Bamberg
Wahlplakate

Shakira statt Seehofer

Hat sie schon jemand gesehen? Wahlplakate an den Straßenrändern oder an öffentli chen Plätzen. Bis jetzt glänzen die Politiker eher mit Negativ-Schlagzeilen in den Zeitungen. Steckt da vielleicht eine neue Strategie dahinter?
Grafik: FT
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Bei einem Spaziergang durch die bayerische Landeshauptstadt grinsen sie von Plakaten, die Weltstars und Pseudosternchen. Politiker hingegen nicht. Shakira statt Seehofer oder Unheilig statt Ude - Werbung für Konzerte statt Werbung für Parteien. War da nicht was? Ist nicht gerade Wahlkampf? Oder sollte zumindest sein. Wurden die Plakate einfach vergessen? Vielleicht haben die Politiker ja ihre Strategie geändert. Das Argument, dass es zu früh sei, gilt nicht. Man kann schließlich nicht früh genug damit beginnen, um die Gunst der Wähler zu ringen.

Denn obwohl noch keinerlei Plakate mit markanten Sprüchen und markigen Gesichtern zu sehen sind, so starren einen die Volksvertreter doch an - und zwar von den Titelseiten der Zeitungen und Magazine. Doch da stehen die Damen und Herren meist nicht so gut da, wie ihnen vielleicht lieb wäre.

Sie machen noch nicht mit Wahlprogrammen oder politischen Forderungen von sich reden, sondern vielmehr mit aberkannten Doktortiteln, dem Beschäftigen von Familienangehörigen auf Staatskosten, Freundschaften mit einem Steuerhinterzieher, horrenden Honoraren für Vorträge und so weiter.

Für den Wahlkampf also eher schlechte Voraussetzungen. Mit welchen Sprüchen soll man denn als Partei noch ernsthaft für sich werben? Klingt doch, angesichts der Tatsachen, alles ein bisschen ironisch: Mehr Bildung für alle! (Also gratis Doktortitel auf Wunsch?) Arbeitsplätze schaffen! (Kann auch ich meinen Cousin in der Staatskanzlei beschäftigen?) Reiche besteuern! (Zählt da das hinterzogene Vermögen dazu?) Nebeneinkünfte transparent machen! (Sie wissen, was gemeint ist).

Doch für solche Forderungen ist es zu spät. Bei vielen ist die Glaubwürdigkeit längst dahin. Setzt deshalb jetzt ein Umdenken ein? Der Verzicht auf Wahlplakate als Friedensangebot an den Bürger, dass man ihn nicht auch noch für dumm verkauft?

Vielleicht ergibt sich ja daraus gerade eine neue Chance! In diesem Jahr gewinnen nicht die Parteien, die das meiste Geld in ihren Wahlkampf investieren, sondern die, die am wenigsten negativ auffallen! Die Frage ist, wie viele Parteien dann am Ende noch zur Wahl stehen würden. Wie revolutionär wäre es, wenn die Violetten einen Bundeskanzler stellen! Oder die ÖDP einen Wirtschaftsminister! Wie wäre es mit einem Ministerpräsidenten von der Partei bibeltreuer Christen und einen piratischen Innenminister?

Wir wären das wahre Land der unbegrenzten Möglichkeiten, hätten keine große, sondern eine ultimative Koalition - ganz im Sinne unserer bunten PiF-Gesinnung. Apropos PiF: Manchmal muss man sich doch sorgen machen, dass Volksvertreter ihrer Partei in der Öffentlichkeit das selbe Prädikat verpassen, dass unsere Partei in Franken sich selbst gegeben hat: Garantiert unwählbar.