Kaffeeliebhaber können sich jetzt getrost noch eine Tasse holen. Denn das schwarze Getränk ist wohl nicht so gesundheitsgefährend wie angenommen - zumindest sieht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) keine Belege für ein erhöhtes Krebsrisiko. Gerade in den 1990ern hatte Kaffee einen sehr schlechten Ruf und galt als ungesund.

Und es wird noch besser, liebe Kaffeetrinker. Denn es gibt sogar Hinweise darauf, dass Kaffee manchen Krebs sogar bekämpft. Demnach senke das koffeinhaltige Getränke zwei Tumorarten, schreibt die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) in ihrem am Mittwoch vorgelegten Bericht.


Kaffee ist doch nicht so ungesund wie gedacht

Doch die Krebsforschungsagentur warnt trotzdem: Denn sehr heiße Getränke können Speiseröhrenkrebs hervorrufen.

Und das gelte wohl schon für Temperaturen über 65 Grad Celsius, sagte der IARC-Epidemiologe Dana Loomis. In Europa sei der Genuss so heißer Getränke aber nicht üblich. Zwei unabhängige Experten bezeichneten die neue Einstufung als plausibel.


So entstand die Kaffeestudie

Für den Bericht wertete eine Arbeitsgruppe die bestehende Fachliteratur aus. Allein für Kaffee sichteten die 23 Experten laut Loomis etwa 500 Ernährungsstudien mit Menschen und ähnlich viele Tier- und Laborversuche.


In den 1990ern hatte Kaffee keinen guten Ruf

Die IARC hatte Kaffee im Jahr 1991 als möglicherweise krebserzeugend eingestuft. So gab es damals Untersuchungen, die zu beweisen schienen, dass Kaffee Blasenkrebs verursache.


Kaffeetrinker rauchen häufig auch

Die Behörde gab nun aber zu, das damals nicht berücksichtigt wurde, dass Kaffeetrinker auch oft rauchen. Und Rauchen fördert Blasenkrebs.


Viele Studien konnten keinen Zusammenhang zwischen Krebs und Kaffee herstellen

Der neue Bericht verweist auf eine Fülle von Studien, die keine Verbindung sehen zwischen Kaffee und Tumoren von Brust, Prostata und Bauchspeicheldrüse.

Für mehr als 20 andere gängige Tumore - etwa von Lunge oder Magen - könne man keine Aussage treffen, heißt es weiter.

Doch für Leber und Gebärmutter könnte Kaffee sogar gesund sein und das Risiko für Tumore senken.

Ob es Unterschiede bei den Sorten des Kaffees oder der Zubereitung gebe, dazu äußert sich die Behörde nicht.

"Nach derzeitiger epidemiologischer Datenlage spricht ganz klar nichts gegen einen hohen Kaffeekonsum", sagte Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam (DIfE). "Wir gehen derzeit eher von positiven Effekten aus."


Beweise bzw. Gegenbeweise gebe es nicht

Die IARC betont allerdings, Einstufung bedeute nicht, dass Kaffeekonsum sicher sei, sondern lediglich, dass die vorhandenen Daten keine Schlüsse erlaubten.

Ähnlich bewertet das Gremium auch Mate-Tee. Mate-Produkte, die als Kaltgetränke auch in Deutschland beliebt sind, werden aus dem in Südamerika verbreiteten Matestrauch gewonnen und galten seit 1991 als wahrscheinlich krebserregend.

Die Auswertung neuer Studien ergab jedoch, dass die Häufung von Speiseröhrenkrebs in Teilen Südamerikas wohl nicht auf Mate an sich zurückgeht, sondern darauf, dass das Getränk dort meist extrem heiß konsumiert wird. Auch in anderen Weltregionen, in denen Menschen Tee sehr heiß trinken, etwa Zentral- und Ostasien sowie Ostafrika, entwickeln auffällig viele Menschen Tumore der Speiseröhre. Weltweit ist dies die achthäufigste Krebsform.


Speiseröhrenkrebs ist die achthäufigste Krebsart

"Es hängt nicht sehr von dem Getränk ab, sondern von der Temperatur", sagte Loomis. In Versuchen an Tieren steigerte auch Wasser ab einer Temperatur von 65 Grad Celsius die Wahrscheinlichkeit für Tumore der Speiseröhre. Daher stuft die Agentur den Konsum sehr heißer Getränke als wahrscheinlich krebserregend ein. Als weitere Risikofaktoren für Speiseröhren-Krebs gelten Alkoholkonsum und Rauchen.

Der Mechanismus der Krebsentstehung sei zwar nicht geklärt, betont die Gruppe. Aber vermutlich verursache die Hitze Zellschäden, als deren Spätfolge Krebs auftreten könne. In Europa nehme man Getränke nicht so heiß zu sich, sagte Loomis. Tee trinke man mit einer Temperatur von etwa 60 Grad, Kaffee sogar noch kühler.

"Heiße Getränke können zu Verletzungen und Schädigungen der Speiseröhre führen und damit auch das Risiko von Krebs erhöhen", sagte Gunter Kuhnle von der britischen Universität Reading, der nicht an dem Bericht mitwirkte.

Rudolf Kaaks vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg ergänzte: "Verbrennungen durch heiße Getränke können im Nachhinein entzündungsartige Reaktionen verursachen." Diese könnten etwa die DNA schädigen oder die Apoptose, den programmierten Zelltod, verhindern. "Der Einschätzung würde ich folgen", betonte Kaaks. "Der Prozess der Prüfung durch die IARC ist sehr umfassend."