Bayreuth
Bayreuther Festspiele

Jobverlust: Zu alt für den Grünen Hügel?

Bei den Festspielen muss geklärt werden, ob die Wagner-Schwestern über 2015 hinaus Chefinnen bleiben. Andere müssen auf jeden Fall gehen: die Mitarbeiter über 65.
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Die Zukunft der Leiterinnen der Bayreuther Festspiele, Katharina Wagner (rechts) und der 68-jährigen Eva Wagner-Pasquier ist offen. Andere Mitarbeiter der Festspiele, die über 65 Jahre alt sind, müssen dagegen auf jeden Fall gehen.  Foto: Tobias Hase/dpa
Die Zukunft der Leiterinnen der Bayreuther Festspiele, Katharina Wagner (rechts) und der 68-jährigen Eva Wagner-Pasquier ist offen. Andere Mitarbeiter der Festspiele, die über 65 Jahre alt sind, müssen dagegen auf jeden Fall gehen. Foto: Tobias Hase/dpa
Sie hatten sich noch die gesamte Spielzeit über engagiert - kurz vor dem Ende erfuhren sie überraschend, dass es ihre letzte sein würde: Bei den Bayreuther Festspielen haben 20 Mitarbeiter in den vergangenen Wochen ihre Stelle verloren, weil sie 65 Jahre oder älter sind. Der Kaufmännische Geschäftsführer der Richard-Wagner-Festspiele, Heinz-Dieter Sense, bestätigte am Mittwoch einen entsprechenden Bericht des Bayerischen Rundfunks.

Sense, der selbst bereits über 70 Jahre alt ist, sprach von einer konsequenten Umsetzung der gesetzlichen Altersregelung. Die Altersgrenze von 65 Jahren habe bisher schon für fest angestellte Mitarbeiter gegolten. In den vergangenen Monaten hätten bei der Festspielleitung Überlegungen kursiert, die Regelung auch bei freiberuflichen Technikern anzuwenden. Auslöser seien wiederholte krankheitsbedingte Ausfälle älterer Techniker während der Spielzeit gewesen.


Ungleichbehandlung vermieden

"Der Betriebsrat hat daraufhin verlangt, dass eine solche Altersregelung für alle Mitarbeiter gelten muss; sie allein auf Techniker anzuwenden, war als ungerecht empfunden worden", erläuterte Sense. Die aus der Festspielleitung, Arbeitnehmervertretern und Künstlern bestehende Personalkommission habe schließlich bei ihrer Sitzung drei Tage vor Spielzeitende die Übertragung der Altersbegrenzung von 65 auf alle Mitarbeitergruppen beschlossen.

Sense betonte, grundsätzlich gelte die Altersgrenze auch für Solisten unter den engagierten Künstlern. Ausnahmen schloss er dennoch in bestimmten Fällen nicht aus: "Denn Solisten werden nach ganz eigenen Regeln unter Vertrag genommen". Das Problem bei Festspielen wie in Bayreuth sei, dass Künstler und Techniker ein Jahr vorher engagiert würden. "Und bei Älteren wissen wir nicht, ob sie bei den Festspielen selbst gesundheitlich noch auf der Höhe sind", gab Sense zu bedenken.

Ob diese Regelung auch für die 68-jährige Festival-Leiterin Eva-Wagner-Pasquier gilt, muss sich erst noch zeigen. Denn noch ist ungeklärt, wer von 2015 an das weltberühmte Festival leiten soll. Es gebe Sondierungsgespräche mit den Chefinnen Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier, sagt Ministerialdirigent Toni Schmid, Chef des Verwaltungsrats der Festspiele. Aber keinesfalls schon konkrete Vertragsverhandlungen. "Man muss abwarten. Schließlich sind die Dinge in Bayern und im Bund derzeit im Fluss", sagt Schmid. Eine Entscheidung werde es erst geben, wenn in Berlin und München neue Regierungen stehen. Zur Festspiel-GmbH gehören Bund und Land sowie Stadt Bayreuth und die Mäzene der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth. Und die GmbH entscheidet, wer die Festspiele leitet. "Man kann jetzt gar nichts sagen", betont Schmid und verweist auf die derzeit noch unklaren Verhältnisse auch in der Kulturpolitik.

Medienberichten zufolge ist es offen, ob die derzeitige Konstellation mit den Wagner-Schwestern als Expertinnen fürs Künstlerische und mit einem kaufmännischen Direktor an ihrer Seite beibehalten wird. Eine dreiköpfige Festspielspitze soll manchem Verwaltungsrat als zu aufgebläht erscheinen, heißt es. Schmid will dies nicht kommentieren. Das Stadium der Gespräche sei zu früh, um konkrete Aussagen zu treffen.

Erst im Frühjahr war Heinz-Dieter Sense, der ehemalige Intendant der Deutschen Oper Berlin, für diesen Posten angeheuert worden. Beim Thema Festspielhaussanierung präsentierte sich Sense als gut eingearbeitet und informiert. Es ist kein leichter Job, die Restaurierung des Hauses zu managen, wenn die Arbeiten während der Proben- und Aufführungszeit ruhen müssen und so für die Handwerker nur ein kurzes Zeitfenster im Frühjahr und dann der Herbst bleibt.


Finanzierung gesichert

Zumindest die Finanzierung der millionenschweren und wohl bis 2021 dauernden Sanierung des Festspielhauses ist in trockenen Tüchern. Bayerns Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) war noch wenige Tage vor der Landtagswahl nach Bayreuth gereist, um die Vereinbarung zu unterzeichnen.

Katharina (35) und ihre Halbschwester Eva (68) folgten 2008 ihrem Vater Wolfgang nach. Ihr Vertrag läuft bis 2015. Ihre Bilanz gilt als durchwachsen. dpa

Lesen Sie hierzu auch Monika Beers Blog: Mein Wagner-Jahr.