Stuttgart
Mein Wagner-Jahr

Wagnerjahr-Wissenswette (V)

Historisch liegt der Schwerpunkt heute auf dem Wagnerfreund, Dichter und Vormärz-Revolutionär Georg Herwegh. Bei der Wissenswette gibt es das außergewöhnliche Wagner-Geburtstagsbuch aus dem Böhlau Verlag und ein Kartenspiel zu gewinnen.
Das Cover (Ausschnitt) des Geburtstagsbuchs "Für Richard Wagner!" mit Bildern seiner damals 15-jährigen Tochter Isolde. Das von Wagner-Urenkelin Dagny Ricarda Beidler im Böhlau Verlag herausgegebene Buch hat 158 Seiten, 66 Farbabbildungen und kostet 29,90 Euro.
Das Cover (Ausschnitt) des Geburtstagsbuchs "Für Richard Wagner!" mit Bildern seiner damals 15-jährigen Tochter Isolde. Das von Wagner-Urenkelin Dagny Ricarda Beidler im Böhlau Verlag herausgegebene Buch hat 158 Seiten, 66 Farbabbildungen und kostet 29,90 Euro.
+3 Bilder
"> ">
Schnell weg von den aktuellen Unerfreulichkeiten in der realen Wagner- und Bayreuthwelt und durchatmen! Für den 31. Mai gäbe es immerhin drei Erinnerungsdaten, die einen näheren Blick verdienten - als da sind: der Geburtstag von Georg Herwegh (1817-1875), Wagners erste große Ehekrise 1837 in Königsberg, als seine Frau Minna mit einem Kaufmann namens Dietrich durchbrannte, sowie der Todestag von Wagners Malerfreund aus den Pariser Hungerjahren Ernst Benedikt Kietz(1816-1892), von dem viele Wagner-Porträts, Zeichnungen und Karikaturen stammen. Nicht zu vergessen unser monatliches Gewinnspiel.

Von den drei historischen Themen hat bei mir schon von der Gesinnung her die "eiserne Lerche" eindeutig das Rennen gemacht, das heißt der Lyriker und Vormärz-Revolutionär Georg Herwegh, der am 31. Mai 1817 in Stuttgart geboren wurde. Richard Wagner lernte Herwegh, der früh in die Schweiz emigrierte, im Frühjahr 1851 in Zürich kennen. Durch ihr gemeinsames Interesse für Ludwig Feuerbach kamen sie sich nahe, durch Herwegh fand Wagner 1852 zu François und Eliza Wille in Mariafeld, die hilfreiche Freunde werden sollten. 1854 brachte Herwegh Wagner Schopenhausers "Die Welt als Wille und Vorstellung" mit und löste damit laut Udo Bermbach "eines der zentralen Leseerlebnisse Wagners aus".

Herwegh wurde für Wagner in dieser Zeit zum anregenden Ideenvermittler und Partner im Austausch über philosophische, politische, kunsttheoretische und literarische Fragen. So schrieb Wagner am 4. April 1852 an Julie Ritter: "Herwegh ist wohl der einzige, dem ich mich bis zur vollsten Sympathie verständlich machen kann." Und umgekehrt berichtete Herwegh seiner Frau über Wagner: "Der Komponist - Revolutionär - Musiker - Richard Wagner, die bedeutendste Natur, die lebt, mein einziger Freund in tiefster Sympathie (...)".

Herwegh begleitete Wagner bei vielen seiner Gebirgswanderungen, auf der Rütliwiese am Vierwaldstätter See tranken sie am 7. Juli 1853 gemeinsam mit Franz Liszt Blutsbrüderschaft. Im September 1857 war er dabei, als Cosima und Hans von Bülow auf ihrer Hochzeitsreise Wagner in Zürich besuchten und schrieb für die frisch verheiratete Liszt-Tochter ein seherisches Albumgedicht. Nachdem Wagner im Sommer 1858 sein Züricher Asyl verließ, brach der Kontakt zwar nicht ab, aber die beiden Freunde entfremdeten sich. Herwegh sah in Wagners Verbindung mit König Ludwig II. einen Verrat an den einstigen republikanischen Idealen, erst recht, als der Komponist sich auch dem noch deutschen Kaiser an die Brust warf. Aus Anlass des Konzerts Wagners vor dem Kaiserpaar am 4. Februar 1873 in Berlin schrieb Herwegh ein Spottgedicht, dessen zweiter Vers lautet:

Viel Gnade gefunden hat Dein Spiel
beim gnädigen Landesvater,
nur lässt ihm der Bau des Reichs nicht viel
mehr übrig für Dein Theater.


