Bamberg

Krähwinkel: Komödie über Kleinstädter in Bamberg

August von Kotzebues Komödie von 1802 "Die deutschen Kleinstädter" wird unter dem Namen "Krähwinkel" in Bamberg gespielt. Allerdings modernisiert und mit Schlagern von Marianne Rosenberg bis Howard Carpendale.
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Sabine (Anna Döing) und Olmers (Daniel Seniuk) Foto: Martin Kaufhold
Sabine (Anna Döing) und Olmers (Daniel Seniuk) Foto: Martin Kaufhold
Einen Bau-, Berg- und Weginspektorssubstituten gibt es zumindest unter diesem Namen heute nicht mehr. Und bürgerliche Damen werden nicht mehr mit dem Titel des Gatten angesprochen, sie führen diese Titel selber. Also ist die Frau Stadtakzisekassaschreiberin Morgenrot obsolet, eine Mumie in der deutschen Komödienliteratur?
Keineswegs, sind Isabel Osthues und ihr Team überzeugt. Mag auch August von Kotzebues Klamotte "Die deutschen Kleinstädter" gut 200 Jahre alt sein - in Bamberg (Premiere am 4. Dezember)ist sie "Krähwinkel. Eine Komödie mit Schlagermusik" benamst -, mag Provinzialität in dieser brutalen Form ausgestorben, das Denken in Titeln verschwunden scheinen: Es gibt sie noch, die verschworenen Gemeinschaften in den kleinen und gar nicht mal so kleinen Städten, die Tratschsucht, die Engstirnigkeit.
Deshalb sehen Osthues, Dramaturg Remsi Al Khalisi und einer ihrer Hauptdarsteller Bertram Maxim Gärtner in Kotzebues Komödie von 1802 durchaus Aktuelles. Zumal sie nicht historisierend, sondern zeitlos inszeniert wird. Das heißt, die Kostüme entsprechen zeitgenössischer Mode, und die Sprache ist - zum Teil - modernisiert worden. Den Kontrast zwischen antiquiertem und heutigem Sprachstil schätzt das Team als reizvoll ein.
Worum geht es? Sabine (Anna Döing), die Tochter des Bürgermeisters von Krähwinkel (Volker J. Ringe), liebt Olmers (Daniel Seniuk), den Residenzstädter. Versprochen ist sie aber dem bereits erwähnten Substituten Sperling, wovon sie begreiflicherweise nicht besonders erbaut ist. Als Olmers im Städtchen auftaucht, ist die Honoratiorenschaft samt Damen aus dem Häuschen. Ist der Fremde vielleicht sogar der König inkognito? Bis zum Happy End ist einiges an komödiantischen Verwicklungen durchzustehen.
August von Kotzebue (1761-1819) hat in der deutschen Literaturgeschichtsschreibung ein schlechtes Image. Eher als Person der Geschichte bekannt, da er vom Studenten Karl Ludwig Sand ermordet wurde, was die reaktionären Karlsbader Beschlüsse provozierte, gilt er als Viel- und Trivialschreiber. Doch weiß man, dass ein Nietzsche ihn in "Menschliches, Allzumenschliches" als "das eigentliche Theatertalent der Deutschen" rühmte, dass Goethe 87 Kotzebue-Stücke in Weimar spielen ließ? Übrigens erfand Jean Paul "Krehwinkel", das seither und auch seit Nestroys 1848er Komödie als Synonym für kleinstädtische Beschränktheit gilt.
Unterhaltungs- verrät oft mehr über den Geist der Zeit als Hochliteratur, Schlager mehr als Avantgarde. Die Bamberger Inszenierung dieser "wahnsinnig gut geschriebenen Komödie" (Osthues) wird ergänzt durch von den Schauspielern gesungene Gassenhauer von Marianne Rosenberg, Roland Kaiser, Howard Carpendale und Artverwandten. Die Musik wurde neu arrangiert von Timo Willecke, das Bühnenbild Jeremias Böttchers soll "ekelhaft schön" sein. In weiteren Rollen spielen Katharina Brenner, Eckhart Neuberg, Pina Kühr und Ronja Losert.

Termine und Karten

Premiere Freitag, 4. Dezember, E.T.A.-Hoffmann-Theater Bamberg, Großes Haus Weitere Vorstellungen 5., 6., 12., 13., 17., 18., 30., 31. Dezember, 2., 3., 16. Januar Karten Tel. 0951/873030, E-Mail kasse@theater.bamberg.de, bvd, Tel. 0951/98082-20, u. a.
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