Bamberg
Mein Wagner-Jahr

Wagnerjahr-Wissenswette (X)

Wissenswertes und Wissenswette: Bei der Bamberger "Stichwort Wagner"-Tagung überzeugte auch das Rahmenprogramm, bei unserem monatlichen Ratespiel gibt es diesmal zehn Adventskalender zu gewinnen, die garantiert auch Erwachsenen Freude machen.
Dieses von Matthias Ose gezeichnete Festspielhaus samt illustrem Publikum gibt es als Adventskalender in unserer monatlichen Wissenswette zu gewinnen. Vorlage: Verlag Fränkischer Tag
Dieses von Matthias Ose gezeichnete Festspielhaus samt illustrem Publikum gibt es als Adventskalender in unserer monatlichen Wissenswette zu gewinnen. Vorlage: Verlag Fränkischer Tag
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Das letzte Oktoberwochenende war aufschlussreich, konnte ich es doch - im Kern zusammen mit rund vierzig weiteren Interessenten - auf abwechslungsreiche Art und Weise gewissermaßen mit E.T.A. Hoffmann, Giuseppe Verdi und Richard Wagner verbringen. "Stichwort Wagner" hieß die Tagung des Richard-Wagner-Verbands International, die der Richard-Wagner-Verband Bamberg ausrichtete und damit sogar Wagnerianer aus Österreich und der Schweiz ansprach.

Beim fulminanten Auftakt im E.T.A.-Hoffmann-Theater - ein Haus, an dem der Namensgeber bekanntlich kurzzeitig als Kapellmeister wirkte - stand mit Siegfried und Violetta oder List, Last, Lust und Lunge ein Opernfragment in drei Akten für vier Hörner und Sprecher auf dem Programm, das all das in sich hatte, was der Titel versprach: Prägnante und sehr gekonnt für nur vier Hörner eingerichtete Stücke aus Opern von Wagner und Verdi, brillant dargeboten von german hornsound, einem Quartett, das von Christoph Eß, dem jungen Solo-Hornisten der Bamberger Symphoniker, angeführt wird.

Es lohnt sich, auch an dieser Stelle darüber zu schreiben, denn es gibt diese außergewöhnliche Produktion, wie schon an Verdis Geburtstag erwähnt, auch auf CD, in einem sorgfältig edierten Doppelalbum des Leipziger Labels Genuin classics. Das Textbuch stammt von Herbert Rosendorfer und Karl Dietrich Gräwe. Ersterer ist vielen als Festspielkenner ein Begriff - Bayreuth für Anfänger heißt der 1984 erschienene erste Wagnertitel des hauptamtlichen Juristen, der unter anderem als Gerichtsassessor und Staatsanwalt in Bayreuth wirkte. Nach diversen weiteren einschlägigen Veröffentlichungen folgte 2008 Richard Wagner für Fortgeschrittene, ein Buch, das er übrigens dem schon erwähnten Dramaturgen, Sprecher, Librettisten und Autoren Gräwe "in gemeinsamer Verehrung Giuseppe Verdis" widmete. Die Arbeit an Siegfried und Violetta war der letzte Text, den Rosendorfer vor seinem Tod vor gut einem Jahr vollendete.

Die List des Librettos besteht darin, dass die Autoren Franz Werfels Idee aus dessen Verdi-Roman mit dem fiktiven Treffen von Wagner und Verdi in Venedig wieder aufgreifen und ausspinnen. Dreimal - 1858, 1880 und 1883 - verabreden sie sich im Caffè Florian, auf der Piazza San Marco in Venedig, und der dortige Oberkellner Teodoro berichtet davon, launig, wie es seine Art ist, selbstredend mit kulinarischen Querverweisen und notorischen Blicken unter die Bettdecke. Die Last des Opernfragments liegt mehr auf den vier Bläsern, die mit viel Lust und Lunge zentrale Stücke der beiden auf den Punkt bringen. Wobei etwas mehr Wagner als Verdi herauskommt. Was nur zu gerecht ist, wenn man bedenkt, dass laut Teodoro Verdi nicht nur aus jedem Leierkasten schallte: "In jeder Kirche wurde Verdi auf der Orgel gespielt, das gehörte einfach zur Messe, auch das Trinklied der Traviata zur Wandlung. Und jede Dorfkapelle machte sich ihre Bläserfassung."

Die jungen Musiker von German hornsound - Christoph Eß, Sebastian Schorr, Stephan Schottstädt und Timo Steiniger - lassen zwar bei Verdi durchaus den Drive einer italienischen Banda in ihre Interpretation einfließen, sind aber keine Dorfkapelle, sondern erstklassige Profis. In ihren überwiegend eigenen Bearbeitungen schaffen sie es spielerisch, den Tannhäuser mit der Macht des Schicksals zu verknüpfen und die Traviata mit Lohengrin, geben den einzelnen Arien, Ouvertüren, Chor- und Instrumentalstücken die jeweils eigene Farbe und tragen ihre Arrangements so gekonnt vor, dass es dem Hörer leicht fällt, das, was fehlt, im Kopf stillschweigend zu ergänzen. Frontmann Eß und seine Kollegen sowie Rezitator Martin Neubauer wurden bei der Bamberger Erstaufführung zu Recht bejubelt.

