Kronach
Premiere

Der Widerspenstigen Zähmung in Kronach

Heidemarie Wellmann macht in Kronach mit ihrer Zähmung der Widerspenstigen (fast) alles richtig.
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Die Hauptdarsteller Petruchio (Hardy Kistner) und Katharina (Heidemarie Wellmann)  Foto: Matthias Hocht
Die Hauptdarsteller Petruchio (Hardy Kistner) und Katharina (Heidemarie Wellmann) Foto: Matthias Hocht
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Freilichttheater, zumal in kleinen Städten, muss massentauglich sein. Wenn es dann noch ohne Klamauk und einigermaßen werktreu geht: Zuschauerherz, was willst du mehr? Der in dieser Saison erstmals verantwortlichen künstlerischen Leiterin Heidemarie Wellmann ist mit ihrer Inszenierung von Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung" auf der Festung Rosenberg das Kunststück gelungen, eine Fassung herzustellen, zu spielen und spielen zu lassen, die einerseits Unterhaltungsbedürfnisse eines breiten Publikums befriedigt, andererseits Intelligenz und Geschmack nicht beleidigt.


Deutlicher Schnitt

Die vormaligen Faust- heißen jetzt ja auch Rosenberg-Festspiele, um den Schnitt nach dem Abgang des früheren Intendanten Daniel Leistner deutlich zu machen. Wellmann, Rosenberg-Veteranin, hat die Zügel energisch in die Hand genommen, (behutsam) modernisiert und so die Festspiele mit Sicherheit auf einen guten Kurs gebracht. Als Leiterin, Regisseurin, Schauspielerin und, vor allem, als Übersetzerin und Textbearbeiterin dieser frühen Shakespeare'schen Komödie verzichtet sie auf Kinkerlitzchen und aufdringliche Modernisierungen und vertraut beherzt dem Text.

Es steckt ja, man glaubt es kaum, in dem Drama um die Domestizierung eines Weibsteufels einige Brisanz. Man glaubt es auch deshalb kaum, weil Cole Porters Musical-Fassung "Kiss Me, Kate" von 1948 so rührend harmlos anmutet. Doch Shakespeares Komödie ließe sich mühelos aufgendern, diverse Lesarten des wohl zeitlosen Geschlechterkampfs wären denkbar, Anspielungen sonder Zahl. Dabei ist die "Moral" des Dramas, noch so lautem feministischem Wehklagen zum Trotz, nun einmal das Zurückstauchen einer aufmüpfigen Frau in das ihr von der patriarchalen Gesellschaft der elisabethanischen Zeit vorgegebene Rollenmodell.

Antiquiert, aber wie das geschieht, ist auf der Kronacher Festung durchaus sehenswert. Geschwind, doch ohne Hektik spult sich das Geschehen ab, einige wenige Requisiten genügen, die zwei Zugänge nutzt die Regisseurin geschickt alternierend. Die Ausstattung (Elke Daum-Heinisch, Otto Heinisch) signalisiert Zeitkolorit, die Version Wellmanns macht den Text verständlich, wobei einige Shakespeare'sche Wortspielereien auf der Strecke bleiben. Hat man den berühmten Satz vom Heiraten und Hängen überhört? Auf das Vorspiel, ein elisabethanisches Unterschichten-Bashing, wird verzichtet, wie so gut wie immer heute. Die Handlung ist transparent, obwohl das Verkleidungstohuwabohu nicht immer sofort zu entwirren ist. Wer ist nun Hortensio, wer Lucentio, wer Gremio und Grumio?

Vielleicht gar nicht so wichtig. Das Stück lebt von den Schauspielern, und es macht Spaß, ihnen beim fröhlichen Durcheinander zuzusehen. Wellmann ist die Rolle der kratzbürstigen Katharina sozusagen auf den Leib geschrieben, und sie füllt sie auch lustvoll aus. Ihr Widerpart Petruchio (Hardy Kistner) agiert bärbeißig körperlich, gerarddepardieuhaft grobianisch, ein Mannsbild, das der Widerspenstigen gewachsen ist. Hortensio (Andreas Gräbe), Lucentio (Sebastian Smulders), Gremio (Marlon Putzke) spielen frisch und frei auf. Besonders auch die Routiniers Wolfgang Scheiner als Baptista und Daniela Ilian als Witwe überzeugen. Ida Engelhardt als Bianca gibt ihr Bestes und schafft auch die Darstellung der scheinheiligen Schlange, aber ihre Kollegen können mit den Pfunden solider Ausbildung und Erfahrung wuchern. Als Katharina im berühmten Schlussmonolog ihre Unterwerfung lobt, fragt man sich: Ist das nun Ironie oder nicht? Selbst die Ehemänner im Publikum wagten nur ganz verhalten zu mucken. Eine runde Sache also, diese Premiere, nur: Die Tanzeinlage ganz zum Schluss, diese Reminiszenz an vergangene Tage, die hätte es nicht gebraucht.

Termine und Karten

Weitere Vorstellungen 1., 2., 8., 9., 21., 22., 28., 29., 30. Juli, 5., 13. August

Karten Tel. 09261/97236, im Netz unter rosenbergfestival.com und an vielen Vorverkaufsstellen. Im Netz auch viele weitere Informationen.

Dauer ca. zwei Stunden, keine Pause