzert am kommenden Tag an. Auf dem Programm: die dritte Sinfonie von Gustav Mahler. Ein mit gut 105 Minuten und rund 220 Beteiligten ungewohnt langes und aufwendiges Werk für eine Tournee. "Aber wir wollten etwas von der Mahler-Kultur der Bamberger Symphoniker mit nach Japan bringen", sagte Orchestermanager Markus Stratman.

So wurde der Tournee-Abschluss in der Suntory Hall, das 125. Japan-Konzert in der Geschichte des Orchesters, auch gleichzeitig zum Höhepunkt der Reise. Das Publikum bedankte sich mit frenetischem, für japanische Verhältnisse ungewöhnlich lautem Jubel.