Bamberg
Orgelkonzert

Ein Orgel-Revolutionär kommt nach Bamberg

Wer Musik von der "Königin der Instrumente" immer noch und ausschließlich mit sakraler Würde assoziiert, der wird beim Konzert am Sonntag, 26. Mai, um 17 Uhr im Joseph-Keilberth-Saal die Ohren spitzen: Denn nicht umsonst hat Cameron Carpenter seinem Solo-Orgel-Album den Titel "Revolutionary" gegeben.
Artikel drucken Artikel einbetten
Cameron Carpenter Foto: Archiv
Cameron Carpenter Foto: Archiv
Das war 2009. Inzwischen tourt der 32-jährige Amerikaner, der in Berlin lebt, durch die ganze Welt. Er ist wohl der exzentrischste aller Organisten und auch der, der am meisten Kontroversen provoziert. Gleichzeitig lockt er ein neues, weit über die traditionellen Kreise hinausreichendes Publikum in die Konzertsäle. Man mag seine auf Show und Effekt ausgerichteten Auftritte verachten - aber waren die Virtuosen früherer Zeiten, man denke nur an Paganini oder Franz Liszt, nicht ebenfalls umschwärmte Stars? Carpenter, in Pennsylvania geboren, übte an einer (elektronischen) Hammondorgel im Laden seines Vaters, umgeben von Männern, die Nägel einschlugen und Blech klopften, wie er sagt. Das sei eine ungemein inspirierende Atmosphäre gewesen. Deshalb wohl mangelt es ihm auch an jedweder Ehrfurcht vor der klassischen Orgel-Literatur, obwohl er fünf Jahre an der Juilliard School in New York studierte.

Wenn er spielt, erzeugt er ganze Läufe mit den Füßen; seine Tanzausbildung kommt ihm da wohl zugute. Mozarts "Rondo alla turca" gerät ihm so zu einer alptraumartigen Zirkusversion, wie denn überhaupt Jahrmarkt und Zirkus ihn stark beeinflussen. Er hat Liszts Mephisto-Walzer bearbeitet und von Mahlers Fünfter Symphonie eine komplette Orgelversion eingespielt. Überrascht es da noch, dass er eine "Hommage an Klaus Kinski" im Repertoire hat?
Sein Auftritt erinnert an die Show-Einlagen von Rockmusikern zu der Zeit, als Hammondorgeln noch zum Standard-Instrumentarium gehörten. Keith Emerson etwa, ein versierter Musiker auch in klassischen Genres, stach mit einem Messer auf sein Instrument ein, besprang es und spielte Orgel und Klavier gleichzeitig.
Solche Mätzchen wird man bei aller Exzentrik von Cameron nicht erwarten dürfen, der dennoch schon manches Instrument in Grund und Boden gespielt hat. Er nimmt ja auch einen Personal Trainer mit auf Tour, um fit zu bleiben. Nebenher entwirft und trägt der Amerikaner auch noch grelle Mode; für ihn ist eben Show Business ein Business, echt amerikanisch. Ein Greuel für Konservative, aber sicher ein interessantes Konzerterlebnis.
Karten gibt es beim bvd, Tel. 0951/98082-20, E-Mail info@bvd-ticket.de, und an der Einlasskasse.