Laden...
Bamberg
Gesundheit

Krebs: Diese Vorsorge ist sinnvoll und wird von der Kasse bezahlt

Die Überlebensraten nach Krebserkrankungen in Deutschland gehören zu den höchsten in Europa. Daran hat die Vorsorge einen erheblichen Anteil. Zum Weltkrebstag eine Liste mit den wichtigsten Früherkennungsmaßnahmen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Alle zwei Jahre steht gesetzlich Versicherten ein Hautkrebs-Screening zu. Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Alle zwei Jahre steht gesetzlich Versicherten ein Hautkrebs-Screening zu. Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Krebs ist nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Zu den häufigsten Krebsarten bei Frauen zählen Brustkrebs, Darmkrebs und Lungenkrebs, Männer sind am meisten von Prostatakrebs, Darmkrebs und Lungenkrebs betroffen. Die Anzahl der Krebserkrankungen auf der Welt wird sich nach Einschätzung des Chefs des Deutschen Krebsforschungszentrums, Michael Baumann, in den kommenden 20 Jahren fast verdoppeln. Gründe seien die wachsende und älter werdende Weltbevölkerung, aber auch "Lebensstilfaktoren", sagte Baumann am Montag in Berlin.

Seit 1990 steigen die Heilungschancen

Für Deutschland erwarte man einen Anstieg der jährlichen Neuerkrankungen von derzeit 500 000 auf 600 000 Fälle. Die gute Nachricht: Seit 1990 steigen die Heilungschancen. Die Überlebensraten in Deutschland gehören zu den höchsten in Europa. Zum Weltkrebstag an diesem Dienstag rief Baumann die Menschen zu einer gesundheitsbewussteren Lebensweise auf. "Nach heutigem Wissensstand könnte man, wenn man alles das einhält, was wir derzeit wissen, tatsächlich 40 Prozent der Krebserkrankungen durch primäre Prävention verhindern."

Baumann nannte Dinge, die zwar viele Menschen wüssten, die aber trotzdem nicht besonders gut umgesetzt würden: nicht Rauchen, kein Übergewicht, körperliche Aktivität, gesunde Ernährung, wenig oder kein Alkohol und "alle Impfungen und Vorsichtsmaßnahmen wahrnehmen, die gegen Krebserkrankungen empfohlen werden".

Vorsorge: Risiken und Chancen

Die Bundesregierung hatte vor einem Jahr die "Nationale Dekade gegen Krebs" ins Leben gerufen, um die Krebsforschung besser zu vernetzen. Mit bis zu 62 Millionen Euro werden Studien gefördert, die die Praxis in der Prävention, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen entscheidend verbessern sollen. Je früher eine Krebskrankheit entdeckt wird, desto größer sind die Heilungschancen. Gleichwohl kann die Vorsorge auch Risiken haben. Deshalb ist es sinnvoll, für jedes Verfahren die Vorteile den Nachteilen gegenüberzustellen und gegeneinander abzuwägen. Die Deutsche Krebshilfe hat für die gesetzlich bezahlten Krebsvorsorge-Untersuchungen die Nutzen und Risiken aufgelistet:

Frauen ab 20 und 35 Jahren

Die Krankenkassen bezahlen jährlich für Frauen ab 20 eine Untersuchung des äußeren und inneren Genitals und eine Abstrich-Untersuchung von Gebärmuttermund und Gebärmutterhals (PAP-Test). Als Zusatzleistung (IgeL, muss privat bezahlt werden) gibt es die so genannte "Dünnschicht-Testung". Neu seit Januar 2020 ist das Screening auf Gebärmutterhalskrebs für Frauen. ab 35 Jahren: alle drei Jahre ein Test auf humane Papillomviren (HPV).

Empfehlung der Deutschen Krebshilfe: Der PAP-Test ist eine sinnvolle Maßnahme zur Vermeidung bzw. Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs. Die "Dünnschicht-Testung" wird von Experten als gleichwertig eingestuft.

Gebärmutterhalskrebs entsteht fast immer durch eine Infektion mit Humanen Papillom-Viren (HPV). Es wird eine Impfung für Mädchen und Jungen im Alter von neun bis 14 Jahren empfohlen. Die Impfung wird von den Krankenkassen bezahlt.

Frauen ab 30 Jahren

Einmal jährlich Abtastung der Brüste und der Achselhöhlen, Anleitung zur Brustselbstuntersuchung. Bei Patienten mit erblichem Brustkrebs übernehmen die Kassen frühere und engmaschigere Untersuchungen.

