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Rekord

Prunk, Protz und Pixel: 500 Millionen für ein Computerspiel

Computerspiele übertreffen teilweise das Budget von Hollywood-Filmen. Das "open world game" Destiny stellt einen neuen Rekord auf - Hybris der Entwicklerbranche oder notwendiges Übel? Im Artikel gibt es auch eine Top 10 der teuersten Computerspiele.
Foto: Destiny (Activision/Bungie)
Foto: Destiny (Activision/Bungie)
Eigentlich braucht es nicht viel um ein Computerspiel zu entwickeln. Bildschirme, leistungsfähige Rechner und kreative Menschen, die diese Maschinen bedienen. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Nicht ohne Grund kosten moderne Spiele so viel wie ein Hollywood-Blockbuster. Im Fall von Destiny sogar deutlich teurer. Im September kam das Spiel auf den Markt. Laut dem Herausgeber Activision (Entwickler von Destiny ist die Firma Bungie) sollen Entwicklung, Vermarktung und der Online-Betrieb rund eine halbe Milliarde Dollar gekostet haben. Der bislang teuerste Hollywoodfilm Avatar kostete zwischen 50 und 100 Millionen Dollar weniger.

Ein Grund für die steigenden Kosten ist der "Open World-Trend". Also Spiele wie GTA, in denen riesige komplexe Welten geschaffen werden. Dort gibt es eben auch Stellen, die vielleicht nur ein Bruchteil der Spieler erkundet, aber sie müssen entworfen und programmiert werden, das kostet Geld.

Jede neue Konsolen-Generation macht die Spielentwicklung teurer

Zudem müssen sich die Spiele an die ständig anspruchsvollere Hardware anpassen. Realitätsnahe Grafiken und online Spielwiesen mit tausenden von Gamern fordern von den Entwicklern nicht nur immer anspruchsvollere Leveldesigns und aufwendig programmierte Charaktere, sondern auch eine kontinuierliche Pflege der Server.

Die Spieler verlangen regelmäßig nach neuen Updates und Erweiterungen ihrer Lieblingsspiele. Die Zeiten in denen man einen Shooter oder ein Echtzeitstrategiespiel mit abgeschlossener Handlung auf den Markt bringt und einige Karten für ein bisschen Online-Spielspaß dazu packt sind schon seit Jahren vorbei.

Heute bestehen Spielfiguren aus Hunderttausenden von Polygonen (dreidimensionale Bausteine). In abgeschwächter Form gilt dies auch für kleinste Details, wie Bäume oder Felsformationen. Hinzu kommen teure Technologien wie das Motion Capture-Verfahren, um die Gesichtszüge und die darin gezeigten Emotionen der Spielfiguren möglichst realistisch erscheinen zu lassen. Es gilt die einfache Rechnung: mehr Details kosten mehr Geld.

Vorbild Film: vom Stummfilm zum 3D-Blockbuster

Ein einfacher Vergleich erklärt die Entwicklungen in der Computerspielbranche vielleicht am besten. Heute ist Hollywood und die Filmindustrie weltweit eine gigantische Unterhaltungsmaschinerie mit Milliardenumsätzen. Vor weniger als einhundert Jahren sah das noch ganz anders. Filme waren eine Randerscheinung, deren Produktion weit weniger Geld gekostet hat, als heute. Mehr Details, mehr Effekte, mehr Drehorte, mehr Technik und andere Faktoren machen Filme immer teurer.

Zudem ist der Markt, durch Kinos, DVD"s und seit neuestem dem Streaming immer weiter gewachsen. Schaut man nun auf die Computerspielindustrie, dann gibt es sie vielleicht seit 40 oder 50 Jahre. Und sie ist noch lange nicht auf ihrem Zenit angekommen. Die Entwicklung der Filmindustrie ist in vielen Teilen auf die der Computerspiele übertragbar. Wachsender Markt, bessere Technik, steigender Anspruch der Kunden und so weiter, machen Spiele immer teurer. Auchdie hohen Gewinne lassen das Geld der Firmen etwas lockerer sitzen.

