Es war ein ganz normaler Auftritt und dann doch wieder nicht. Sichtlich jede Sentimentalität vermeidend, absolvierten die drei Well-Brüder und ihr Partner Gerhard Polt am Dienstagabend ihr vorletztes Konzert in dieser Konstellation. Doch selbstverständlich war es kein normales Konzert. Und auch wenn tosender Beifall in Biermösl-Konzerten in 35 Jahren Bühnen-Historie der Normalfall war - Standing Ovations im Fürther Stadttheater, das für die Abschiedskonzerte seit Monaten ausverkauft war, vier erklatschte Zugaben: Das sprengte dann doch den Rahmen des Üblichen. Und so kamen sie noch einmal auf die Bühne des Stadttheaters, all die Figuren und bajuwarischen Zustände: der Bürgermeister, Mitglied der Marianischen Kongregation, der um einen Investor auf der Wiese seiner Gattin betet, der sich im Hinterteil seines Ministerpräsidenten windende fränkische Aufsteiger, die "Snowkanonen" in "Bavaria", der "Mia-san-mia"-Populismus, die Doppelgaragen, die Feuerwehrhäuser, der Pfarrer mit der übergroßen Satellitenschüssel für die unbefleckte Empfängnis. Diese Dialekt-Gesänge sind gepaart mit erstaunlichen musikalischen Fertigkeiten, die insbesondere des Trios Benjamin Christoph kultiviert.
Und der kongeniale Partner Gerhard Polt. Fast 70 Jahre alt ist der knorrige Mann mittlerweile, der auch seit Jahrzehnten mit der Biermösl Blosn auftritt, zunächst nur böse Soli einstreuend, dann einfachste Instrumente bedienend, zuletzt wie auch an diesem Abend Schauspiel-Einlagen fabrizierend.
Das hätte endlos so weitergehen können, an diesem Abend und überhaupt. Allein, offenbar hatten es die Drei von der Biermösl Blosn satt. Der Älteste wollte neue satirische Wege gehen, die jüngeren Brüder wollten ihm nicht folgen. Die Zeiten haben sich ja geändert. Die CSU ist ein Papiertiger geworden, einstige Rebellen sind heute braves angegrautes Theaterpublikum. Neue Lieder gibt es kaum, die alten tragen die mittlerweile Mittfünfziger mit der Routine alter Bühnenhasen vor. Auch ein Polt bleibt seinem Spießer-Kosmos verhaftet, der heute angesichts ganz anderer Sozialcharaktere fast liebenswert anmutet.
Also ist der Trennungs-Entschluss richtig, muss man schweren Herzens zugeben. Die Wells sind ja nicht aus der Welt, und Polt ist es schon gar nicht. Dennoch wischt man sich ein verstohlenes Tränchen aus den Augenwinkeln. Es war eine schöne Zeit mit euch!

Mehr dazu lesen Sie in unserer Donnerstagsausgabe.