Hannover
Biohacking

Technik, die unter die Haut geht

Wir kennen das von Tieren wie Hunden und Katzen. Ihnen kann ein kleiner Chip eingesetzt werden, für Auslandsreisen ist das oft Pflicht. Auf der IT-Messe CeBIT war vor Kurzem aber ein neues Phänomen zu sehen: Chips für Menschen.
Biohacking Chip
Der Mensch als Cyborg? Nein, so schlimm wird es erst einmal nicht werden. Dennoch: Chipimplantate gibt es schon für Menschen. Bild: Kaspersky Lab
Die Katze kommt zur Wohnungstür – und geht durch die Katzenklappe. Hinter ihr ein „Streuner“, die Klappe bleibt zu Das ermöglichen Mikrochips, die entweder am Halsband sitzen oder direkt unter die Haut implantiert werden. Der Chip kann auch Informationen über den Besitzer des Tiers enthalten, oder über Impfungen. Dass sich die Technik einmal weiterentwickelt und irgendwann auf den Menschen übertragen wird, war nur eine Frage der Zeit. Mittlerweile ist es soweit.

Was lässt sich damit anfangen? Überflüssig wird mit einem implantierten Chip etwa der Haustürschlüssel, ebenso PC-Passwörter oder Zugangskarten fürs Unternehmen oder den Fitnessclub. Und auch das Auto lässt sich so öffnen. Implantiert werden die Chips in die Hand, zwischen Daumen und Zeigefinger oder in den Mittelfinger. Aber wollen wir das überhaupt?

Grenze zwischen Mensch und Maschine verwischt
Das Unternehmen Kaspersky Lab, für seine PC-Sicherheitslösungen bekannt, hat in einer europaweiten Studie Menschen zum Thema Biohacking und Chipimplantate befragt. Im europäischen Durchschnitt ist die Akzeptanz für Biohacking überraschend hoch. Lediglich 29 Prozent lehnen es ab, sich Chips unter die Haut pflanzen zu lassen. Eine Stichprobe lässt mutmaßen, dass die Deutschen weniger offen sind. Fast die Hälfte (49 Prozent) der befragten Deutschen würde sich niemals einer Chipimplantation unterziehen. Die größten Bedenken sind: mögliche Fehlfunktionen und eine „feindliche Übernahme“ des eigenen Körpers.

Die Akzeptanz steigt, wenn der potenzielle Anwender einen bestimmten Nutzen mit einer Chipimplantation verbindet. So würden europaweit 51 Prozent der Befragten über einen Chip medizinische Belange verwalten und 46 Prozent einen Notruf absetzen. Immerhin 35 Prozent wären dazu bereit, das Implantat als Reisepass zu nutzen. 40 Prozent könnten sich vorstellen, über Chips besser ihre persönliche Gesundheit beziehungsweise Fitness einsehen oder verwalten zu können. Weitere für die Befragten denkbare Einsatzszenarien wären Geräteauthentifizierung, kontaktloses Bezahlen, die Verwaltung des Smart Homes sowie das Öffnen und Schließen von Türen.

Aber: „Chipimplantate verwischen die Grenze zwischen Mensch und Maschine und machen einen mit dieser Technik ausgestatteten Körper so cyberverletzbar wie nie. In der Welt der Cyborgs gibt es aktuell auch keine Form der Regulierung oder Standardisierung. Diese Aspekte werden oft auch als Hindernis für Innovationen gesehen“, sagt Marco Preuss, Leiter des europäischen Forschungs- und Analyseteams bei Kaspersky Lab. „Beim Thema Biohacking ist es aber essenziell, dass Cybersicherheit von Anfang an in die Chipimplantate und deren Entwicklung integriert wird, denn sind die Chips erst einmal unter der Haut, ist es dafür zu spät.“

Der Technik-Michel meint:
Wie so oft bei technischen Entwicklungen besteht bei Chipimplantaten ein Zwiespalt zwischen Nutzen und Sicherheit. Auf der CeBIT ließen sich zahlreiche Messebesucher einen Chip einsetzen, auch, um auszuprobieren, ob sich so etwas im Alltag wirklich sinnvoll verwenden lässt. Bis wir alle Chips tragen, wird noch viel Zeit vergehen, aber die Prognosen, dass auf lange Sicht jeder einen solchen Chip implantiert hat, sind keine Science-Fiction mehr.

Ein Video zur Messe CeBIT, die zeigt, wie eine solche Implantation funktioniert, finden Sie im Internetangebot der Tagesschau.