Seit 15 Jahren werden hinter den Mauern der Burg zu Burghausen Schauspieler und Regisseure ausgebildet. "Athanor" nannte Gründer David Esrig seine private Fachakademie mit staatlicher Anerkennung - ein Name der aus dem Aramäischen stammt und einen Ofen bezeichnet, mit dem die Alchemisten im Mittelalter auf wundersame Weise Gold schmieden wollten. Akademiedirektor Esrig will Talente schmieden - und das ganz anders als es andere Schauspielschulen tun.

Viel Arbeit mit dem Körper


"Mehr Unterrichtsfächer, mehr öffentliche Auftritte und ein anderes Schauspielkonzept machen diese Akademie besonders", fasst der 75-Jährige zusammen. Das Fundament der Ausbildung zum modernen Theater sei die besondere Gewichtung der Arbeit mit dem Körper, die sich etwa auf die Schulen der Commedia dell'Arte, der Pantomime oder der Clownerie berufe. "Der körperliche Ausdruck darf neben der Sprache nicht zu kurz kommen", sagt Esrig.
Vier Jahrgänge mit je fünf bis zwölf jungen Leuten tummeln sich auf der Burg. Der Tagesablauf ist straff durchorganisiert. "Meist haben wir von halb neun morgens bis neun Uhr abends Unterricht mit zwei Stunden Mittagspause", sagt Schauspielschüler Bernhard Schnepf. Auf dem Stundenplan stehen Fächer wie Bühnenkampf, Tanz, Musik, Sprechtraining oder Schwimmen - aber auch Vorlesungen in Kunst-, Film- und Musikgeschichte.
Dazu kommen zahlreiche öffentliche Aufführungen der Schule: Absolventen haben nach der vierjährigen Ausbildung zwischen 40 und 80 gespielte Abende hinter sich. "Unsere Absolventen sollen sicher auf der Bühne und vor der Kamera, aber auch körperlich und geistig fit sein", sagt Esrig.

Von Burghausen ins Rampenlicht


"Athanor"-Schüler Schnepf ist im zweiten Jahr. Die Schauspielerei bedeute natürlich viel Arbeit für wenig Geld, sagt der 26-Jährige. Aber die Chance, in der Welt herumzukommen und mit unterschiedlichen Leuten zu arbeiten, wiege das auf. "Und natürlich der Moment, wenn man im Rampenlicht steht", fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu.
Einer, der es von der Burghausener Burg ins Rampenlicht geschafft hat, ist der 1971 geborene Schauspieler Manuel Harder. Er kam im Gründungsjahr aus Berlin zur Ausbildung nach Burghausen. Der Weg von der Metropole auf die Burg habe sich voll ausgezahlt, meint er rückblickend. "Auf der Burg lernt man konzentrierter, weniger abgelenkt und beeinflusst von Trends als an den Schulen in der Stadt."
Die Akademie habe ihm das Handwerkszeug für seine Publikumserfolge an die Hand gegeben: Methodisches Arbeiten, einen Blick über den Horizont national geläufiger Techniken hinaus und die permanente eigene Weiterentwicklung. Heute spielt Harder nach Engagements unter anderen am Salzburger Landestheater am Zentraltheater in Leipzig.
Über die Schule auf der Burg direkt ins Rampenlicht wollen jedes Jahr bis zu 80 Bewerber. Wer es durch die Vorauswahl schafft, wird zu einem zweitägigen Workshop eingeladen. "Wir wollen keine anonymen Aufnahmeprüfungen, die einer militärischen Musterung gleichen", meint der Akademiedirektor. Sensibilität und Gespür für Emotionen sind für ihn die Voraussetzung für einen guten Schauspieler. Und gerade die feinfühligen "Rohdiamanten" fielen durch das Raster gewöhnlicher Massen-Vorsprechen.

Bewerbung in kleinen Gruppen


"Athanor"-Bewerber stellen ihr Talent derzeit bis Februar 2011 in kleinen Gruppen von drei bis sechs Leuten verteilt auf mehrere Wochenenden unter Beweis. Esrig führt kurze Gespräche mit den Anwärtern, lässt sich und der Dozenten-Jury einige Rollen vorspielen und macht Verbesserungsvorschläge, die bis zum zweiten Tag erarbeitet und umgesetzt werden sollen.
Er wolle vor allem sehen, wie schnell und gut sich die jungen Menschen entwickeln, sagt der Direktor. Zu oft habe er schon verblüffende Fortschritte erlebt, als dass er Bewerber innerhalb weniger Minuten beurteilen wolle. Trotz der freundlichen, familiären Atmosphäre bei der Aufnahmeprüfung ist die Jury nicht weniger streng: Nur fünf bis zwölf Bewerber schaffen es tatsächlich pro Jahr auf die Schule.

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