Gütersloh
Studie

Kitas: Kulmbach vorne dabei

Es kommt auf die Region an, wenn es um eine gute Versorgung der Kinder in Kitas geht. So das Fazit einer Studie der Bertelsmann-Stiftung.
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Es gibt in Bayern zwar ein einheitliches Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz - es gibt aber auch große regionale Unterschiede, wenn es um die Personalschlüssel in Krippen und Kindergärten geht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, die gestern veröffentlicht wurde. Beispiel Landkreis Hof: Hier würden nach Recherchen der Autoren der Studie im Schnitt fünf Kleinkinder von einer Fachkraft betreut. Im Landkreis Rosenheim könnte sich dagegen eine Erzieherin im Schnitt auf 2,7 Kinder konzentrieren.

Auch in den Kindergartengruppen ist die Spannbreite groß. Während in Memmingen 7,7 Kinder von einer Fachkraft betreut werden, müsste sich im Landkreis Kulmbach eine pädagogische Fachkraft um bis zu 10,5 Kinder kümmern.
Am besten schneidet in der Studie Baden-Württemberg ab. Im Krippenbereich erreicht man hier im Schnitt einen Schlüssel von 1:3. Ein Wert, der auch von Wissenschaftlern empfohlen wird. Bei den Kleinkindern bildet dagegen Sachsen mit einem Schlüssel 1:6,5 das Schlusslicht.

Zur Situation in Franken: Der Studie zufolge schneiden die Landkreise Miltenberg, Schweinfurt, Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, Kulmbach und Weißenburg/Gunzenhausen im Krippenbereich mit einem Schlüssel von bis zu 1:3,4 am besten ab. Hier bilden der Landkreis Hof und die Stadt Bayreuth mit einem Schlüssel zwischen
1:4,5 und 1:5,4 die Schlusslichter. Der Rest bewegt sich im Mittelfeld. Hildegard Thoma, eine der zuständigen Caritas-Referentinnen für die Kindertagesbetreuung in der Erzdiözese Bamberg, plädiert ebenfalls dafür, dass sich eine Fachkraft in der Krippe um höchstens drei Kinder kümmern sollte.

Weil gerade im Alter zwischen einem und drei Jahren die persönliche Zuwendung für die Kinder besonders wichtig sei. Es sei Sache der Politik, hier die notwendigen gesetzlichen Grundlagen zu schaffen. Bayerns zuständige Ministerin Emilia Müller (CSU) warf den Autoren der Bertelsmann-Studie dagegen eine unseriöse Arbeitsweise vor. Sie reagierte damit auf die festgestellten großen regionalen Qualitätsunterschiede im Freistaat. Schließlich habe sich die Zahl der Erzieherinnen seit dem Jahr 2006 in Bayern nahezu verdoppelt. Für die Experten ist das nicht genug: Sie fordern im Freistaat für einen kindgerechten Personalschlüssel 8400 Vollzeitkräfte mehr. Kosten: Jährlich 389 Millionen Euro.


Kommentar:

Jedem ein Krippenplatz

Was derzeit existiert, ist ein Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz. Zu diesem Versprechen, dieser "Krippen-Garantie", hat sich die Politik - einem gesamtgesellschaftlichen Trend folgend - durchgerungen. Eine ganze Reihe von Professoren aus dem Bereich frühkindlicher Entwicklung unterstellen inzwischen, dass die Politiker nicht wussten, was sie da eigentlich versprochen haben. Weil es nicht nur um den quantitativen, sondern auch qualitativen Ausbau der Kindertagesbetreuung geht.

Die Leipziger Professorin für Frühpädagogik, Susanne Viernickel, warnt davor, dass, "je schlechter der Personalschlüssel, desto höher das Risiko, dass Zuwendung und Bildungsanregung leiden und Kinder keine angemessene Förderung erfahren." Man kann sich das ja gut vorstellen, wenn sich eine Erzieherin gleichzeitig um vier oder fünf Ein- bis Dreijährige kümmern soll und dabei kaum mit dem Windelwechseln hinterherkommt. Frühpädagogische Förderung?

Von wegen. Schon eher ein pädagogisches Armutszeugnis. Und dabei wissen wir noch gar nichts über die möglichen lebenslangen Nebenwirkungen solcher politpädagogischen Rezepturen für unsere Kinder. Jedes Medikament wird bei uns vor der Zulassung genau daraufhin überprüft. Bei den Kindern sind wir weniger vorsichtig.