Bamberg
Bamberger Symphoniker

Schwimmen im Strom der Musik - Symphoniker stellen neues Programm vor

In der kommenden Spielzeit gibt sich das Orchester innovationsfreudig wie nie.
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Der designierte Chefdirigent Jakub Hru Gradša (l.) und der Intendant der Bamberger Symphoniker Marcus Rudolf Axt Fotos: Rudolf Görtler
Der designierte Chefdirigent Jakub Hru Gradša (l.) und der Intendant der Bamberger Symphoniker Marcus Rudolf Axt Fotos: Rudolf Görtler
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Wer gedacht hatte, mit dem neuen Chefdirigenten Jakub Hru  Grad ša, der Rückbesinnung auf böhmische Wurzeln, würde das Programm behäbig-konservativ, sah sich gestern aufs Angenehmste getäuscht. Bei der Vorstellung der Spielzeit 2016/17 im Foyer des Joseph-Keilberth-Saals stellte Intendant Marcus Rudolf Axt die kommende Saison unter das Motto "Aufbrüche" und konkretisierte das in mehrfacher Hinsicht.

Da ist zunächst natürlich der neue Chefdirigent Jakub Hru  Grad ša (Eröffnungskonzert am 30. September mit u. a. Mahler), der anwesend war und sich zur Präsenz zeitgenössischer Musik, aber auch zur Traditionspflege mit Werken aus Barock, Klassik, Romantik bekannte. Naturgemäß wird er böhmisch-mährische Komponisten ins Programm aufnehmen wie den wenig bekannten Jan Václav Voríšek, wie Paul Wranitzky, Bohuslav Martinú und selbstverständlich Antonin Dvorák. "Gelegentlich, aber nicht zu oft", sagte Hru  Grad ša, der vereint mit Axt das Programm entworfen hat und um "Vertrauen auf beiden Seiten", also Publikum wie Künstlern, warb.

"Aufbrüche" bedeutet nicht, dass Bewährtes über Bord geworfen wird. Dafür bürgen Namen wie die der Ehrendirigenten Herbert Blomstedt und Christoph Eschenbach, die Tourneen nach Japan und Südkorea (Blomstedt) und in die USA (Eschenbach) begleiten werden. Dafür bürgen Namen wie Beethoven ("steht wie kein anderer für den Aufbruch in der Musik", Axt), Mahler (1. und 5. Symphonie), Mozart ("Pariser", "Prager" Symphonie und "Don-Giovanni"-Ouvertüre) und Schubert mit der "Unvollendeten" und der "Großen C-Dur"-Symphonie.

Aber es tut sich Einiges, wie der Intendant sagte, der "im Strom der Musik schwimmen" will. Da sollen Stücke ineinander übergehen. Da soll ein Stück beginnen, bevor das Konzert begonnen hat - es wird Edgar Varèses "Tuning Up" sein. Da gibt es 4'33'' des US-Avantgardisten John Cage - und dann bricht Brahms' Vierte über das Publikum herein. Das Silvesterkonzert wird HK Gruber dirigieren, der mit dem Ensemble Modern sehr bekannt geworden ist und Strawinsky, Kurt Weill, Gershwin und Bernstein statt des ewigen Beethoven interpretiert. Stars wie die Labèque-Schwestern oder die Porträtkünstlerin Lisa Batiashvili sind funkelnde Edelsteine im Programm, Familien, Akademisten und Studenten mit einer Slam-Symphonie werden ebenfalls nicht vergessen, Orgelfreunde ebenfalls nicht und nur einen Wermutstropfen gilt es zu schlucken: Die Karten werden teurer. Dafür beginnen die Abendkonzerte ab der kommenden Saison auf vielfachen Wunsch bereits um 19.30 Uhr.

"Aufbrüche": Abriss der Spielzeit 2016/17 der Bamberger Symphoniker

Dirigenten
Bertrand de Billy, Herbert Blomstedt, Christoph Eschenbach, Reinhard Goebel, HK Gruber, Manfred Honeck, Leo Hussain, Louis Langrée, Ingo Metzmacher, Jonathan Nott, Alondra de la Parra, Santtu-Matias Rouvali, András Schiff, Lahav Shani, Robert Trevino, Duncan Ward, David Zinman, Nikolaj Znaider

Solisten (Auswahl) Klavier Rudolf Buchbinder, Katia und Marielle Labèque, Menahem Pressler Violine Lisa Batiashvili, Frank Peter Zimmermann
Violoncello Gautier Capuçon Oboe François Leleux Klarinette Jörg Widmann Orgel Christian Schmitt, Matthias Maierhofer Sänger Michelle Breedt, Sibylla Rubens

Programm (Auswahl) 30. 9. Eröffnung: Dir. Jakub Hru  Grad ša mit Varèse, Voríšek, Mahler; 14. 10. Abo B: Dir. Lahav Shani, Solist Menahem Pressler (Klavier) mit Mozart, Brahms, Schubert; 31. 12. Silvesterkonzert: Dir. HK Gruber mit Strawinsky, Weill, Debussy, Gershwin, Bernstein; 21. 1. Abo B/E Dir. J. Hru  Grad ša mit C. Ives, R. Wagner, B. Martinú; 26. 3. Lange Kammermusik-Nacht mit Lisa Batiashvili u. a., Schulhoff, Arensky, Tschaikowsky, Jazz-Ensemble; 19. 7. Sonderkonzert im Kaiserdom, Dir. Herbert Blomstedt mit Bruckners 5. Symphonie zu Blom-stedts 90. Geburtstag