Grafenrheinfeld
Kernenergie

Kernkraft: Rückbau unter Wasser

Rückbaugenehmigung erteilt - aber der Start des eigentlichen Rückbaus im Kernkraftwerk Grafenrheinfeld muss noch warten.
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Abklingbecken im KKW Grafenrheinfeld Der Rückbau erfolgt hier mit Hilfe von Robotern unter Wasser. Matthias Hoch
Abklingbecken im KKW Grafenrheinfeld Der Rückbau erfolgt hier mit Hilfe von Robotern unter Wasser. Matthias Hoch
Noch kein Rückbau, aber jede Menge vorbereitende Arbeiten. Bestätigt der Leiter des Kernkraftwerks, Bernd Kaiser, im Gespräch. "Hauptsächlich müssen wir Platz schaffen für die eigentlichen Rückbauarbeiten", ist zu erfahren. Heißt zum Beispiel: Türen müssen verbreitert und Logistikwege geschaffen werden. Es geht um Pufferflächen für eine vorübergehende Lagerung kontaminierten Materials und um Bearbeitungsstationen. "Wir bauen jetzt eine richtige Fabrik für den Rückbau des Kernkraftwerks auf", erläutert uns der Kraftwerkchef.


Erste Pumpen abgebaut

Was definitiv nicht mehr gebraucht und auch nicht kontaminiert ist, fliegt jetzt schon raus. Zum Beispiel die vier Zusatzborierpumpen im Ringraum vor der Reaktordruckkammer. Die waren dafür vorgesehen, Bor auch gegen stärksten Druck einzuspeisen. Dann nämlich, wenn sich das in Betrieb befindliche Kernkraftwerk einem kritischen Punkt genähert hätte. Was glücklicherweise nie der Fall war. Es wird aber nicht nur abgebaut, auch Neues entsteht. Am 9. Juli wird mit dem Bau einer Bereitstellungshalle (Beha) auf dem Kraftwerksgelände begonnen, die nach Plan 2021 in Betrieb gehen soll. In der 100 Meter langen, 28 Meter breiten und 17 Meter hohen Anlage sollen 19 000 Tonnen zurückgebauten Materials gelagert werden können. Der Zeitpunkt mitte 2021 ist bewusst gewählt. Bis dahin müssen die letzten Brennstäbe das Abklingbecken verlassen haben und im Zwischenlager Bella deponiert sein.

Die mit den frischen Brennstäben befüllten Castorbehälter erreichen dann immer noch an der Außenhaut eine Temperatur von 80 Grad. Nach einigen Jahren reduziert sich das auf etwa 30 Grad. Diese Restwärme bleibt dann allerdings noch für einige Jahrtausende erhalten. Derzeit läuft gerade eine Castorkampagne. An deren Ende soll die Zahl der Brennelemente von anfänglich 597 auf 483 reduziert sein. Im Zwischenlager stehen dann 27 Castorbehälter.
Was eigentlich mit dem Wasser im Abklingbecken passiert, wollen wir wissen. Es handelt sich immerhin um etwa 1000 Kubikmeter nicht zuletzt auch mit Bor angereicherten Wassers.


Wasser wird verdampft

Um die Rückbauarbeiten zeitlich nicht noch weiter zu verzögern, wird das Wasser in Behälter gepumpt. Die borsäurehaltige Flüssigkeit wird verdampft, die Rückstände von einer eigens in Finnland gekauften Anlage bearbeitet und dekontaminiert, so Bernd Kaiser.
Um die stark kontaminierten Teile im Abklingbecken des Reaktorbeckens abbauen zu können, wird das Becken nach einer gründlichen Reinigung wieder mit frischem Wasser befüllt. Eine Maßnahme, die dazu dienen soll, die Mitarbeiter keiner zu starken Strahlenbelastung auszusetzen. Der Rückbau dieser besonders stark verstrahlten Teile findet also unter Wasser statt. Dort, wo die Strahlenbelastung besonders hoch ist, kommen Roboter zum Einsatz.

Derzeit sind noch rund 200 Mitarbeiter am Kraftwerkstandort Grafenrheinfeld beschäftigt. Eine Zahl, die laut Kraftwerksleitung nach und nach zurückgefahren wird. Im Jahr 2021, zum eigentlichen Beginn der Rückbauarbeiten, werden es noch etwa 170 Beschäftigte sein. Gleichzeitig wird die Arbeit mit Fremdfirmen verstärkt. Statt derzeit 100 werden dann 200 Mitarbeiter fremder Firmen auf dem Kraftwerksgelände arbeiten. Eine Zahl, die sich im weiteren Verlauf der Rückbauarbeiten auf 400 erhöhen soll. Die werden nach Plan bis zum Jahr 2035 abgeschlossen sein. Für jüngere Mitarbeiter ein Problem, weil dann die Arbeitslosigkeit droht. So mancher sucht deshalb jetzt schon nach einer beruflichen Perspektive.

Der Bau des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld hat in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts einmal eine Milliarde D-Mark verschlungen, der Rückbau wird eine Milliarde Euro teuer. Und der Betreiber PreußenElektra? Sind die letzten Kraftwerke rückgebaut, soll das Unternehmen bis 2040 aus dem Handelsregister gestrichen werden.