Bamberg
Premiere

Roland Schimmelpfennigs "Das schwarze Wasser" ist in Bamberg zu sehen

Mit Roland Schimmelpfennigs "Schwarzem Wasser" fragt das Bamberger Theater wieder nach dem deutschen Wesen.
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Ronja Losert und Pascal Riedel spielen in "Das schwarze Wasser" Fotos: Martin Kaufhold
Ronja Losert und Pascal Riedel spielen in "Das schwarze Wasser" Fotos: Martin Kaufhold
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Was ist von den utopisch grundierten Sommernachtsträumen türkischer Einwandererkinder und denen ihrer deutschen Pendants nach 20 Jahren übrig geblieben? Wo hat man sich verloren zwischen der Karriere als Jurist, Schuldirektorin und Zahnarzt und der als Dönerbudenbesitzer und Einzelhandelskauffrau? Waren die während eines nächtlichen Einbruchs in ein Freibad zart aufkeimenden Gefühle zwischen Aishe und Frank am Ende doch nicht mehr als jugendlicher Flirt, der der Realität einer sich verstärkenden Kluft zwischen "echten" Deutschen und eingewanderten Türken der dritten Generation nicht standhalten kann?


Die Frage nach der Integration

Derlei Fragen widmet sich Roland Schimmelpfennigs Drama "Das schwarze Wasser". Das Stück des derzeit wohl meistgespielten lebenden deutschen Dramatikers verhandelt dabei Makrofragen wie die nach gelungener oder gescheiterter Integration scheinbar en passant mit und fügt sich damit in die Leitfrage der diesjährigen Spielzeit des runderneuerten E.T.A.-Hoffmann-Theaters, ausgerufen von Intendantin Sibylle Broll-Pape: Was heißt Deutsch-sein in Vergangenheit und Gegenwart?

Folgerichtig ist es Richard Wagners "Rheingold"-Vorspiel, das Musiker Jan Schöwer, geformt aus den Stimmen der Darsteller, erklingen lässt. Mit seinen mal blueslastigen, dann wieder türkischen Trommelrhythmen gibt Schöwer Broll-Papes nuancierter Regiearbeit ohnehin einen zusätzlichen Impuls.

Spartanisch, ganz in Schwarz, gestaltet sich hingegen die Bühne: Blecherne Leinwände werden zur Projektionsfläche für Wasserwellen, Schwimmbad-fliesen, Hochhausfassaden oder Dönerbuden (Videoproduktion Roman Kuskowski). Frei von Klischees bleibt auch die Ausstattung dieser durchdachten Inszenierung: Trixy Royeck hat die Darsteller mit kleinen Accessoires ausgestattet, etwa einem golden blitzenden Halskettchen oder roten Turnschuhen, um die türkischen Figuren von den deutschen zu unterscheiden. Kopftuch oder Proletenakzent braucht es da nicht.

Von den Darstellern selbst lässt sich keine und keiner herausheben, was der Textvorlage geschuldet ist, die auf eindeutige Rollenzuweisungen verzichtet und stattdessen Figurenrede und Erzählpassagen gleichmäßig auf alle verteilt. Voneinander unterschieden werden Spielszenen sowie Erzählkommentar durch den Einwurf "kurze Pause". Dabei spielen Anna Döing, Ronja Losert, Katharina Rehn, Bertram Maxim Gärtner, Pascal Riedel und Daniel Seniuk präzise und verzichten weitgehend auf enervierendes Deklamieren des dicht komponierten Textes. Die Schimmelpfennig-Methode, die auf eine vom Zuschauer einige Aufmerksamkeit erfordernde Collage-Struktur setzt, meistern sie daher mit scheinbar großer Leichtigkeit.
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