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Krankenkassen

Krankenkasse: Ein Wechsel kann bares Geld sparen

Zum 1. Januar wurde der Beitragssatz auf 14,6 Prozent gesenkt. Viele Kassen halten aber am Zusatzbeitrag fest. Versicherte können durch einen Wechsel viel Geld sparen. Wir erklären, wie der Wechsel funktioniert.
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Seit 1. Januar spielt die Wahl der Krankenkasse wieder eine Rolle: Manche verlangen einen Zusatzbeitrag, andere nicht. Doch gleich, wo man versichert ist: die Gesundheitskarte mit Foto ist Pflicht. Foto: Harald Tittel/dpa
Seit 1. Januar spielt die Wahl der Krankenkasse wieder eine Rolle: Manche verlangen einen Zusatzbeitrag, andere nicht. Doch gleich, wo man versichert ist: die Gesundheitskarte mit Foto ist Pflicht. Foto: Harald Tittel/dpa
Gespräche unter gesetzlich Versicherten laufen zurzeit ungefähr so ab: "Meine Krankenkasse hat den Beitrag gesenkt und ich bekomme sogar noch eine Gesundheitsprämie von 120 Euro", sagt der eine. Dem anderen platzt der Kragen: "Was? Meine Kasse hat mir mitgeteilt, der Beitrag bleibe stabil und jubelt mir subtil einen Zusatzbeitrag unter. Um den richtig zu interpretieren, muss man aber zwischen den Zeilen lesen." Was ist passiert?
Bis 2009 verlangten die Krankenkassen individuelle Beiträge zwischen gut elf und über 16 Prozent. Versicherte konnten also mit der Wahl der entsprechenden Kasse viel Geld sparen. Das änderte sich mit der Einführung des Einheitsbeitrages von 15,5 Prozent - bei gleichem Geld konnten die Kassen ihre Kunden nur noch mit individuellen Leistungen wie Zahnreinigung oder Homöopathie locken.

Jetzt werden die Karten noch einmal neu gemischt: Zum 1. Januar durften alle Kassen den alten Einheitsbeitrag an den zum Jahreswechsel eingeführten anpassen und ihren Satz von 15,5 auf 14,6 Prozent senken. Die 14,6 Prozent tragen wie bisher zu gleichen Teilen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Der Sonderbeitrag von 0,9 Prozent jedoch, den Versicherte allein zahlen mussten, entfällt seit 1. Januar. Theoretisch.

Zusatzbeitrag muss nicht sein

Praktisch darf jede gesetzliche Krankenkasse über den einheitlichen Satz hinaus einen Zusatzbeitrag in unbegrenzter Höhe erheben. Über diesen Beitrag entscheidet die Kasse auf Basis ihrer Finanzlage selbst. Der Zusatzbeitrag kann wie gehabt 0,9 Prozent ausmachen, weniger, mehr - oder null. Wie auch immer: Alles, was über 14,6 Prozent hinausgeht, muss der Versicherte via Abzug vom Einkommen allein zahlen.

Das liest sich dann in entsprechenden Schreiben, mit denen einige Kassen in den vergangenen Wochen ihre Versicherten über die Änderungen informieren, etwa so: "(...) Er setzt sich zusammen aus dem allgemeinen Beitragssatz in Höhe von 14,6 Prozent und dem durchschnittlichen zusätzlichen Beitragssatz von 0,9 Prozent." Hier ist also die volle Aufmerksamkeit der Versicherten gefordert, die im Falle einer Erhöhung durchaus reagieren können: Durch einen Wechsel der Kasse.

Deutliche Ersparnis

Dabei sprängen einige hundert Euro Ersparnis im Jahr heraus, wie die Stiftung Warentest im Januar-Heft von Finanztest vorrechnet. Für einen entsprechenden Test meldeten die Kassen für 2015 Beitragssätze von 14,6 (BKK Euregio und Metzinger BKK) bis 15,5 Prozent (20 Kassen, darunter DAK, Energie BKK). Bei einem Gutverdiener mit 4125 Euro Monatsbrutto ergibt das Finanztest zufolge einen Unterschied von 37 Euro im Monat (446 Euro im Jahr), bei einem Gehalt von 2000 Euro immerhin 18 Euro monatlich (216 Euro im Jahr) - wenn der Versicherte von einer Kasse mit 15,5 Prozent zu einer mit 14,6 Prozent Beitrag wechselt.

Wie Finanztest weiter berichtet, senken mindestens 38 der 131 Krankenkassen in Deutschland ihren Beitrag. Dass sie teurer wird, habe bisher noch keine Versicherung gesagt, viele hätten aber auch gar keine Auskunft über ihre neuen Sätze gegeben. Kein Wunder: Wer höhere Beiträge verlangt, muss davon ausgehen, Mitglieder zu verlieren - zumal in diesem Fall die Kassen schriftlich über günstigere Kassen informieren müssen.

Finanztest geht deshalb davon aus, dass viele Kassen ihre Beiträge zwar senken, im Gegenzug aber Extraleistungen kappen. Als Beispiele werden die BKK Mobil Oil und die Techniker Krankenkasse genannt: Erstere kürze ihre Barprämie für drei Gesundheitsmaßnahmen, zweitere den Zuschuss zur Osteopathie.

Leistungen zu 95 Prozent gleich

So ändern sich ähnlich der Zeit vor 2009 die Parameter für die Wahl einer Krankenkasse erneut: Außer dem Beitragssatz spielen auch die über das gesetzliche Maß hinausreichenden Extraleistungen eine Rolle. Laut Finanztest sind jedoch etwa 95 Prozent der Leistungen bei allen Kassen gleich. Die Kosten für Physiotherapie zum Beispiel werden immer übernommen.


So funktioniert der Wechsel

Jederzeit ist ein Kassenwechsel möglich, wenn der Versicherte dort 18 Monate lang Mitglied war.

Sonderfall Erhebt eine Krankenkasse erstmals einen Zusatzbeitrag oder erhöht diesen, haben Versicherte ein Sonderkündigungsrecht bis zum Ende des Monats, in dem der Beitrag erstmals erhoben oder erhöht wird.

Informationspflicht Die Kassen müssen ihre Versicherten spätestens im Vormonat vor erstmaliger Fälligkeit auf das Sonderkündigungsrecht aufmerksam machen. Übersteigt der Zusatzbeitrag den Satz von 0,9 Prozent, muss die Kasse darauf hinweisen, dass der Versicherte in eine günstigere Krankenkasse wechseln kann.

Musterbrief Weitere Infos zum Kassenwechsel und ein Musterschreiben gibt es bei der Verbraucherzentrale Bayern.