Wenigstens ein Hauch von Glamour wehte am Mittwochabend vor dem E.T.A.-Hoffmann-Theater, als vor dem Haupteingang der rote Teppich ausgerollt wurde und Hunderte von filmaffinen Menschen darüber ins Foyer schritten. Für die Filmprovinz Bamberg ein eher ungewöhnliches Ereignis, doch für engagierte Kinobetreiber ein sehr wichtiges: Ging es doch um die Verteilung von Fördergeldern, auf die kleine Filmtheater mit anspruchsvollem Programm dringend angewiesen sind.

Und warum gerade Bamberg? Weil hier Gerrit Zachrich und Diana Linz im "Lichtspiel" und "Odeon" ein Programm veranstalten, das sich vor dem Filmangebot einer Großstadt nicht zu verstecken braucht. Und weil sie dafür im vergangenen Jahr vom Staatsminister für Kultur und Medien Bernd Neumann (CDU) fürs beste Kinoprogramm Deutschlands ausgezeichnet worden sind. Viel Ehre, aber hoch willkommen dürfte auch das Preisgeld gewesen sein. Als Preisträger des vergangenen Jahres durften die beiden dann auch die diesjährige Verleihungs-Zeremonie ausrichten. So hat es sich eingebürgert.

Sie haben es hoch professionell und sympathisch gemacht. Die "Vergabe der Kinoprogrammpreise und Verleiherpreise 2012", so war die Veranstaltung offiziell benamst, lief reibungslos wie ein gut geölter Projektor, sympathisch mit fränkischem Understatement: Dafür sorgte z. B. Moderatorin Mia Pittroff, dafür sorgte die Leipziger "Boyband" LU:V mit dem Live-Soundtrack zum Defa-Animationsfilm "Der Löwe Balthasar".

Teure Digitalisierung


Gut geölter Projektor: Dieses Utensil wird bald nur noch im Museum zu besichtigen sein. Denn Digitalisierung ist ein Thema, das die ganze Branche und die Betreiber kleiner Kinos ganz besonders bewegt. Filme kommen nicht mehr auf Rollen, sondern als Festplatten. Die Umrüstung kostet ab 70.000 Euro. Schwer bzw. nicht zu schultern für die Programmkinos. Doch Staatsminister Bernd Neumann brachte frohe Botschaften mit. "Das künstlerisch wertvolle Kino soll geschützt und gestärkt werden", verkündete er programmatisch.

Derlei ist leicht gesagt, aber 20 Millionen Euro aus dem "Förderprogramm Digitalisierung" sind schon ein bisschen mehr als ein Pappenstiel. Und auch die Verleiher sollen an den Kosten für die digitale Umrüstung beteiligt werden, wenn sie sich auch noch sträuben. Dazu ist eine viermonatige Sperrfrist für Videoauswertung angestrebt, verkündete Neumann und heischte viel Beifall.

Dann ging es ans Beregnen der finanziell ausgetrockneten Programmkino-Landschaft. 1,5 Millionen Euro werden in diesem Jahr aus Bundesmitteln verteilt; 335 Preise an 204 Filmtheater. Dazu drei Preise für Filmverleihe, die vor dem anspruchsvollen und deshalb naturgemäß weniger Zuschauer lockenden Film nicht zurückschrecken.

In vier Kategorien waren die Kinoprogrampreise aufgeteilt: fürs allgemeine Programm, für den Kinder- und Jugendfilm, für Kurzfilme und für Dokumentarfilme. Glücklicher Gewinner des Hauptpreises für das beste Jahresfilmprogramm war das Karlsruher Kino Schauburg. Dessen Betreiber erhielt von den Vorjahressiegern symbolisch eine deformierte Filmrolle. Ob es bald eine deformierte Festplatte sein wird?

Die Ausgezeichneten im Einzelnen:

Verleihe
Je 75.000 Euro erhalten NFP marketing & distribution ("Pina"), Pandora Filmverleih ("Halt auf freier Strecke") und Piffl Medien ("Barbara")

Sonderpreise Je 10.000 Euro erhalten für das beste Kurzfilmprogramm das Kino Arsenal in Tübingen, für das beste Dokumentarfilmprogramm wurden die Erlanger Manhattan-Kinos ausgezeichnet, 10.000 Euro fürs beste Kinder- und Jugendfilmprogramm erhält das Thalia-Programmkino in Potsdam.

Hauptpreis 20.000 Euro fürs beste Jahresfilmprogramm erhält das Kino Schauburg in Karlsruhe.

Allgemein 130 Filmtheater erhalten 5000 oder 10.000 Euro fürs Jahresfilmprogramm; dazu kommen Sonderpreise von 2500 bis 10.000 Euro für Kinder- und Jugend-, Dokumentarfilm- und Kurzfilmprogramm.

Lichtspiel/Odeon Beispielhaft seien die Bamberger Programmkinos genannt: Lichtspiel 10.000 Euro allgemein, 5000 Euro Kurzfilm, 5000 Euro Dokumentarfilm. Odeon 5000 Euro allgemein, 2500 Euro Kinder-/Jugendfilm

Siehe auch www.lichtspielkino.de, www.bundesregierung.de