Wunsiedel
Premiere

Ein Sommernachtstraum auf der Luisenburg

Michael Lerchenberg macht aus William Shakespeares 400 Jahre alter Komödie "Ein Sommernachtstraum" auf der Luisenburg leicht konsumierbares Volkstheater, ohne niveaulos zu werden.
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Elfenkönig Oberon (Rüdiger Joswig, li.) und sein Kobold Puck (Michael Kargus) auf der Felsenbühne der Luisenburg Fotos: Luisenburg-Festspiele/Harald Dietz, SFF Fotodesign
Elfenkönig Oberon (Rüdiger Joswig, li.) und sein Kobold Puck (Michael Kargus) auf der Felsenbühne der Luisenburg Fotos: Luisenburg-Festspiele/Harald Dietz, SFF Fotodesign
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Die schönste Naturbühne Deutschlands, ein über 400 Jahre nach seiner Entstehung immer noch gern und viel gespielter Klassiker und ein alter Theaterfuchs wie Michael Lerchenberg als Regisseur und (unter dem Pseudonym Peter Jeremias) Bühnenbildner - da kann eigentlich nicht viel schiefgehen.

Und es ging auch kaum etwas schief in diesem "Sommernachtstraum" des William Shakespeare, der am vergangenen Freitag auf der Luisenburg Premiere feierte. Bis auf das Strapazieren der Zuschauer-Geduld durch festredende Politiker, die sich zur offiziellen Eröffnung - "Der kleine Wikinger" wird schon länger gespielt - gegenseitig den Bauch pinselten.

Dann jedoch war ein süffig inszenierter und trefflich gespielter Klassiker mit dezent gesetzten Verweisen auf die Gegenwart (Egeus als fusselbärtiger Eiferer) zu sehen. Lerchenberg schuf dazu auch noch eine eigene Übersetzung, mit englischen Einsprengseln "wegen der Sprachmelodie", wie das Programmheft erläutert, obwohl z. B. Frank Günther in den letzten Jahren eine ganz vorzügliche schuf. Nun, die Lerchenberg'sche wahrt den jambischen Rhythmus des Originals, kürzt die Verse zwar, macht den Reim-Schlagabtausch dafür schneller und pointierter. Und das bei Shakespeare immer auch vorhandene zotige Element eskamotiert Lerchenberg nicht weg, ohne dass es peinlich wird.

Es ist diese unsterbliche Komödie ja eine der Liebes-Irrungen und -Wirrungen, wie sie offenbar das Publikum aller Zeiten liebt. Übersetzer Günther hat in seinem schönen Shakespeare-Propädeutikum einen Kriterienkatalog fürs "elisabethanische Show-Biz" aufgestellt, von denen der "Sommernachtstraum" etliche erfüllt, so "Hexen- und Magierzaubereien", "Clownsszenen mit Zotenreißern" und "Slapstick-Klamotten". Bis sich die Paare der Ober- und Elfenwelt endlich finden bzw. versöhnen, ist viel Zauberei nötig.

Dabei sind das beileibe keine guten Geister, die da im Wald nahe Athen bzw. auf der ideal geeigneten Felsenbühne wesen oder besser unwesen. Es sind eher Dämonen, getrieben von Schadenfreude, Geilheit und realistischer Einschätzung des Liebeswahns, als ob sich das Freud'sche "Es" in mehreren Personen auf der Bühne materialisiert hätte. Es sind auch die stärksten Momente dieser Inszenierung, wenn zu dumpf wabernden elektronischen Rhythmen (ein Knabe singt kontrastierend Purcells "O, solitude") auf der fahl beleuchteten Bühne Puck (Michael Kargus) und sein Herr Oberon (in einer Doppelrolle auch als Theseus Rüdiger Joswig) maliziös grimassieren - unheimlich statt lustig!

Zettel ist ein Wunsiedler

Aber da sind ja noch die Handwerker, die als tölpelhafte Laien mit ihrem Spiel "Pyramus und Thisbe" die höfische Welt konterkarieren. Lerchenberg hat ihnen, passend zum 125. Geburtstag der Festspiele, Wunsiedler Identitäten verpasst mit wer weiß manchem verdeckten Hinweis auf den "Theaterdonner" zwischen Stadtrat und Intendant. So leitet Festspiel-Gründer Prof. Hacker seine Truppe, und Weber Zettel wird Apotheker Schmidt (sehr schön auch als Esel Paul Kaiser). Leider baute die Regie den Gag "Arno Schmidt" (Verfasser des Monumentalwerks "Zettel's Traum") nicht weiter aus. Norbert Neugirg, Leiter der "Altneihauser Feierwehrkapelln" dichtet wie in Veitshöchheim und figuriert als Wand: Slapstick überreich. Das ist dann doch des Guten bzw. Klamauk zuviel und ermüdet. Dennoch heimste insbesondere Michael Kargus für seinen Puck tosenden Beifall ein. Ist ja auch eine dankbare Rolle. Seine Kollegen spielten ebenbürtig. Die Theater-Reise ins Fichtelgebirge lohnt!