Empfehlung der Deutschen Krebshilfe: Die Tastuntersuchung durch den Arzt ist wichtig, weil sie bei Beschwerden in der Brust oder bei Verdacht auf Brustkrebs dazu führt, dass weiterführende Untersuchungen veranlasst werden. Als alleinige Maßnahme zur Brustkrebsfrüherkennung reicht die ärztliche Tastuntersuchung der Brust für Frauen ab 30 Jahren nicht aus.

Frauen und Männer ab 35 Jahren

Alle zwei Jahre Teilnahme am Hautkrebs-Screening. Dabei handelt es sich um eine standardisierte Untersuchung der gesamten Körperoberfläche zur Früherkennung von schwarzem und weißem Hautkrebs. Obwohl diese Untersuchung von den Krankenkassen bezahlt wird, rechnen einige Ärzte nicht direkt mit der Kasse ab und die Patienten müssen bezahlen. Deshalb: vorher nachfragen!

Empfehlung der Deutschen Krebshilfe: Das Hautkrebs-Screening ist eine sinnvolle Maßnahme zur Früherkennung von Hautkrebs. Die möglichen Beeinträchtigungen durch eine Überdiagnostik beim Hautkrebs-Screening werden gegenüber den Vorteilen einer Früherkennung als gering eingeschätzt.

Männer ab 45 Jahren

Zur Früherkennung von Prostatakrebs wird eine digital-rektale Tastuntersuchung angeboten. Möglich ist auch ein so genannter PSA-Test (wird nicht von den Kassen bezahlt).

Empfehlung der Deutschen Krebshilfe: Patienten sollten sich umfassend über die Vor- und Nachteile der Prostatakrebsfrüherkennung informieren und im Gespräch mit ihrem Arzt selbst entscheiden, ob sie einen PSA-Test durchführen lassen möchten. Ein erhöhter PSA-Wert weist darauf hin, dass der Patient zu einer Risikogruppe gehört, er kann aber auch ein Zeichen für andere, gutartige Erkrankungen sein.

Die digital-rektale Tastuntersuchung ist als alleinige Früherkennung nicht in der Lage, die Zahl tumorbedingter Todesfälle zu reduzieren. Zum Nutzen dieser Früherkennungsmethode liegen aufgrund fehlender Studien nur unzureichende Daten vor.

Alle von 50 bis 54 Jahren

Zur Darmkrebsvorsorge einmal jährlich ein immunologischer Test auf verborgenes Blut im Stuhl.

Empfehlung der Deutschen Krebshilfe: Dieser Test ist eine sinnvolle Maßnahme, um Darmkrebs früher zu erkennen. Die möglichen Nachteile beim Stuhlbluttest schätzt die Deutsche Krebshilfe gegenüber den Vorteilen einer Früherkennung als gering ein.

Frauen ab 50 bis 69 Jahren

Alle zwei Jahre Anspruch auf die Teilnahme am qualitätsgesicherten Mammographie-Screening.

Empfehlung der Deutschen Krebshilfe: Das Screening ist eine sinnvolle Maßnahme. Den Vorteilen dieser Krebsfrüherkennung stehen Nachteile und Risiken gegenüber, die am besten im Gespräch mit dem Arzt geklärt werden.

Männer ab 50 und Frauen ab 55 Jahren

Zwei Darmspiegelungen (Koloskopie) im Abstand von zehn Jahre (Männer ab 50 Jahren, Frauen ab 55). Bei Patienten mit erblichem Darmkrebs übernehmen die Kassen frühere Untersuchungen.

Empfehlung der Deutschen Krebshilfe: Eine sinnvolle Maßnahme zur Darmkrebs-Früherkennung. Die möglichen Risiken seien gering. Andere Testverfahren (genetische Stuhltests, Kapselendoskopie) werden als individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) angeboten. Die Datenlage dazu sei unzureichend, weshalb die Krebshilfe diese Untersuchungen nicht empfiehlt.

Hier können Sie sich beraten lassen

Telefonisch Die Deutsche Krebshilfe bietet mit dem "Infonetz Krebs" eine kostenlose Beratung von Montag bis Freitag zwischen 8 und 17 Uhr unter Tel. 0800/80708877 an. Täglich von 8 bis 20 Uhr kann man sich auch an den Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums unter Tel. 0800/4203040 wenden. Unter www.krebshilfe.de und www.krebsinformationsdienst.de gibt es Infos zu Vorsorge und Therapien und kann man Broschüren bestellen.

IGeL Im Rahmen der Krebsvorsorge werden "individuelle Gesundheitsleistungen" (IGeL) angeboten. Diese müssen die Patienten selbst bezahlen. Infos über Kosten, Nutzen und Risiken gibt es beim IGeL-Monitor unter www.igel-monitor.de.