Mehr als 160 vernachlässigte und verletzte Schweine sind in einem privaten Mastbetrieb in Baden-Württemberg auf Weisung des Veterinäramtes getötet worden. Angesichts katastrophaler hygienischer Verhältnisse in den Ställen wurde gegen den 54 Jahre alten Landwirt, seine Ehefrau und seine beiden Söhne Anklage wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz erhoben, wie die Staatsanwaltschaft Ulm am Mittwoch mitteilte.

Zugleich habe das Amtsgericht Ulm einen Strafbefehl gegen einen 43 Jahre alten Veterinär wegen versuchter Strafvereitelung erlassen, so die Staatsanwaltschaft. Er habe als Amtstierarzt die Missstände gedeckt. Nach Klagen einer Tierschutzorganisation habe der Arzt der Polizei gesagt, die Vorwürfe seien "zu 98 Prozent nicht zutreffend".

Die Ställe des Schweinemastbetriebes seien in den Jahren 2013 bis 2016 überbelegt gewesen, was zu einer hohen Sterberate bei den Tieren geführt habe, erklärte die Anklagebehörde. Viele Tiere hätten sich auf dem engen Raum schwerste Verletzungen zugezogen. Deshalb ordnete das Veterinäramt nach einer Überprüfung im Oktober 2016 die Tötung der Tiere an.

Über die Zulassung der Anklage und das weitere Verfahren hat das Amtsgericht noch nicht entschieden. Gegen den Strafbefehl kann der Tierarzt noch Widerspruch einlegen. Ein konkretes Strafmaß wurde noch nicht genannt.