Änderung der Geldflüsse: Vom Computer nach Hollywood

Neben dieser ähnlichen Entwicklungsgeschichte verbindet die Computerspielindustrie noch etwas anderes mit Hollywood und der Filmbranche. Inzwischen verleihen nicht nur Hollywood-Schauspieler ihre Stimme an Computerspiel Charaktere, sondern Hollywood kauft Lizenzen von Spielen und bringt sie auf die große Leinwand. So kommt wahrscheinlich 2016 Warcraft in die Kinos. Bereits erfolgreich praktiziert wurde dies bei der Tomb Raider-Serie, Resident Evil oder Prince of Persia.

In den 80er und 90er Jahren lief es noch andersherum. Damals zahlten die Spieleschmieden für Lizenzen von Hollywoodfilmen. Heute gibt es beide Richtungen, doch die verfilmten Spiele nehmen zu. Ein Grund ist sicherlich auch die riesige Fangemeinde einiger Spiele, die gerne ins Kino geht, um ihre Helden - verkörpert von Hollywoodstars auf der Leinwand - zu sehen.

Best Practices: Cash-Maschine World of Warcraft

Eine Ausnahmeerscheinung ist wohl "World of Warcraft" (WoW). Bis zu zehn Milliarden Dollar habe das Spiel über die Jahre in die Taschen des Entwicklers Blizzard gespült. Der gehört seit 2008 ebenfalls zu Activision, dem Destiny-Herausgeber. 2000 begannen die Arbeiten an WoW. Aus der Branche heißt es, dass rund 70 Millionen Dollar Budget zur Verfügung standen. Zudem sei wohl ein dreistelliger Millionenbetrag für den Online-Betrieb zurückgelegt. Hinzu kommen jeweils rund 40 Millionen für die vier bisher erschienenen Erweiterungen. Hört sich viel an, aber bei einem Gesamtumsatz von rund zehn Milliarden Dollar über zwölf Jahre bleibt auch einiges übrig. Zwar nehmen die Abonnentenzahlen konstant ab - rund sieben Millionen sind es aktuell - aber jeder Spieler zahlt rund 15 Dollar im Monat.

Abos, Erweiterungen und Merchandise

Computerspiele existieren schon lange nicht mehr nur auf den Bildschirmen, sondern sind längst Teil der Populärkultur. Auf Postern, T-Shirts oder als Spielfiguren haben sie ihren Siegeszug angetreten und Geld in die Kassen der Entwickler- und Vertreiberfirmen gespielt. Unglaubliche 75 Milliarden Dollar haben Menschen 2013 für Computerspiele ausgegeben. Bis 2017 soll laut Branchenanalysten die 100 Milliarden Marke geknackt werden.
Für eine Investition von einer halben Milliarde können Entwickler mitunter bis zu 1,5 Milliarden Dollar einnehmen. Ein Großteil des Budgets von Destiny dürfte der Online-Betrieb kosten und die kontinuierliche Erweiterung der Spielwelt.


Inoffizielles Top 10-Ranking


Platz 1 Destiny. Rund 500 Millionen Dollar für Entwicklungs- und Werbebudget

Platz 2 Grand Theft Auto 5 - 265 Millionen Dollar Entwicklungs- und Werbebudget

Platz 3 Final Fantasy VII - 207 Millionen Dollar Entwicklungs- und Werbebudget

Platz 4 Call of Duty: Modern Warfare 2 - 200 Millionen Dollar Entwicklungs- und Werbebudget

Platz 5 Grand Theft Auto 4 - 100 Millionen Dollar Entwicklungs- und Werbebudget

Platz 6 Shenmue - 98,4 Millionen Dollar Entwicklungs- und Werbebudget

Platz 7 The Elder Scrolls 5 - Skyrim - 86 Millionen Dollar Entwicklungs- und Werbebudget

Platz 8 Gran Turismo 5 - 80 Millionen Dollar Entwicklungs- und Werbebudget

Platz 9 Metal Gear Solid 4 - 70 Millionen Dollar Entwicklungs- und Werbebudget

Platz 10 Unter anderem Halo 3 und Crysis 3 mit jeweils 60 Millionen Dollar Entwicklungs- und Werbebudget





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