Rom
Missbrauchstreffen

Katholische Kirche: Vatikan will Missbrauch bekämpfen - Opfer fordern Taten

Opfer wollen keine Schuldbekenntnisse mehr, keine warmen Worte. Sie fordern vor dem Missbrauchstreffen im Vatikan von Papst Franziskus ein Ende der Ankündigungspolitik. Andernfalls verliere die katholische Kirche vollends das Vertrauen der Gläubigen.
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Bei der Konferenz sind rund 190 Teilnehmer dabei, darunter der Papst, die Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen der Welt, Vertreter der römischen Kurie und andere Geistliche. Sybolfoto: Armin Weigel/dpa
Bei der Konferenz sind rund 190 Teilnehmer dabei, darunter der Papst, die Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen der Welt, Vertreter der römischen Kurie und andere Geistliche. Sybolfoto: Armin Weigel/dpa

Der Vatikan will dem "Monster" Missbrauch bei einem Spitzentreffen diese Woche endgültig ins Gesicht schauen und die jahrzehntelange Krise der katholischen Kirche überwinden.

"Wir brauchen jeden Einzelnen, um dem Monster in die Augen zu schauen, und wir dürfen keine Angst haben, wenn wir es wirklich besiegen wollen", sagte Vatikan-Sprecher Alessandro Gisotti am Montag bei der Vorstellung des Programms für die Konferenz, die am Donnerstag beginnt. Opfervertreter fordern derweil konkrete Taten von Papst Franziskus, um Kindesmissbrauch zu verhindern. "Irgendwann ist die Geduld erschöpft", sagte der deutsche Opfervertreter Matthias Katsch vom Eckigen Tisch.

Katholische Kirche müsse Verantwortung tragen

Bei dem Treffen von Donnerstag bis Sonntag sollen die drei Themen Verantwortung, Rechenschaft und Transparenz im Zentrum stehen. Bei der Konferenz sind rund 190 Teilnehmer dabei, darunter der Papst, die Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen der Welt, Vertreter der römischen Kurie und andere Geistliche. "Die katholische Welt muss verstehen, dass Bischöfe weltweit Verantwortung tragen für das, was getan wurde", sagte der US-Kardinal Blase Cupich, der zum Vorbereitungskomitee des Vatikans gehört. Er erhoffe sich eine "richtige Wende" in der Krise.

Allerdings können auf der Konferenz keine bindenden Beschlüsse gefasst werden. "Ich glaube, dass mehr als Ankündigungen rauskommen müssen", sagte Opfervertreter Katsch aus Deutschland. Es brauche eine "Null-Toleranz", die den Namen auch verdiene. "(Franziskus) benutzt dieses Wort oft, aber er hat nichts (dafür) getan." Nötig sei eine Änderung des Kirchenrechts. Ein Priester, der Kinder missbraucht hätte, müsse genauso wie ein Bischof oder Kardinal, der dies vertusche, umgehend aus dem Klerikerstand entlassen werden.

"Historischer Moment"

"Dies ist ein historischer Moment, so etwas hat es in der Geschichte der Kirche noch nie gegeben", sagte Peter Isely von der Opferschutzorganisation Ending Clergy Abuse (ECA). Franziskus habe mit dem Treffen ein "Scheinwerferlicht" auf das Thema Missbrauch geworfen. "Jetzt muss er liefern." Der Papst habe alle Macht, zu verhindern, dass Kinder vergewaltigt würden. "Er muss dazu nicht auf die Erlaubnis anderer warten."

Schon vor Jahrzehnten kam ans Licht, dass Kinder auf der ganzen Welt von katholischen Geistlichen misshandelt wurden und diese anschließend gedeckt wurden. Skandale in Ländern wie Deutschland, den USA und Irland haben das Vertrauen der Gläubigen in die Kirche extrem erschüttert.

Franziskus handhabte Skandale unglücklich

Franziskus spricht zwar immer wieder gegen die schwere "Sünde" Missbrauch. Er selbst handhabte aber mehrere Skandale unglücklich. Etwa in Chile, wo er einen der Vertuschung beschuldigten Bischof zunächst verteidigte. Zudem sorgt der Fall des hochrangigen australischen Kardinals George Pell seit langem für Kopfschütteln. Obwohl diesem in seiner Heimat Missbrauch von Kindern vorgeworfen wird, hat der Vatikan immer noch keine Konsequenzen daraus gezogen und Pell nur vorübergehend freigestellt.

Die Konferenz endet am Sonntag mit einer Messe und einer Ansprache des Papstes. Kritisiert wurde im Vorfeld, dass nur etwa zehn Frauen zu dem Treffen geladen wurden. Vor der Konferenz sollen die Organisatoren hinter verschlossenen Türen auch Opfer treffen.

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