Wagner antwortete ihm ebenso launig am 24. Februar 1873 wie folgt:

Ja, lieber Herwegh, man wird alt;
doch stets noch aus dem Wald es schallt,
wenn spielt der kühne Rattenfänger;
und du, ob Politik du treibst,
ob Poesie, Physik, du bleibst
der demokrat'sche Bänkelsänger!


Der kompromisslose Revolutionär Georg Herwegh ist der Nachwelt vor allem auch durch das von ihm verfasste Bundeslied des 1863 neu gegründeten Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV) in der Schweiz bekannt geworden, einer Vorläuferorganisation der späteren SPD. Die letzten drei Strophen dieser immer noch gültigen Hymne auf das revolutionäre Proletariat lauten:

Mann der Arbeit, aufgewacht!
Und erkenne deine Macht!
Alle Räder stehen still.
Wenn dein starker Arm es will.

Deiner Dränger Schar erblasst,
Wenn du, müde deiner Last,
In die Ecke stellst den Pflug.
Wenn du rufst: Es ist genug!

Brecht das Doppeljoch entzwei!
Brecht die Not der Sklaverei!
Brecht die Sklaverei der Not!
Brot ist Freiheit, Freiheit Brot!


Das damals prompt verbotene Stück gilt heute als eines der bekanntesten deutschen Arbeiterkampflieder. Nach seiner Amnestierung 1866 kehrte Herwegh nach Deutschland zurück, wurde noch im selben Jahr Ehrenkorrespondent der ersten Internationale und schloss sich 1869 der marxistisch-revolutionären Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) an. Herwegh wurde ständiger Mitarbeiter des sozialdemokratischen Blatts "Der Volksstaat" und veröffentlichte dort seine schärfsten politischen Gedichte. Am 7. April 1875 starb er im heute zu Baden-Baden gehörenden Lichtental. Begraben ist er im schweizerischen Liestal.

Ebenfalls in die Schweiz, nach Paris bzw. Berlin, nach Neapel und Dresden führt uns das monatliche Rätsel. Das Buch, das zweimal unter allen richtigen Einsendungen des Fragespiels verlost wird, ist im Wortsinn ein Geburtstagsbuch: Für Richard Wagner! heißt es lapidar, und genauer im Untertitel: Die "Rosenstöcke-Bilder" seiner Tochter Isolde. Das von Wagner-Urenkelin Dagny Ricarda Beidler herausgegebene Buch hat uns freundlicherweise der Böhlau Verlag zur Verfügung gestellt. Hier die Fragen der fünften Wagnerjahr-Wissenswette:

1.) Wie heißt der Erfolgskomponist, der Wagner unterstützte, aber auch seinen Neid weckte, was später direkt in die antisemitische Schmähschrift Das Judentum in der Musik mündete?

2.) Wie heißt das einzige geistliche Chorwerk Richard Wagners, das 1843 in der Dresdener Frauenkirche uraufgeführt wurde?

3.) Wie heißt neuerdings der Platz vor dem Bayreuther Festspielhaus?

Wer die Antworten nicht auf Anhieb weiß, kann sie in den Mai-Einträgen dieses Blogs finden. Senden Sie Ihre Lösung mit dem Stichwort Wissenswette V und Ihrer Postanschrift bis spätestens 11. Juni an leserreporter@infranken.de. Die Gewinner werden unter allen richtigen Einsendungen gezogen; Name und Wohnort werden im Blog veröffentlicht. Damit es, wie in den Vormonaten, drei Gewinne gibt, legen wir einen Sonderpreis drauf: ein Exemplar des längst vergriffenen Kartenspiels Richard's Rommé. Wer die vielseitig verwendbaren, von Matthias Ose pfiffig illustrierten Spielkarten gewinnen will, sollte wissen, aus welchen Wagnerwerkzitaten der folgende Satz gebaut ist: Gepflanzt sind die Pfähle, die Aufgab ist gestellt: Fanget an, kämpft um den Preis und nehmet All im Voraus unsren Dank!