Bamberg
Orchesterleitung

Jakub Hruša wird neuer Chefdirigent der Bamberger Symphoniker

Der junge Tscheche Jakub Hruša wird ab der Spielzeit 2016/17 Jonathan Nott als Chefdirigent der Bamberger Symphoniker folgen. Er soll einerseits die "böhmische" Tradition des Orchesters fortführen, andererseits frischen Wind bringen.
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Jakub Hruša bei einer Probe mit den Bamberger Symphonikern Fotos: Barbara Herbst
Jakub Hruša bei einer Probe mit den Bamberger Symphonikern Fotos: Barbara Herbst
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Groß ist die Geheimniskrämerei, wenn ein Orchester einen neuen Chefdirigenten sucht - wie es bei den Berliner Philharmonikern unlängst zu studieren war -, und auch die Bamberger Symphoniker sahen sich nach einem Nachfolger Jonathan Notts unter hoch klandestinen Bedingungen um. Doch seit gestern ist es offiziell: Ab 2016 wird Jakub Hruša den künstlerischen Kurs des Orchesters, das unter Nott zu einem von Weltgeltung aufgestiegen war, maßgeblich bestimmen.

Im Beisein von Vertretern des Stiftungsrats der Symphoniker, des Lands Bayern, von Bezirk Oberfranken, Stadt und Kreis Bamberg also, allen voran der bayrische Kunstminister Ludwig Spaenle, unterzeichnete der 34-Jährige seinen Vertrag, der vorerst bis zur Spielzeit 2020/21 reicht. En passant erwähnte der Minister, dass Intendant Marcus Rudolf Axt mindestens bis 2018 die geschäftlichen und künstlerischen Geschicke der Bamberger Symphoniker leiten wird.

Jahrelang war nach einem Nachfolger von Jonathan Nott gesucht worden. Der Brite wird ab der Saison 2016/17 das Orchestre de la Suisse Romande in Genf als Chefdirigent und Musikdirektor leiten. Eine so lange Chefdirigentenzeit ist eher unüblich; sie ist nur vergleichbar mit der von Joseph Keilberth, der von 1950 bis 1968 am Pult der Bamberger stand und deren spezifischen "böhmischen Klang" ausformte.

Das Headhunting geschah auf demokratischer Basis. Zur Findungskommission zählten neben dem Intendanten 15 Mitglieder des Orchesters. Der Orchestervorstand, Paukist Robert Cürlis, berichtete vom Procedere. Danach waren alle Stimmgruppen vertreten, die zunächst eine Longlist von bis zu 20 Bewerbern abzuarbeiten hatten. Allmählich kristallisierte sich eine Shortlist von sechs Kandidaten heraus. Deren Namen werden streng geheim gehalten, denn an keinem soll der Makel eines verschmähten Bewerbers haften bleiben. Man hörte jedoch munkeln, dass auch Robin Ticciati auf der Liste stand.

Wie dem auch sei, laut Intendant und Orchestervorstand war die Mehrheit für Hruša - das "u" wird lang gesprochen - eine klare. Die bisher fünf Konzerte, die der Tscheche mit den Bamberger Symphonikern gegeben hatte, seien "spontan außergewöhnliche Klangereignisse" (Axt) geworden. Cürlis sagte, dass der 34-Jährige gut zum jungen Orchester passe. Er verspricht sich, gute "böhmische" Traditionen der Bamberger mit dem naturgemäß damit vertrauten Hruša einerseits zu pflegen, andererseits zu erneuern. Die wechselseitige Empathie zwischen Orchester und Dirigent (Cürlis: "eine Familie") war offenbar gleich gegeben. Hruša, so Cürlis, führe das Orchester am langen Zügel, räume Freiräume ein, erkenne aber auch sogleich Schwachpunkte.

Dass der designierte Chefdirigent warme Worte für Bamberg und das Orchester fand, überrascht nicht. Am 14. und 15. November wird man ihn in Bamberg erleben dürfen, mit ganz anderen Augen sehen und anderen Ohren hören.



Jakub Hruša - Lebenslauf und Konzerte in Bamberg


Geboren wurde Jakub Hruša 1981 in Brno (Brünn), der zweitgrößten Stadt Tschechiens. Er absolvierte eine Ausbildung an Klavier und Posaune und studierte Dirigieren an der Prager Akademie der musischen Künste.

Er ist Ständiger Gastdirigent der Tschechischen Philharmonie, Erster Gastdirigent des Tokyo Metropolitan Symphony Orchestra. Von 2009 bis 2015 war er Chefdirigent der Prager Philharmoniker. Hruša dirigierte in den vergangenen Jahren namhafte Orchester wie das Leipziger Gewandhaus-Orchester, das Orchester des Südwestfunks Stuttgart, das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin, das BBC Symphony Orchestra, die Academy of St. Martin-in-the-Fields, das Verdi-Orchester Mailand und viele andere.
Am 14. November wird der 34-Jährige für eine "Slam-Symphonie" am Pult der Bamberger stehen. Zu Hector Berlioz' "Symphonie fantastique" werden drei Nachwuchsdichter ihre Texte lesen. Tags darauf, am 15. November, wird im Abo-A-Konzert das "Fantastické scherzo" des tschechischen Komponisten Josef Suk zu hören sein, dazu Dmitri Schostakowitschs Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 a-Moll op. 77, wiederum
Berlioz' "Symphonie fantastique" und als Zugabe Erkki-Sven Tüürs "Tormiloits". red

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