Dresden
Proteste

Interview mit Pegida-Vordenker: "Auch Linke sind willkommen"

Der Dresdner Publizist Felix Menzel ist so etwas wie der Vordenker der Pegida-Bewegung. Im Interview spricht er über seine Furcht vor Glaubenskriegen auf deutschem Boden und mögliche Allianzen mit Globalisierungskritikern.
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Felix Menzel.
Felix Menzel.
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Seit zehn Jahren gibt Felix Menzel in Dresden das rechtskonservative Magazin "Die blaue Narzisse" heraus. Darin arbeiten sich der 29-Jährige und seine Autoren an der "Islamisierung und Überfremdung Europas" ab.
Menzel kann ohne große Übertreibung als Vordenker der Pegida-Bewegung gelten. "Der herbeigesehnte Aufstand der Massen kommt nun langsam in Bewegung", solidarisierte sich "Die Blaue Narzisse" unlängst auf ihrem Internet-Portal mit Pegida.

Ist Pegida jetzt jene Bewegung, der Sie seit Jahren publizistisch den Weg bereiten wollen?
Menzel: Es ist kein Geheimnis, dass ich Pegida sehr wohlwollend gegenüberstehe. Aber der Zuspruch hat mich völlig überrascht, ich habe die ersten Demos hier in Dresden auch überhaupt nicht wahrgenommen. Inzwischen habe ich das Gefühl, bei Pegida beteiligen sich viele Leute, die sich in den vergangenen Jahren stark mit den Thesen und Themen der "Blauen Narzisse" auseinandergesetzt haben. Das freut mich natürlich.

Genießen Sie es ein wenig, wie ratlos die bürgerlichen Parteien und die Medien vor Pegida stehen?
Das ist ja ihr eigenes Verschulden. Politik und Medien hätten nur die Augen aufmachen müssen. Dann hätten sie gesehen, welche Ängste und welches Unbehagen in Teilen der Bevölkerung herrschen. Stattdessen haben sie sich die Welt schön gelogen.

Warum war das so?
Umfragen belegen ja, dass unter Journalisten eine eher linke Weltanschauung dominiert. Das schränkt den Blick auf die Wirklichkeit leider stark ein.

Dann helfen Sie uns bitte ein wenig: Wovor hat die Pegida so große Angst?
Die Menschen sehen, dass sich die globale Welt immer mehr zuspitzt und die Bundesregierung keine Antworten darauf hat. Wir laufen Gefahr, dass wir uns Glaubenskriege nach Deutschland holen. Das ist die Folge einer falschen Einwanderungspolitik und einer zu idealistischen Außenpolitik. Wir lassen immer mehr Flüchtlinge ins Land und gefährden so unsere Sicherheit und auch den sozialen Zusammenhalt.

Die Geiselnahme in Sydney dürfte Sie in Ihrer Einschätzung bestätigt haben?
Natürlich. Auch bei uns gibt es eine wachsende Zahl an gewaltbereiten Islamisten. Die Sicherheitsbehörden wissen das, dazu muss man nur die entsprechenden Berichte lesen. Aber die Politik zieht daraus keine Konsequenzen. Das ist es auch, was die Menschen so verärgert. Sie haben Angst und werden in ihrer Angst nicht ernstgenommen.

Dabei gibt es in Sachsen ja kaum Muslime.
Ach, das ist doch wieder so ein blödsinniges Argument, mit dem man Pegida für dumm verkaufen möchte. Der Bewegung geht es nicht nur um Sachsen, sondern um Europa. Das ist doch schon im Namen angelegt. Da ist von patriotischen Europäern und nicht von patriotischen Sachsen die Rede.

