Kulmbach
Wahlkampf

Karl-Theodor zu Guttenberg spricht in Kulmbach Klartext ohne Klarheit

Der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg betätigt sich ab sofort als Wahlhelfer für die CSU.
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Karl-Theodor zu Guttenberg bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach sechs Jahren in der Kulmbacher Stadthalle.  Foto: Hoppe/dpa
Karl-Theodor zu Guttenberg bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach sechs Jahren in der Kulmbacher Stadthalle. Foto: Hoppe/dpa
Kehrt er in die Politik zurück? Oder lässt er doch die Finger davon? Für die rund 1500 Zuhörer, zumeist Anhänger Gutenbergs, die in und vor die Kulmbacher Stadthalle gekommen waren, war das die eigentliche, die zentrale Frage. Wer mit einer Antwort gerechnet hatte, sah sich gestern einmal mehr enttäuscht. Der Freiherr äußerte sich nicht zu seiner politischen Zukunft. Der im Vorfeld auf Plakaten versprochene Klartext, er schuf in diesem Punkt keine Klarheit.

Immerhin: An seine Anhänger gewandt sprach er im Zusammenhang mit der allerdings mit keinem Wort erwähnten dereinst gefälschten Dissertation von "eigenem abgrundtiefen Versagen" und allen notwendigen Konsequenzen, die er in diesem Zusammenhang auf sich genommen habe. Er sprach aber auch davon, dass es "irgendwann gut sein muss". Heißt wohl: Zu Guttenberg hat die Sache mit der Dissertation zu den Akten gelegt. Was daraus gefolgert werden könnte, ließ er offen.

Im übrigen vermied der frühere Verteidigungsminister das Rednerpult, nahm seine Zuhörer vielmehr in einer Art Selbstmoderation in seiner wortgewandten Art mit auf einen Streifzug durch eine in Unordnung geratene Welt. Ein Auftritt nicht ganz frei von Showelementen, lockeren Sprüchen und kleinen Witzeleien. Aber: Zu Guttenberg konnte sich in einem Metier bewegen, wo er sich am sichersten fühlt, in der Außenpolitik. Die USA und Präsident Donald Trump machten dabei den Anfang. Bei aller verständlichen Kritik am neuen Präsidenten wollte es der Wahlkämpfer zu Guttenberg nicht versäumen darauf hinzuweisen, dass eine Absetzung Trumps eher unwahrscheinlich sei. Vielmehr sollten gerade die Deutschen weiter an einem guten Verhältnis zu den USA arbeiten, Kontakte halten zu den vernünftigen Köpfen in den Staaten.

Als ausgemachte Krisenherde wurden, wenig überraschend, die Türkei, Russland, Nordkorea, China und der gesamte Nahe und Mittlere Osten genannt. Kritisch gesehen wurde dabei insbesondere die Rolle des Westens, bei dem sich und mehr die Gefahr des Auseinanderbrechens abzeichne. Gerade die Despoten in aller Welt setzten auf eine Schwächung des Westens, um so besser ihre Grenzen ausloten und ausreizen zu können.
Umso wichtiger wäre in diesem Zusammenhang die Rolle Angela Merkels, so Guttenbergs Befund. Weil: "Angela Merkel kann mit männlichen Alphatierchen umgehen. Das habe ich am eigenen Leib verspürt." Für den Redner wichtig, weil auch der Zustand Europas nicht der beste sei. Zu diagnostizieren sei eine bedenkliche Entsolidarisierung und ein Zunehmen der nationalistischen Kräfte. Es brauche deshalb in Europa nicht nur ein starkes Frankreich, sondern auch neue Impulse und Projekte, die Leidenschaft für den alten Kontinent wecken könnten.

Das Fazit des Wahlkämpfers: In den derzeit weltweit unruhigen Zeiten sei es in besonderer Weise wichtig, dass die Regierungsverantwortung bei der Union bleibe. Der Mehrheit seiner Zuhörer dürfte er damit aus dem Herzen gesprochen haben.

Kommentar

Seehofers Angebot

Über eines muss man sich im Klaren sein: Ohne CSU-Chef Horst Seehofer gäbe es keine Spekulationen darüber, ob Karl-Theodor zu Guttenberg in die Politik zurückkehrt oder nicht. Der eigentlich wegen seines Wankelmuts bekannte Parteichef lässt im Zusammenhang mit seinem innerparteilichen Gegenspieler Markus Söder eine Linie klar erkennen: Der Nürnberger muss mit allen Mitteln als möglicher Nachfolger in der Staatskanzlei verhindert werden.

Lassen wir einmal dahingestellt, warum Seehofer mit Söder so gar nicht klar kommt, interessanter scheint Seehofers Verhinderungsstrategie. Bei der scheint ihm der vor sechs Jahren wegen einer abgeschriebenen Doktorarbeit zum Rücktritt gezwungene Freiherr gerade recht zu kommen. Guttenbergs Dissertation und seine dabei gezeigte moralisch äußerst fragwürdige Vorgehensweise - stören ihn dabei offenkundig in keiner Weise. Das muss nicht überraschen, wenn man sieht, wie skrupellos früher als moralische Prinzipien gehandelte politische Verhaltensweisen über den Haufen geworfen werden. Auch und gerade in einer Partei, die das C im Namen führt.

Für Seehofer zählen nicht moralische Skrupel, es zählt in erster Linie der Umstand, dass dem Freiherrn offenbar von weiten Teilen der Bevölkerung der Ausrutscher mit der gefälschten Doktorarbeit gerne nachgesehen wird. Deshalb auch das Spiel und die Spekulation um oder über eine mögliche Rückkehr zu Guttenbergs in die aktive Politik. Und natürlich auch darüber, wie diese Rückkehr in der Praxis aussehen könnte. Vorstellbar ist da vieles. Guttenbergs Wiedereinstieg könnte über den bayerischen Landtag und ein Ministeramt im Freistaat erfolgen. Hauptsache Markus Söder, der sich derzeit ganz wider seine Natur außerordentlich bedeckt hält, kann damit verhindert werden.

Natürlich ist der Global Player zu Guttenberg kein Landespolitiker. Das muss er auch nicht, weil Joachim Herrmann nach der Bundestagswahl ja ins Kabinett Merkel wechseln könnte, um damit eine Platzhalterfunktion für den Baron einzunehmen. Inwieweit sich zu Guttenberg auf dieses politische Spiel von Seehofer einzulassen bereit ist, eine Rückkehr in die Politik ernsthaft anstrebt, kann nur der Adelige selbst beantworten. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als Wahlhelfer für die CSU in seiner oberfränkischen Heimatstadt Kulmbach hat er sich dazu nicht geäußert. Aber er ließ den "homo politicus" erkennen. Und ein solcher kann eigentlich nicht von Politik lassen. Von daher spricht manches dafür, dass zu Guttenberg Seehofers Angebot vielleicht doch annehmen könnte.