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Tag 8 im Senegal: Touba, das senegalesische Mekka

Nach drei Stunden Busfahrt betreten wir eine andere Welt. Eine Welt, in der Alkohol, Zigaretten und laute Musik verboten sind. Eine Welt, in der sich auch wir christliche Frauen verschleiern müssen. Eine Welt, in der es keine Polizei gibt und niemand Steuern zahlt.
Schleier und lange Röcke - die Kleidervorschriften in Touba werden streng kontrolliert. Fotos: Ann-Kathrin Thönnes
Schleier und lange Röcke - die Kleidervorschriften in Touba werden streng kontrolliert. Fotos: Ann-Kathrin Thönnes
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Wir sind in der Stadt Touba, die oft als Staat im Staat bezeichnet wird und die Hochburg der islamischen Bruderschaft der Mouriden ist.

Schon als wir vor der Großen Moschee mit dem Grab von Amadou Bamba, dem Begründer der Bruderschaft, aus dem Bus aussteigen, überprüft unser Führer, ob wir Frauen vorschriftsgemäß gekleidet sind - mit Kopfbedeckung und langem Rock. Hosen sind verboten. Darauf, dass die Vorschriften in Touba eingehalten werden, achten die Baay-fall - eine Art Sittenpolizei, erkennbar an den Rastazöpfen und bunten Flickengewändern.

Bevor wir das Gelände der Moschee betreten, müssen wir unsere Schuhe ausziehen. Männer und Frauen dürfen zusammen hineingehen, nur Fotos müssen getrennt voneinander gemacht werden. Zwar sind wir als Christen ausdrücklich in Touba willkommen, in den Gebetsraum der Moschee dürfen wir jedoch nicht gehen. Aber auch die zahlreichen anderen Räume, Hallen und Minarette der bombastischen Grabmoschee sind faszinierend. Marmor, buntes Glas und vergoldete Säulen, wohin man blickt. Bizarr, wenn man bedenkt, dass der Senegal zu einem der ärmsten Ländern der Welt gehört. Finanziert wird der Bau der Moschee, die seit 1963 ständig erweitert und verschönert wird, durch die Spenden der Gläubigen.

Der Guide führt uns zum Grabmal von Amadou Bamba. Einmal im Jahr pilgern bis zu vier Millionen Gläubige zum Magal, dem "Großen Treffen" nach Touba, um den Gründer der Mouriden-Bruderschaft zu ehren und drei Tage lang zu beten und zu singen. Der Magal sorgt regelmäßig für einen Zusammenbruch des gesamten Verkehrs im ganzen Land.

Obwohl der Islam im Senegal eine sehr große Rolle spielt - über 90 Prozent der Bevölkerung sind muslimisch - bekommen wir davon bisher nur wenig mit. Ausnahme ist der Muezzin, der uns täglich um fünf Uhr weckt. Auf den Straßen sieht man jedoch kaum verschleierte Frauen und auch sonst scheint der Islam im Senegal - zumindest außerhalb der Stadtgrenzen von Touba - im Vergleich zu arabischen Ländern eher in einer "Light-Version" zu existieren. So sind bis heute auch Ahnenkulte, die Verehrung von Dämonen oder Regentänze in islamischen Gemeinschaften keine Seltenheit. Die Scharia, die strenge islamische Rechtsprechung, konnte sich im Senegal nie durchsetzen. Stolz verweisen die Senegalesen immer wieder auf das friedliche Zusammenleben zwischen Muslimen, Christen und anderen Religionen.

von Ann-Kathrin Thönnes
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