Bamberg
Kommentar

Wahlkampf: wenig Lärm um wenig

Wahlkampf? Wo bleibt der Kampf?
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Fundamentalopposition: Über hohle politische Rituale macht sich die "Partei" lustig. Foto: dpa
Fundamentalopposition: Über hohle politische Rituale macht sich die "Partei" lustig. Foto: dpa
Ums gleich vorweg zu sagen: Es gibt Schlimmeres. Wenn auch das Leben in diesem Jammertal laut Schopenhauer zwischen Schmerz und Langeweile oszilliert, ist letzterer Zustand doch entschieden vorzuziehen. Jedoch kann auch Langeweile schmerzen, wie der Beobachter des aktuellen "Wahlkampfs" nicht umhin kommt zu spüren. "Wahlkämpfe sind von Natur aus weder Intelligenztests noch Höflichkeitskurse", schrieb Sloterdijk unter dem Eindruck der Trump-Kampagne. Ja, wenn's denn in Deutschland wenigstens ein bisschen rauer zuginge! Stattdessen schleppen sich die Kandidaten in ihrer Politik-Simulation gequält zum 24. September, der "Spiegel" titelt vier Wochen vor der Wahl wieder mal mit Trump als Weltdämon (wie langweilig!). Warum auch "kämpfen"? Das Ergebnis steht sowieso fest, vier (acht?) weitere Merkel-Jahre stehen ins Bundeshaus, die Sozialdemokraten werden, so sie können, wieder für eine bleierne Zeit bei Fuß stehen, die Grünen sowieso, die FDP eine Ein-Mann-Show abziehen, und die AfD? Guter Gott, die würden sich so tölpelhaft anstellen wie in den Landesparlamenten und bald wieder verschwinden, auch wenn manche Linksliberale den rechten Popanz zur Erzeugung von Angstlust regelrecht herbeisehnen. Schwer hat es da auch die Werbeagentur Jung von Matt, die für die CDU den Wahlkampf konzipiert. Erfolgreich war sie bereits mit der Kampagne für den Grünen Alexander von Bellen in Österreich. Das ist fast so, wie wenn ein Fußballprofi mal für den einen, eine Saison später für den anderen Verein einläuft. Insgesamt geben die Parteien ca. 75 Millionen Euro im Wahlkampf aus, auch ein Konjunkturprogramm. Um Themen wie eine ehrliche Diskussion über Migration oder die Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse drücken sich alle herum. Wie war das schön 1976 mit "Freiheit oder Sozialismus" oder 1980 mit dem Duell Strauß - Schmidt! Aber irgendwie spiegeln die da oben nur die Befindlichkeit derer da unten wider: Laut einer aktuellen YouGov-Umfrage wissen 39 Prozent der Wahlberechtigten nicht mehr, was sie 2013 gewählt haben. Der kleine Sonntagsspaziergang hat sie wohl nicht weiter tangiert.


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