Bamberg
Slam-Symphonie

Slam-Symphonie in Bamberg

Zum zweiten Mal werden drei junge Lyriker in der Konzerthalle zusammen mit den Symphonikern auftreten. Aus Hector Berlioz' "Symphonie fantastique" picken sie sich Anregungen für dichterische Exaltationen. Dann gibt es die Symphonie am Stück zu hören.
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Max Kennel, der Gewinner der vorjährigen Slam-Symphonie Foto: M. Hoch
Max Kennel, der Gewinner der vorjährigen Slam-Symphonie Foto: M. Hoch
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"Ein bizarres Nachtstück ... Das Beste darin ist ein Hexensabbat, wo der Teufel die Messe liest ... eine Farce, wobei alle geheimen Schlangen, die wir im Herzen tragen, freudig emporzischen und sich vor Wollust in die Schwänze beißen ..."
Im Jahre 1830 erregte Hector Berlioz' "Symphonie fantastique" ungeheures Aufsehen, wie das Zitat Heinrich Heines beweist - der Exilant berichtete für die hassgeliebte Heimat aus der Hauptstadt des 19. Jahrhunderts. Berlioz hatte ein neues Genre geschaffen: die Programmmusik, hier die durch Opium befeuerten Visionen eines verliebten Musikers. Der damals 27-Jährige hatte sich unsterblich und -glücklich in die Schauspielerin Harriet Smithson verliebt und all seine Seelenglut in die fünfsätzige (Drama!) Symphonie gelegt.
Welcher junge Mensch kennte das nicht: Verliebtheit, unglückliche, unerwiderte Liebe, Gefühlstaumel, Verzweiflung und Euphorie, Drogenerfahrungen gar ... also ist dieses Stück Musik ideal geeignet, ein junges Publikum zu faszinieren. Und die Bamberger Symphoniker tun für dieses hehre Ziel noch mehr: Zum zweiten Mal ist ein Abend als "Slam-Symphonie" ausgewiesen, als Dichter-Wettstreit mit Musik. Als Sängerkrieg auf der Wartburg gewiss nicht, sagt Max Kennel, 24, Vorjahres-Sieger. Er hat sich gemäß den Vorgaben den zweiten Teil der Symphonie, "Auf dem Balle", als Inspirationsquelle gewählt. Mit seinen Konkurrenten Christian Bumeder alias "Bumillo" und Dalibor Markovic ist er freundschaftlich verbunden, so wie die Slam-Szene überhaupt eher solidarisch denn futterneidisch agiert.
Diese Szene, einst von "seriösen" Lyrikern mit Naserümpfen bedacht, hat sich professionalisiert. Künstlerhaus-Direktorin Nora Gomringer ist das beste Beispiel dafür. Längst geht es bei den besten Protagonisten - und die drei Symphonie-Slammer zählen unzweifelhaft dazu - nicht nur um postpubertäre bzw. adoleszente Gefühlswallungen, verpackt in stümperhafte Poesiealben-Verse. Einer wie Kennel kann virtuos mit dichterischen Mitteln wie Reim, Assonanz, mit Bildern und Metaphern hantieren. Für Dalibor Markovic, immerhin schon 40 Jahre alt, sind erzielte Lacher "nicht wichtig, aber ein Aspekt". Er ist Rapper, der auch Beatboxing beherrscht, eine Art Human-Rhythmusmaschine, und hat aus der Berlioz'schen Symphonie den "Hexensabbat" gewählt. Für ihn spielt die Musik "eine außerordentlich große Rolle", sagt er. Er werde versuchen, die auftauchenden Rhythmen mit Wörtern aufzugreifen, "so dass man sagen kann, die Musik liegt unter dem Text wie ein wortwörtliches Fundament ..."
Bumillo wiederum ist bereits im "Vereinsheim Schwabing" des Bayerischen Fernsehens aufgetreten, jener im Spätprogramm versteckten zurzeit besten TV-Talentshow. Er wird über "Auf dem Lande" reimen oder freie Rhythmen basteln oder rappen ... Man lasse sich überraschen. Nach der Lyrik spielt das Orchester die Symphonie unter dem Dirigat Jakub Hrusas - sein erster Auftritt als designierter Chefdirigent im Joseph-Keilberth-Saal! - am Stück. Der Eintrittspreis ist so niedrig, dass er eher einer Schutzgebühr gleicht.

Slam und Symphonie

Termin
Die 2. Bamberger Slam-Symphonie findet am Samstag, 14. November, 19 Uhr, als Jugendkonzert in der Konzerthalle statt.
Musik
"Symphonie fantastique" von Hector Berlioz, Dirigent Jakub Hrusa
Slammer Max Kennel, Christian "Bumillo" Bumeder, Dalibor Markovic
Karten
beim bvd, Tel. 0951/98082-20, E-Mail info@bvd-ticket.de, und an der Abendkasse: fünf Euro für Studenten, 15 für alle anderen
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