Bamberg
Wahl-Rückblick

Strauß, Stoiber ... Seehofer! Bayern braucht keine Opposition

Wer in Bayern nach der Landtagswahl 2008 auf eine stärkere Opposition gehofft hatte, wurde enttäuscht. Vielmehr knüpft Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) an eine Tradition an, die vor ihm schon Franz-Josef Strauß geprägt hatte: die Alleinherrschaft der CSU.
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Endlich wieder allein in der Regierung. Horst Seehofer (CSU) setzt die CSU-Tradition fort, auf eine absolute Mehrheit bauen zu können. Foto: Inga Kjer/dpa
Endlich wieder allein in der Regierung. Horst Seehofer (CSU) setzt die CSU-Tradition fort, auf eine absolute Mehrheit bauen zu können. Foto: Inga Kjer/dpa
"Wir sind wieder da", rief Horst Seehofer (CSU) seinen Anhängern nach dem Sieg bei der Landtagswahl zu. Dabei tat er so, und man könnte es glatt so interpretieren, als wäre seine Partei nach Jahren der Abstinenz wieder an die Macht gekommen. Doch das ist nicht so: Sie regiert Bayern seit 1957. Ununterbrochen. Und fast immer konnten sie das auch alleine tun.

Die einzige Zäsur war die Landtagswahl 2008. Der von den Altbayern wenig geliebte Franke Günther Beckstein erlitt für CSU-Verhältnisse Schiffbruch. 43,3 Prozent der Stimmen, rund 17 Prozent weniger als bei der Wahl davor, erhielt die CSU und musste sich der FDP als Steigbügelhalter bedienen, um an der Macht zu bleiben. Eine Schmach, die es zu diesem Zeitpunkt seit 44 Jahren nicht mehr gegeben hatte. Sie bedeutete das politische Ende für Beckstein, der den Posten des Ministerpräsidenten für Horst Seehofer räumte.

47,7 Prozent stehen 2013 für die CSU nun zu Buche. Absolute Mehrheit. "Da ist das Ding", hätte Oli Kahn dereinst gebrüllt, Seehofers Reaktion beweist, welches Selbstverständnis der CSU innewohnt. Bayern, machte der alte und neue Ministerpräsident bei jeder Silbe seiner Rede deutlich, ist CSU-Land. Jovial betonte er: "Damit ist das Jahr 2008 Geschichte, liebe Freunde". Er hat sich ein Stückchen bayerische Polit-Realität zurückgekämpft. Muss sich nicht mehr mit einem Koalitionspartner herumschlagen, sondern kann endlich wieder allein regieren. Damit steht Seehofer in einer Reihe mit den CSU-Granden Goppel, Strauß, Streibl und Stoiber.

Wozu eigentlich Opposition?

Seit nahezu 56 Jahren ist die CSU in Bayern an der Macht. Alle Nichtbayern dürften sich verdutzt die Augen reiben. Denn hierzulande scheint es gar keine Frage zu sein, ob die CSU die Regierung stellt, sondern ob sie es alleine tun kann. Wenngleich vom Volk gewählt, können Seehofer und die CSU agieren wie ein Monarch. Da kann sich die Opposition auf den Kopf stellen. Doch Seehofers Machtanspruch genügt das nicht, auch im Bund soll sein Wort Gewicht haben - bestenfalls Gesetz werden. Erst das Betreuungsgeld, das niemand außer ihm wollte, und jetzt seine Maut-Pläne. Vielleicht wird er sich auf hierbei durchsetzten, dennoch bleibt er in Berlin nur Juniorpartner. Wie schön ist es da für ihn in Bayern. Denn angesichts des jüngsten Wahlergebnisses gilt hier mehr denn je Gerhard Polts Bonmot: "In Bayern brauchen wir keine Opposition, weil wir sind nämlich schon Demokraten."


Ergebnisse der Direktkandidaten und Parteien in den fränkischen Stimmkreisen finden Sie unter wahlen.infranken.de. Auch Detailinformationen zu den Direktkandidaten finden Sie auf dieser Seite.
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