Bamberg
Lauschangriff einmal anders

Von Apps, die mithören

In dieser Woche waren Sprachassistenten hier im Blog das große Thema. Sie lassen sich mit Sprachbefehlen starten, und hören daher immer zu. Aber nicht nur sie, wie ein eigener Test und Berichte von Experten beweisen. Unsere Smartphones lauschen ständig ...
Facebook App
Die Facebook-App holt sich auf Smartphones zahlreiche Berechtigungen ein, unter anderem auch das Recht, jederzeit das Mikrofon zu nutzen. Oftmals lässt sich das abstellen - aber nur bei neueren Geräten.
Kürzlich zappte ich durchs TV-Programm und blieb für wenige Minuten bei einem Teleshopping-Kanal hängen. Einige Stunden später öffnete ich die App von Facebook auf meinem Smartphone – und bekam Werbung zu genau dem Produkt angezeigt, das gerade im Fernsehen gezeigt worden war. Ein Einzelfall? Nicht wirklich. Eine Professorin aus Florida wirft dem sozialen Netzwerk Facebook schon länger vor, über das Mikrofon Gespräche aufzuzeichnen und so den Nutzern noch besser auf sie zugeschnittene Werbung anzuzeigen. Die Professorin verweist auf ein ähnliches Phänomen: Ihren Wunsch einer Jeep-Safari in Afrika habe sie nie ins Internet eingegeben, sondern nur ihren Kollegen erzählt – das Smartphone war dabei natürlich in der Nähe. Und prompt bekam sie Werbung für eine solche Tour angezeigt.

Wie geht das? Die Frage lässt sich recht einfach beantworten. Wer die Facebook-App auf seinem Smartphone installiert hat und nachschaut, welche Berechtigungen sie sich bei der Installation eingeholt hat, der findet bei einem Android-Smartphone dort folgende Einträge: Kalender, Kamera, Kontakte, SMS, Speicher, Standort, Telefon und Mikrofon. Das heißt im Klartext: Die Facebook-App hat die Erlaubnis, jederzeit das Mikrofon des Smartphones zu nutzen. Und somit kann sie mithören. Dass das so ist, hat Facebook längst zugegeben, behauptet aber, die Informationen würden nicht zur Personalisierung von Werbung genutzt.

Viele Apps laufen im Hintergrund weiter
Die App-Berechtigungen sind ein kontroverses Thema. Natürlich braucht etwa eine Foto-App Zugriff auf die Kamera, wenn allerdings eine Wetter-App unter Berechtigungen eine Freigabe für Kontakte, Kamera oder Mikrofon verlangt, muss man als Nutzer stutzig werden. Denn diese Freigaben kann die App nicht nur dann nutzen, wenn sie gerade geöffnet ist, sondern immer, wenn sie aktiv ist. Aktiv ist sie auch, wenn sie im Hintergrund noch läuft. Denn die wenigsten Nutzer schließen eine App vollständig, sondern pausieren sie nur durch Drücken der Home-Taste auf dem Smartphone. Das liegt auch daran, dass das vollständige Schließen einer App aufwändiger ist: Bei Apple-Geräten (iOS) muss die Home-Taste zweimal schnell hintereinander angetippt werden, dann erscheint eine Liste der offenen Apps, und mit einem Wisch nach oben lassen sich Apps beenden. Bei Android führt eine eigene Taste in den Taskmanager (meist eine Taste mit zwei ineinander geschobenen Rechtecken), ältere Smartphone benötigen einen langen Druck auf die Home-Taste. Und dann lassen sich Apps manuell schließen.

Die einschlägigen Unternehmen sind aber schon einen Schritt weiter. Denn viele Geräte lassen sich schon per Zuruf steuern, Googles Suchmaschine kann bei Smartphones zum Beispiel bereits mit dem Sprachbefehl „OK Google“ aufgerufen werden, sofern der Nutzer das freigegeben hat. Und das sogar dann, wenn das Display aus ist. Die Folge: Das Smartphone muss immer zuhören, wartet also ständig auf den Befehl. Dass dabei sämtliche Gespräche mitgehört werden, ergibt sich von selbst. Apple und Microsoft bieten solche Funktionen ebenso, und Amazon hat mit Amazon Echo schon seit Längerem ein Sprachbox für zu Hause im Programm, die auf Zuruf die Wetteraussichten nennt, Kalendereinträge verfasst, Kochrezepte vorliest und Musik abspielt.

Berechtigungen lassen sich nicht immer ändern
Niemand will den Teufel an die Wand malen. Dennoch: Gerade mit der Verwendung vieler Apps geben wir mehr von uns preis, als wir ahnen. Gibt es Gegenmaßnahmen? Der konsequenteste Weg wäre es, Sprachassistenten zu meiden und statt Apps auf dem Smartphone die mobilen Webseiten der Anbieter zu verwenden. In Sachen Messenger wie WhatsApp geht das aber nicht so einfach. Daher: Sowohl bei iOS als auch bei Android lassen sich die Berechtigungen für Apps im Nachhinein ändern. iOS-Nutzer finden die Optionen unter „Einstellungen – Datenschutz“ beziehungsweise „Einstellungen – Name der jeweiligen App“. Android-Nutzer müssen zu „Einstellungen – Anwendungsmanager bzw. Apps“ navigieren und dort in jeder App die Berechtigungen gegebenenfalls ändern. Das funktioniert aber nur in der aktuellen Version 6 von Android einwandfrei, und die haben erst wenige installiert. Und: Manche Berechtigungen lassen sich erst gar nicht entziehen, da die Apps sonst nicht mehr einwandfrei funktionieren.