So wie man nicht zweimal in denselben Fluss steigt, gibt es genau genommen keine wirklich "zeitlose" Musik, sicher aber Zeitübergreifendes und Musiker, die diese Qualität vorbildlich verkörpern. Larry Coryell gehört zu jenen Ausnahmeerscheinungen, dessen Stern in den 1960er und 70er Jahren nicht nur für kurze Zeit leuchtete. Er zählte mit der Band "Free Spirits" zur Speerspitze des Jazz-Rock, als es dieses Genre noch gar nicht gab, stieß mit Jazz-Fusion in neue Dimensionen vor und feierte noch in den 1980er Jahren Erfolge, als der Brückenschlag zwischen Jazz und Klassik Konzertsäle füllte.
Am Wochenende kehrte der aus Texas stammende Maestro, der mit einer Legion an Berühmtheiten zusammengespielt hat, nach Bamberg zurück - vor zehn Jahren war er bereits Jubiläums-Stargast. Diesmal begleitete ihn mit Jermaine Landsberger und Guido May (Schlagzeug) eine jüngere Generation.

Der versierte Gitarrenmeister und die zwei ebenso kraftvoll wie locker agierenden Vollblut-Jazzer verbündeten sich mit dem Hammond-Groove. In diesem Arrangement war weniger Larry Coryell als vielmehr Jermaine Landsberger, der mit seinem Instrument den Raum füllte, der Star. Was er an Seele hineinlegte, knüpfte souverän an die immer noch populäre Hochphase des Hammond-Sounds an. Wobei die Band im Rückgriff auf Jazz-Klassiker ein breites Spektrum an Stilen auffächerte: von der pianissimo vorgetragenen Ballade "In a sentimental mood" über John Coltranes Spiritualität bis zur irrwitzigen Dynamik des Organisten Jimmy Smith. In all diesen Momenten orientierte sich die Musik aber letztlich am fetten Klang der Hammond, an den rhythmischen Attacken und den charakteristischen Schnalzgeräuschen. Wunderbar, wenn sich die Gitarrenläufe mit dem melodiösen Spiel mischten und beide Instrumente zu einer Einheit verschmolzen.
In den Sets steigerte sich das anfänglich sehr verhaltene Trio und nach Aufwärmübungen entfachte es jeweils gegen Ende ein Feuerwerk. Larry Coryells Solo-Improvisation auf den "Bolero" offenbarte die großartigen Fähigkeiten des Weltstars, der mit seiner Virtuosität die Zuhörer noch immer in Erstaunen versetzen kann - einer Virtuosität, die hier ganz im Dienst von Melodie, Rhythmus und Variation stand. Das Können ist diesem Mann so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, dass er auch mit über 70 Jahren noch souverän das Handwerk beherrscht und zeigt, was Gitarrenkunst ist. Musikalisch war es kein Abend der Innovationen, sondern eher eine Reverenz an das Erbe. Wenn so ein großes Erbe verwaltet wird, lässt es sich gut damit leben.