Bamberg
Premiere

"Peterchens Mondfahrt": bezauberndes Theatererlebnis in Bamberg

Mit dem Kinder-Klassiker "Peterchens Mondfahrt" hat das E.T.A.-Hoffmann-Theater ein höchst vergnügliches Stück geschaffen, für dessen Besuch sich auch Erwachsene nicht zu schämen brauchen.
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Alexander Tröger spielt den Herrn Sumsemann, den Käfer auf der Suche nach dem verlorenen Bein. Foto: Martin Kaufhold
Alexander Tröger spielt den Herrn Sumsemann, den Käfer auf der Suche nach dem verlorenen Bein. Foto: Martin Kaufhold
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Es ist ja im fortgeschrittenen Alter nicht so ganz einfach, über für Kinder geschriebene Stücke und ihre Inszenierung zu rechten. Dutzende, vielleicht Hunderte Male saß man im Theatersessel, war vom Gesehenen angetan, war abgestoßen, hat sich geärgert, gelangweilt, sich (hoffentlich) einen einigermaßen professionellen Blick zu eigen gemacht - und dann erlebt man, wie Kinderchen aufspringen, rufen, in Tränen ausbrechen gar: ein Publikum wie keines.


Prächtige Optik

Das es zu faszinieren gilt angesichts der Konkurrenz audiovisueller Medien, die bereits die Kleinsten im Würgegriff haben. Und man kann sagen, dass die Theaterleute, von der Technik über Bühnenbild und Kostüme bis zur Musik und den Schauspielern, keinen Aufwand gescheut haben, ja wirklich mit Liebe diese gut 100 Jahre alte Mondfahrt von Peterchen (Benedikt Flörsch) und Anneliese (Sara Tamburini) auf die Bühne brachten (Regie Nicole Claudia Weber). Freilich in der Fassung Philipp Löhles, der Gerdt von Bassewitz' Text modernisierte und auch die Zahl der Personen reduzierte, auf dass das Drama um des Maikäfers (den "Angsthasenkäfer" Herrn Sumsemann spielte Alexander Tröger frisch und frei) abgehacktes und auf dem Mond gelandetes Beinchen auch für heutige Theater spielbar bleibe.

"Peterchens Mondfahrt" ist nicht nur ein romantisches Märchen, sondern transportiert durchaus und wohltuend unaufdringlich so etwas wie eine "Moral": sich nicht unterkriegen lassen, zusammenhalten und damit Ängste überwinden. Doch das dürften die bei der Premiere anwesenden Kinder allenfalls subkutan eingeimpft bekommen haben. Erinnern werden sie sich, vielleicht ein Leben lang, an ein ganz außerordentliches optisches Spektakel. Ausstatterin Tanja Hofmann und ihre Helfer haben wunderschöne, liebevoll geschneiderte Kostüme geschaffen. Da ist der Maikäfer, dem das verlorene Bein wieder angeklebt wird. Da ist der riesige Bär, auf dessen Rücken drei Erwachsene Platz finden. Der blinkende Mondschlitten. Das hoch über der Bühne schwebende kindliche Abenteuer-Trio. Die Disco-Kugel-Effekte, das wunderschöne Bühnenbild mit entweder einem stilisierten Bamberger Dom im Hintergrund oder Mutter Erde, Schneefall und Sterne ...


Spektakulärer Mondmann

Aber natürlich lebt Theater von den Schauspielern. Alle spielen sie mit vollem Einsatz, seien es die Kinder, der Käfer oder Iris Hochberger und Florian Walter in vielen wechselnden Rollen. Vor allem Walters Talent als spektakulären und spektakelnden Kinder-Akteur hat man noch gar nicht gekannt. Wie er als - auch da wieder prächtig ausstaffierter - Mondmann auf der Bühne herumkrakeelt und -tapst: großartig. Bettina Ostermeier schrieb die Musik zu einigen Songs, etwa dem "Maikäferlied". Sparsam instrumentiert mit der süß schluchzenden Violine Gustavo Strauß'. Auch ein fetter Kontrabass kommt mal zum Einsatz oder jazzige Akkorde. Gott sei Dank kein Hip-Hop! Der ist überstrapaziert.

War es nun ein Traum, war es Realität? Am Ende des einstündigen Stücks ist natürlich alles gut. Eine winzige Irritation: Bei uns heißt es Christbaum und Nikolaus, den Weihnachtsmann überlassen wir gern Coca-Cola. Wochenend-Vorstellungen für die ganze Familie sind vorgesehen. Der erwachsene Besucher wird sich eines wünschen: Ach, könnte man doch manche Zeitgenossen mit einer riesigen Kanone auf den Mond schießen so wie in dem Stück!

Termine und Karten

Weitere Vorstellungen
im Großen Haus des E.T.A.-Hoffmann-Theaters 21., 22., 28., 29. November, 8., 9., 10., 15., 16., 20., 21., 22., 23., 27. Dezember
Karten
unter Tel. 0951/873030, E-Mail kasse@theater.bamberg.de