Das heißt, es leben Ihrer Ansicht in Deutschland inzwischen zu viele gewaltbereite Ausländer und Flüchtlinge?
Ja, es gibt religiöse Fundamentalisten wie zum Beispiel die Salafisten. Wir wissen doch gar nicht so richtig, wer da alles zu uns kommt. Neben Flüchtlingen, die tatsächlich politisch verfolgt werden, gibt es unter den Asylbewerbern auch viele Kriminelle. Wer in seinem Heimatland etwas angestellt hat und verfolgt wird, hat eben auch einen Fluchtgrund. Das gehört leider zur Wahrheit dazu.

So wie der Dresdner Pegida-Führer Lutz Bachmann?
Genau. Der hat hier etwas angestellt, ist nach Südafrika geflohen und wurde dort sofort wieder ausgewiesen. So stelle ich mir das in Deutschland auch vor.

Trotzdem: Warum formiert sich Pegida gerade in einem Augenblick, in dem es Deutschland wirtwschaftlich so gut geht wie vielleicht nie zuvor?
Die bürgerliche Presse macht einen Fehler, wenn sie Pegida als sozialpolitischen Protest deutet. Die notorisch erwähnten Abstiegs- und Verlustängste der Menschen spielen bei Pegida keine Rolle.

Aber Bachmann hat doch von den deutschen Senioren gesprochen, die sich im Gegensatz zu vielen Asylbewerbern keinen Christstollen leisten könnten.
Gut, das war eine populistische Geste von Bachmann, um vielleicht noch mehr Menschen anzusprechen. Von mir wäre der Satz so nicht gekommen, das wäre mir zu platt.

Sie selbst denken stattdessen lieber über den drohenden Weltbürgerkrieg nach, der auch Deutschland nicht verschonen werde.
Es ist doch so, dass immer mehr Staaten kollabieren. Vor allem aus religiösen Gründen wie derzeit in Syrien oder Irak. Hinzu kommt dort ein massiver Überschuss an jungen Menschen, was die Länder weiter destabilisiert. Man könnte jetzt sagen, das ist nicht unser Problem.

Aber?
Wir sind schon mittendrin. Deutschland schickt Waffen an die Kurden und bald noch Ausbilder. So ziehen wir uns den Hass vieler Muslime zu. Gleichzeitig schließen sich deutsche Muslime dem IS an. Einige von ihnen kommen wieder zurück. Was dann?

Verstehe ich Sie da richtig: Im Grunde ist die Pegida eine pazifistische Bewegung?
Ich und Pegida sind dafür, deutsche Auslandseinsätze auf ein Minimum zu beschränken. Dasselbe gilt für Waffenexporte. Beides gefährdet unsere Sicherheit, auch weil es den Strom an Flüchtlingen anwachsen lässt.

Die Kritik an Waffenexporten und Auslandseinsätzen teilt die Pegida mit Teilen der politischen Linken.
Ich kann mir da sehr gut auch Bündnisse vorstellen. Mit Pazifisten, Globalisierungs- oder auch Wachstumskritikern.

Laufen bereits jetzt Linke bei Pegida mit?
Das Links-Rechts-Schema ist doch längst völlig veraltet und unbrauchbar. Am vergangenen Montag habe bei der Demo in Dresden Fahnen mit Friedenstauben gesehen. Das hat mich sehr gefreut. Auch Linke sind bei Pegida willkommen.

Das Gespräch führte
Christoph Hägele.




Wer ist Felix Menzel?

Biografie: Im Jahr 2004 hat der 1985 in Chemnitz geborene Menzel das Magazin "Blaue Narzisse" gegründet. Unter dem Motto "Lesen und handeln" wendet sich das Magazin vor allen Dingen an Schüler und Studenten.

Standpunkt: Bild.de bezeichnete 2008 die "Blaue Narzisse" als "braunen Sumpf". Menzel erklärte daraufhin, dass er nichts mit Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus zu tun habe. Menzel selbst bezeichnet sich als Neurechten oder Rechtskonservativen. Ein Rechtsextremist sei er nicht.

Aktion: Wenzel wird der Konservativ-Subversiven Aktion zugeordnet. Deren Mitglieder haben unter anderem Auftritte von Daniel Cohn-Bendit gestört.


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