Wetten, dass es immer die G.s sind, die zum Premieren-Promi-Defilee am Festspielhaus fehlen? Im vergangenen Jahr waren es Thomas Gottschalk und Karl-Theodor zu Guttenberg (Absenz wegen Rücktritts als Minister); diesmal wieder Gottschalk (fehlte - womöglich - wegen des Rücktritts der ARD von ihm) - und Joachim Gauck. Der Bundespräsident hatte nicht etwa abgesagt, weil er demissionierte (wie seine beiden Amtsvorgänger); er hatte anderweitige Verpflichtungen.

Drinnen im Festspielhaus, da hätte zum Zeitpunkt des Schaulaufens draußen Evgeny Nikitin seine Stimme ölen sollen. Doch auch er: zurückgetreten. Wegen einer verfänglichen Tätowierung. Es ist hier zu Lande schon ein Kreuz mit dem Haken...

Und noch einer schritt gestern zum Grünen Hügel, der in den vergangenen zwei Tagen das Wort "Rücktritt" des öfteren zu hören, ja die Aufforderung zum selbigen deutlich nahegelegt bekam: Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler. Es muss eine Labsal gewesen sein für ihn, wenigstens in der Öffentlichkeit mal wieder mit Beifall bedacht zu werden, wo doch mancher Polit genosse den FDP-Chef ob der Äußerungen zur eventuellen Griechenlandpleite schon als Einläuter des Abendland-Untergangs brandmarkte.

Ehefrau Wiebke Rösler erkannte die Gunst der Stunde und schickte ihren Gatten zu den wartenden Autogrammjägern hinter der Absperrung. Die waren erpicht auf das Signet des Neulings. Wollen wir nicht hoffen, dass er in der Eile versehentlich einen ungedeckten Hellas-Schuldschein unterschrieb.

Davon hatte "Bundesmutti" Angela Merkel keinen dabei. Es ist egal, welchem Sturm sie innen- wie außenpolitisch zu trotzen hat: Kommt die Kanzlerin nach Bayreuth zu den Festspielen, ist ihr der Applaus der Menge gewiss. Buhrufe? Fehlanzeige. Obwohl in diesem Jahr manch einer drauf gewettet haben mag, dass sie sich diesmal - wegen der Eurokrise - ein paar kritische Töne wird gefallen lassen müssen.

Gewettet wurde unter den Hunderten Schaulustigen auch darauf, ob Bayreuths neue Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-(Weltkultur-)Erbe mit oder ohne ihren Gatten Thomas vor dem Königsportal die Gäste begrüßen würde. Des Rätsels Lösung stand kurz nach 17.30 Uhr fest, als beide Merk-Erbes über den roten Teppich schritten.
Wette Nummer drei galt der Art (und Dauer) des Auftritts der Wagner-Schwestern Katharina und Eva. Sie zeigten sich mit Blumensträußen in den Händen, winkten und wirkten deutlich ausgelassener als im Vorjahr, wo die Zeit ihres öffentlichen Erscheinens nur mit einer sehr präzisen Stoppuhr messbar war. Dafür ernteten die Hausherrinnen Applaus. Vor allem Katharina dürfte die Gunstbezeugung gefreut haben, waren doch nach ihren Äußerungen über das "verfluchte" Bayreuth Rück trittsforderungen aufgekommen.

Der Kanzlerinnen-Stil

Auftritt Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bei der Eröffnung der Bayreuther Festspiele einen eigenen Stil bewiesen: Zur türkisfarbenen, blau changierenden Abendrobe trug sie Seidensöckchen in Pumps mit niedrigen Absätzen. Dazu eine kurze, helle Perlenkette und eine Clutch-Tasche in der Farbe des beinahe bodenlangen Kleides.

Ähnlichkeit Die Robe sah ihrem Outfit aus dem Jahr 2008 zum Verwechseln ähnlich - vom Kleid über die Kette bis zur Handtasche. dpa