Dass auch die inzwischen zu Ende gegangene Wagner-Ausstellung in der Staatsbibliothekvon den Besuchern der Wagner-Tagung begeistert aufgenommen wurde, liegt auf der Hand. Die berühmte rote Brieftasche und das noch berühmtere Braune Buch gibt's eben nicht alle Tage zu sehen, ganz zu schweigen von der Originalpartitur der Götterdämmerung. Und die erst an Wagners Geburtstag in die Sammlung eingegangenen privaten Erinnerungsstücke aus dem Nachlass von Wagner-Tochter Eva Chamberlain erzählen zwar nichts Neues über den Familienmenschen Richard Wagner, sind aber schöne und bisher unbekannte sichtbare Zeugnisse.

Übrigens darf im Nachklang der Ausstellung die Geschichte um Wagners Verhältnis zu Parsifal-Dirigenten Hermann Levi um ein kleines, aber unfeines Detail ergänzt werden: Zur Wagner-Sammlung der Staatsbibliothek gehört der ans Hotel Bamberger Hof adressierte Briefumschlag, in dem Wagner dem designierten Parsifal-Dirigenten nach einem Zwischenfall am 1. Juli 1881 nochmals bestätigte, dass er die Uraufführung leiten solle. Und eben dieser Briefumschlag offenbart, weil eine Briefmarke fehlt und der Postillion mit blauem Stift die Zahl zwanzig notierte, dass Hermann Levi für Wagners Brief Nachgebühr* berappen musste. Die Vorgeschichte dazu hat Stephan Mösch in seinem Standardwerk Weihe, Werkstatt, Wirklichkeit von 2009 (Bärenreiter/Metzler Verlage) wie folgt beschrieben:

Ein anonymer Brief war in Wahnfried eingegangen. Darin wurde Levi und Cosima ein Verhältnis unterstellt und Wagner geraten, sich von dem Dirigenten zu distanzieren. Ob der Absender letztlich bekannt war oder nicht: Der Brief kam Wagners Taktik gelegen. Levi flüchtete nach Bamberg, nachdem Wagner ihm das Dokument vorgeführt hatte. So konnte aus Wahnfried erneut die schmeichlerische, scheinbar souveräne Einladung zu "Parsifal" kommen - und sich mit dem Ressentiment verbinden, das aus dem dauernden Drängen zur Taufe spricht.

Von Wagners nicht nur frühem Drang, sich mit den literarischen Werken und der Musikästhetik von E.T.A. Hoffmann auseinander zu setzen, berichteten in der Tagung mit immer wieder erhellenden Einzelheiten Jörg Krämer, Caroline Wagner und Frank Piontek - drei Vorträge, welche den Zuhörern klar machten, wie stark gerade dieser Universalkünstler bei Wagner nachwirkte - von der ersten namentlich erwähnten Lektüre bis hin zur Klingsor-Figur in Parsifal. Letzteren und das Gros aller Figuren aus Leben und Werk Wagners hat der in Bayreuth lebende Zeichner Matthias Ose in dem oben gezeigten Adventskalender verewigt, der in unserem Verlagshaus erschienen ist und in zehn Exemplaren als Gewinn der Wissenswette Nummer zehn lockt. Wie immer gilt es drei Fragen zu beantworten:

1.) An welchem Tag und wo wurde Giuseppe Verdi getauft?
2.) Was war die letzte Operninszenierung von Patrice Chéreau?
3.) Wann und wo ist Friedrich Nietzsche geboren?

Wer die Antworten nicht auf Anhieb weiß, kann sie in den Oktober-Einträgen dieses Blogs finden. Senden Sie Ihre Lösung mit dem Stichwort "Wissenswette X" und Ihrer Postanschrift bis spätestens 15. November 2013 an leserreporter@infranken.de. Die Gewinner werden unter allen richtigen Einsendungen gezogen. Von einem Wagner-Kalender berichtet übrigens schon am 4. Dezember 1881 Cosima in ihrem Tagebuch: "Ein R.-W.-Kalender wird ihm heute aus Wien zugeschickt mit einigen Irrtümern" - ein Richard-Wagner-Kalender aus dem renommierten Verlag von Carl Fromme, der unter anderem auch die Daten der Proben und Aufführungen der zweiten Festspiele von 1882 enthielt.


*Bibliotheksdirektor Werner Taegert hat mit Unterstützung eines Kollegen aus der "Philatelistischen Bibliothek", einer Spezialabteilung der Münchner Stadtbibliotheken, folgende Informationen dazu nachgereicht: Laut Michel-Katalog Deutschland Spezial betrug zwischen 1875 bis 1900 (was waren das für stabile Zeiten!) das normale Briefporto bis 15 Gramm 10 Pfennig. Als Nachporto wurde das Doppelte berechnet. Die von Wagner auf dem Umschlag geforderte Eilbriefsendung hätte zu dem Grundporto von 10 Pfennig einen Zuschlag von 25 Pfennig zur Folge gehabt, also insgesamt eine Gebühr von 35 Pfennig. Der Brief dürfte also entgegen Wagners Absicht wegen der fehlenden Frankierung doch nur als Normalbrief unterwegs gewesen sein.