Valletta
Flüchtlinge

Kommentar: Verurteilung des Seenotretters ist ein falsches Signal!

Kapitän Claus-Peter Reisch rettet Menschen aus dem Mittelmeer, weswegen er nun zu einer Geldstrafe verurteilt worden ist. Diese Urteil ist fatal. Denn es verzerrt die Frage nach den wahren Schuldigen. Ein Kommentar.
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Das deutsche Seenotrettungsschiff «Lifeline» liegt weiter im Hafen von Malta: Ihr deutscher Kapitän ist nun zu einer Geldstrafe verurteilt worden.  Foto: Annette Schneider-Solis/ZB/dpa
Das deutsche Seenotrettungsschiff «Lifeline» liegt weiter im Hafen von Malta: Ihr deutscher Kapitän ist nun zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Foto: Annette Schneider-Solis/ZB/dpa

Die gute Nachricht zuerst: Claus-Peter Reisch muss nicht ins Gefängnis. Dennoch ist er am Dienstag in Malta zu einer Geldstrafe verurteilt worden - weil sein Rettungsschiff "Lifeline" damals nicht ordnungsgemäß registriert worden sei. Ein Formfehler, wenn überhaupt. Dass er die 10 000 Euro an Flüchtlingshilfeorganisationen zahlen soll, wirkt absurd, wenn man bedenkt, dass er selbst für eine solche in See stach und auf seinem Schiff mehr als 230 Migranten aus dem Mittelmeer rettete. Die NGO "Mission Lifeline" will in Berufung gehen. Das ist absolut verständlich.

Das ist passiert: "Lifeline"-Kapitän auf Malta zu Geldstrafe verurteilt

Eine Reihe von Menschen haben in dieser Debatte Schuld auf sich geladen. Reisch und seine Leute gehören nicht dazu. 494 Migranten sind heuer bereits im Mittelmeer ertrunken. Nachhaltige Entwicklungshilfe, Abrüstung, Abkehr vom Turbokapitalismus: Statt Seenotretter zu kriminalisieren, sollte die EU unwillige Staatenlenker endlich auf gemeinsamen, humanitären Kurs bringen. Fliehende setzen sich nicht zum Vergnügen in schrottreife Schlauchboote - wer keine Perspektive sieht, wird sein Leben weiterhin aufs Spiel setzen.